EZB Lockere Geldpolitik beruhigt nervöse Weltbörsen

Während sich die internationalen Finanzmärkte für eine Zinserhöhung in den USA wappnen, wird die EZB zur wichtigsten Gegenspielerin der Fed. Das lässt den Stress bei internationalen Investoren sinken.

Während bei der Fed eine Zinserhöhung ansteht, bleiben die Zinsen in der EZB niedrig Quelle: REUTERS

Die vergangenen Wochen und Monate sind geprägt von panischen Reaktionen an den weltweiten Finanzmärkten. Für die Panik gesorgt haben die Griechenlandkrise, der abgestürzte Ölpreis, die Sorge vor steigenden Leitzinsen in den USA plus die Angst vor einen Crash in China – aber auch Unternehmensskandale wie die Abgasaffäre bei Volkswagen.

Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Donnerstag, die Geldschleusen bei Bedarf jederzeit noch weiter öffnen zu können, wirkt in dieser Situation wie eine Beruhigungspille für internationale Investoren. Das jedenfalls signalisiert der Stressindex, den das Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) für die WirtschaftsWoche errechnet hat. Der Druckpegel sank im Oktober auf minus 33 Punkte zurück in den grünen Bereich, nachdem er im September mit minus 12 Punkten noch auf einem erhöhten Stressniveau notierte (siehe Grafik).

„Ich bin davon überzeugt, dass die EZB-Politik die Unsicherheiten über einen zu frühen Zinserhöhungskurs der US-Notenbank überkompensieren wird“, sagt IfK-Chef Markus Zschaber. Seiner Einschätzung nach schwenken auch andere wichtige Notenbanken auf Gegenkurs zur amerikanischen Zentralbank. Während die US-Notenbank eine erste Zinserhöhung wahrscheinlich im Dezember 2015 umsetzen könnte, deuten aus Zschabers Sicht alle relevanten Daten darauf hin, dass die EZB, die Bank of Japan und die Bank of China bestrebt sind, die Geldpolitik im laufenden Quartal weiter zu lockern. „Wahrscheinlich wird die Bank of China die erste sein, die mit einer weiteren Zinssenkung und auch weiteren Verringerungen der erforderlichen Mindestreservesätze der Banken beginnen wird“, sagt der Kapitalmarktexperte.

Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik

Zschaber ist Gründer des Vermögensverwalters V.M.Z. Sein Kölner Institut hat einen Index entwickelt, der die von Finanzkrisen ausgehende Ansteckungsgefahr für die Realwirtschaft anhand einer Fieberkurve messen soll. Dieser Systemstressindex ist in eine dreistufige Skala unterteilt: Im unteren Bereich mit den Werten minus 100 bis minus 20 sind die Finanzmärkte entspannt und krisenhafte Entwicklungen auf den Finanz- und Gütermärkten nicht in Sicht. Die Zone zwischen minus 20 und plus 20 steht für mittleren Stress. Hier besteht zwar noch keine akute Gefahr, aber die Finanzmärkte befinden sich schon in einem Zustand nervöser Anspannung, in dem weitere schlechte Nachrichten schnell die nächste Krise ausbrechen lassen können. Der Indikator steigt dann in den Hochdruckbereich auf Werte zwischen plus 20 und plus 100.

Um die Indexwerte zu ermitteln, prüfen Experten des IFK weltweit 6500 finanzielle und konjunkturelle Indikatoren, darunter Aktien-, Währungs- und Rohstoffkurse sowie Zinsen auf Staats- und Unternehmensanleihen oder die Kosten für Versicherungen gegen Kreditausfälle.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Die Besonderheit: Der Algorithmus lernt aus der Vergangenheit und filtert je nach Situation die Daten mit dem stärksten Einfluss auf die Anfälligkeit von Finanzmärkten und Konjunktur heraus. Je volatiler die Daten sich entwickeln, also je stärker sie schwanken, desto höhere Ansteckungsgefahr signalisiert der Stressindex für die Weltkonjunktur.

Nach Ansicht der IfK-Ökonomen ist die Unruhe an den Finanzmärkten in der zweiten Septemberhälfte zu einem großen Teil auf den Volkswagen-Skandal zurückzuführen. Diesen sieht Zschaber jedoch als isoliertes Problem für die Automobilindustrie und weniger als weltweiten Stressfaktor für die Finanzmärkte. So sind die Zinsunterschiede, die Gläubiger als Risikoaufschlag für an asiatische Banken verliehenes Geld verlangen, um fast 50 Prozent gesunken. Auch fließt laut Ifk wieder mehr Geld aus dem Westen in asiatische Schwellenländer. Eine Entwarnung für die dortigen Märkte sei das aber noch nicht.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%