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Facebook, Twitter und Co. Tech-Aktien haben kaum noch Luft nach oben

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Kein Grund für Nostalgie

Einige Investoren können dem neuen Trend aber auch Positives abgewinnen: Mark Hantho, Kapitalmarktchef bei Deutsche Bank Securities, war in den Zeiten der Dotcom-Blase Chef des Technologiebereichs im Investmentbanking bei Morgan Stanley. „Vor 2001 wurden in dieser Branche zahlreiche Geschäftsmodelle noch vor Marktreife an die Börse gebracht. Heute werden die Blindgänger alle schon vorbörslich aussortiert.“

Das sind Deutschlands Internetriesen
Platz 10: YouTubeUmsatz 2013: 147 Millionen Euro*Der Video-Kanal schafft es mit zwei Millionen Euro Umsatz Vorsprung auf den elftplatzierten Mobile.de gerade noch in die Top Ten. Diese zehn größten Internetunternehmen generieren gemeinsam bereits 42 Prozent des gesamten Marktumsatzes der Top 1000. Dabei sind Film, Video & TV-Anbieter absoluter Vorreiter beim mobilen Traffic. Fast 56 Prozent der Visits kommen hier von mobilen Endgeräten. Zweitstärkstes Segment mit weitem Abstand sind Nachrichten mit 30,6 Prozent. Quelle: Statista 1000 Top-Internetunternehmen in Deutschland: Die Marktanalyse von Statista erfasst erstmals wesentliche Teile der Netto-B2C Wertschöpfung aus werbefinanzierten Angeboten, bezahlten digitalen Inhalten und Services auf Anbieterebene und bildet auf dieser Basis ein Umsatzranking der 1000 größten digitalen Anbieter ab. Im Vorfeld wurden hierzu mehrere tausend Websites auf ihre Relevanz untersucht. Quelle: dpa
Platz 9: Immoscout 24Umsatz 2013: 155 Millionen EuroSuchportale wie der Wohnungs- und Immobilienvermittler Immoscout, Reise-Vermittler, Kleinanzeigen und digitale Güter von Generalisten sowie Preisvergleiche, treiben den Markt und generieren 66 Prozent des erfassten Gesamtmarktvolumens. Quelle: Screenshot
Platz 8: Google PlayUmsatz 2013: 155,6 Millionen EuroMit iTunes, GooglePlay und YouTube bestimmen drei internationale Player das Spielfeld „Digitale Güter“. Das Segment Film, Video & TV (23 Prozent) wird von Senderablegern sowie internationalen Anbietern beherrscht, die verstärkt in den Markt drängen (z. B. Lovefilm, Watchever). Quelle: AP
Platz 7: Check24Umsatz 2013: 157 Millionen EuroVergleichsportale zählen zu den beliebtesten Inhalten im deutschen Internet. Mit 18,9 Prozent legt das Segment „Digitale Güter“ das stärkste jährliche Wachstum seit 2011 vor, gefolgt von digitalen Services mit 11,1 Prozent sowie den digitalen Content-Angeboten mit 8,9 Prozent. Quelle: Screenshot
Platz 6: bwinUmsatz 2013: 169,1 Millionen EuroBwin ist Deutschlands führender Anbieter von Sportwetten und Online-Gaming. Das Unternehmen wurde 1999 unter dem Firmennamen Simon Bold (Gibraltar) Ltd. gegründet und 2001 von der in Wien ansässigen, börsennotierten bwin Interactive Entertainment AG zu 100 Prozent erworben. Nach einer Fusion mit PartyGaming Plc im März 2011, ist dieses Unternehmen jetzt Teil der bwin.party Gruppe. Das Mutterunternehmen der Gruppe ist bwin.party digital entertainment plc, ein in Gibraltar registriertes und an der Londoner Börse notiertes Unternehmen. Quelle: dpa
Platz 5: Booking.comUmsatz 2013: 189,1 Millionen EuroBei Booking.com handelt es sich um ein ursprünglich niederländisches Reiseportal, das 1996 auf den Markt kam und seither wächst und wächst. Die deutschen Anbieter digitaler Dienstleitungen erwirtschaften nur 13 Prozent des Umsatzes der Top Ten des Segments Digitale Services. Quelle: Screenshot
Platz 4: FacebookUmsatz 2013: 228 Millionen EuroDas von Mark Zuckerberg erdachte soziale Netzwerk gehört zu den absoluten Riesen im Internet mit derzeit rund 1,2 Milliarden Mitgliedern. Quelle: dpa

Für Privatanleger ist das ganze Spiel mit jungen High Techs aber trotzdem sehr viel schwieriger geworden. Risikokapitalgeber, seien es nun traditionelle oder neue wie Aktienfonds und Hedgefonds, wollen ihre Beteiligungen in der Regel nicht allzu lange behalten, sondern mit Gewinn wieder losschlagen. Das Mittel der Wahl dazu sind nach wie vor Börsengänge, bei denen in der Regel ein satter Preisaufschlag gegenüber den letzten privaten Finanzierungsrunden verlangt wird.

Auch wenn sie inzwischen oft anderes behaupten: In der Regel strebten vorbörsliche Investoren bei einem Ausstieg über die Börse noch immer eine Verdreifachung ihrer Investitionssumme an, sagt Andrea Auerbach, Partnerin bei Cambridge Associates, einem Anlageberater für institutionelle Anleger. Demzufolge würde Uber beim Börsengang über 100 Milliarden Dollar kosten. Dropbox oder Airbnb müssten jeweils rund 30 Milliarden einspielen.

Wie man an der Börse die besten Chancen hat

Das viele Geld findet weniger Aktien

„Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, müsste schon noch Luft für nachhaltige Wertsteigerungen sein“, sagt Auerbach, „es sollte noch Treibstoff im Tank sein für die nächste Gruppe von Eigentümern, nämlich die neuen Aktionäre. Wenn die Renditen fast zur Gänze abgeschöpft sind, weil die Unternehmen die Phase hohen Wachstums schon weitgehend hinter sich haben, fehlt dem ganzen Spiel irgendwie der Sinn“, findet Auerbach.

Es gibt ein weiteres Phänomen, das die Aktienbewertungen auf ein nicht mehr vertretbares Niveau treibt: Heutzutage findet das viele Geld weniger Aktien. Nach Angaben von Triton Research ist die Anzahl der börsennotierten US-Unternehmen durch Fusionen, Konkurse und fremdfinanzierte Übernahmen von 8823 im Jahr 1997 auf inzwischen 5008 gefallen.

Wenn man sich an die Begeisterung für die Börsengänge der Dotcom-Ära erinnert, bekommt man leicht nostalgische Gefühle; aber für den durchschnittlichen Anleger hat das System nie besonders gut funktioniert. Ritter von der University of Florida analysierte alle Börsengänge zwischen 1980 und 2012; er stellte fest, dass Anleger, die zeichneten, damit meist nicht gut verdienten: Die durchschnittliche Rendite nach drei Jahren für eine am ersten Handelstag erworbene Aktie lag bei 22 Prozent, das waren 19 Prozentpunkte weniger als der breite Aktienmarkt in derselben Periode einbrachte. Etwas besser schnitten Börsenneulinge mit einem Jahresumsatz über 500 Millionen Dollar ab. Sie erzielten in den ersten drei Jahren 39,5 Prozent Ertrag.

Börse



Triton-Research-Gründer Rett Wallace glaubt, dass die Börsengänge in Zukunft für Anleger noch unattraktiver werden. „Der Grund dafür ist, dass viel von dem potenziellen Wachstum bereits vor dem Börsengang abgeschöpft wurde. Risikokapitalgeber und eine Handvoll risikofreudiger Investoren schlagen aus den Aufbaujahren eines Unternehmens Kapital, indem sie sich die Intransparenz der privaten Märkte zunutze machen, um überdurchschnittliche Gewinne einzufahren. Airbnb etwa ist längst Amerikas größter Hotelanbieter. Aber der befindet sich noch immer in Privatbesitz.“

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