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Facebook, Amazon & Co. Experten schwören Tech-Aktien die Treue

Facebook leidet unter dem Datenskandal, Apple unter einem drohenden Handelskrieg. Tech-Aktionäre müssen stark sein. Doch Analysten raten vom Verkauf ab.

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Facebook sitzt auf einem Geldberg. Mögliche Strafen dürften den Konzern kaum beeinflussen. Quelle: AP

New York Mehr als 90 Prozent seiner Kollegen hat der Portfoliomanager Tom Ognar im vergangenen Jahr geschlagen, indem er Aktien von Amazon und Alphabet angehäuft hat. Ognar ist Manager des 4,5 Milliarden Dollar schweren Wells Fargo Growth Fund. Aber angesichts des Datenschutzskandals bei Facebook und tödlichen Unfällen bei Uber und Tesla melden sich die Zweifler am Tech-Sektor plötzlich zu Wort, und eine Aktie nach der anderen geht auf Talfahrt.

Trotzdem bleibt Ognar entspannt: „Wir glauben nicht, dass die Party vorbei ist.“ Das gilt offenbar auch für den Großteil seiner Fondsmanager-Kollegen. Zwar gab es jüngst hässliche Headline-Verluste – die sogenannten FANG-Aktien, also Facebook, Amazon, Netflix und Google hatten am Dienstag ihren schlechtesten Tag. Dennoch gibt es wohl Daten, die darauf hindeuten, dass viele Fonds noch weit davon entfernt sind, die Branche aufzugeben, die in den letzten fünf Jahren mehr zum Vermögen der US-Aktieninvestoren beigetragen hat als jeder andere. Immerhin der Tat ist der Nasdaq 100 Index das einzige große US-Aktienbarometer, das in diesem Quartal noch im grünen Bereich liegt.

„Denken Sie an Dinge wie Ihren Thermostat, der früher ziemlich einfach und analog war. Jetzt können Sie ihn mit Ihrem Telefon steuern“, sagt Ognar aus seinem Büro in San Francisco. „Auch Ihre Kaffeemaschine – es ist eine große profane Veränderung, die hoffentlich auch weiterhin nachhaltiges Wachstum bringt.“

Die Haltung an der Wall Street steht nicht im Einklang mit der Gegenreaktion, die sich in Washington zusammenbraut. Zwar ist es noch zu früh, zu sagen, ob der Datenskandal bei Facebook zu erheblichen Verlusten bei Nutzern und Werbetreibenden führen wird. Doch der Ruf nach strengerer Regulierung führt dazu, dass Manche sich fragen, ob dies nicht ein Wendepunkt für eine Branche ist, die versprochen hat, die Welt zum Besseren zu verändern.

„Es sind die Lieblinge unter den Wachstumsaktien, die schwierige Zeiten durchmachen, und es wird keine kurze und schnelle Geschichte sein“, glaubt Jennifer Ellison, Managerin bei Bingham, Osborn & Scarborough in San Francisco, mit einem Anlagevolumen von 4,2 Milliarden Dollar. „Das ist eine Spitze des Eisbergs.“

Selbst Amazon, bisher weitgehend verschont, wurde am Mittwoch von einer härteren Haltung der Regierung erschüttert. Das Nachrichtenportal Axios berichtete, dass US-Präsident Donald Trump darüber nachdenkt, wie man dem E-Commerce-Giganten beikommen kann, einschließlich der Frage, ob er Steuergesetze oder Kartellgesetze anwenden soll.

Trump kommt auch ins Spiel, wenn es um die Kursentwicklung von Apple geht. Die Aktie liegt mehr als acht Prozent unter ihrem Rekordhoch – nicht zuletzt aus Sorge vor einem Handelskrieg zwischen den USA und China. Im schlimmsten Fall könnten die USA einen Zoll einführen, der iPhones und andere in China hergestellte Elektronikgeräte trifft. Unterdessen haben Autounfälle zu Turbulenzen bei den Marktlieblingen Tesla und Nvidia geführt.


Verbeult, aber intakt

Kein Grund zu Besorgnis, sagen Analysten, deren E-Mail-Postfächer mit Berichten überquellen, die eine bullische Haltung gegenüber der breiteren Branche bekräftigen. Ihre Argumente: Die technischen Grundlagen bleiben stark, und trotz der Sorge um Privatsphäre, gefälschte Nachrichten und Tech-Power ziehen die US-Giganten immer noch Produkte aus dem Hut, die die Leute kaufen wollen.

Facebook sitzt auf einem Geldberg, der so groß ist, dass die höchsten jemals gegen ein Unternehmen verhängten Strafen weniger als sieben Prozent davon betragen würden. Abgesehen von Google ist die Online-Dominanz von Facebook so umfassend, dass es für Nutzer oder Werbetreibende nur wenig Alternativen gibt.

„Sie werden verbeult und vernarbt daraus hervorgehen, aber sie werden intakt herauskommen“, sagt James Cakmak, Analyst bei Monness Crespi Hardt & Co. Er hat seine Kauf-Empfehlung und sein Kursziel von 210 Dollar für Facebook beibehalten. „Radio und Fernsehen sind nicht die Zukunft, das wissen wir – die Zukunft ist digital. Und es wird nicht die Richtung der Dollars beeinflussen, die für Google und Facebook sind. Die Frage ist, wie schnell sie dort ankommen.“

Der Schaden für all diese Aktien in den letzten Wochen bleibt, wenn man ihn durch eine weitere Linse betrachtet, begrenzt: Selbst nach dem sieben-Prozent-Einbruch am Dienstag bei Nvidia liegt der Kurs noch doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Tesla, mit Kursverlusten von fast 20 Prozent in diesem Jahr, ist im Vergleich zu seinem Kurs zu Beginn des Jahres 2013 immer noch das Siebenfache wert.

Analystenschätzungen und Geldströme bei Fonds zeigen nur wenig Anzeichen von Panik. Tatsächlich haben sich die Gewinnprognosen für die Tech-Industrie in den letzten zwei Wochen trotz der Marktturbulenzen kaum verändert. Mit 30 Prozent liegt das erwartete Wachstumstempo höher als in fast allen anderen Branchen des S&P 500 Index.

Anleger in börsennotierten Fonds (ETFs) haben offensichtlich keine Eile, auszusteigen. Beim PowerShares QQQ Trust Series - dem größten ETF, der den Nasdaq 100 abbildet - erreichten die Abflüsse am 19. März ein Höchstvolumen von 2 Milliarden Dollar und sanken am Dienstag auf weniger als ein Zehntel dieser Summe. An diesem Tag verloren die Nasdaq-Unternehmen 260 Milliarden Dollar an Marktwert.

„Tech hat uns mehr gegeben, als es uns weggenommen hat“, sagt Kim Forrest, leitende Portfoliomanagerin bei Fort Pitt Capital Group LLC in Pittsburgh. „In der Zukunft werden wir mehr vernetzte Geräte haben.“

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