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Facebook, Twitter und Co. Tech-Aktien haben kaum noch Luft nach oben

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Steigende Zahl von High-Tech-Anlegern

Laut Professor Jay Ritter von der University of Florida gingen in den Jahren 1999 und 2000 insgesamt 632 Technologieunternehmen an die Börse. 2013 waren es nur 43. 2014 gab es bisher 46 Börsengänge von High-Tech-Firmen. „Unternehmen wie Facebook und Twitter haben den Trend angedeutet“, sagt Kevin Landis, der den erfolgreichsten US-Technologiefonds bis zum Crash im Jahr 2000 managte, „die nächste Generation von Blue Chips wird schon vor dem Börsengang zweistellige Milliardenbewertungen erreichen.“

"Die Banken haben doch jeden an die Börse gebracht"
„Der Neue Markt als Konzept hat sich bewährt.“ (Der Vater des Neuen Marktes, der heutige Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni, am 10. September 1997 in Frankfurt.) Quelle: dpa
„Der Neue Markt ist ein Lehrstück für das ordnungspolitische Konzept der Marktwirtschaft. Kapital wird mit Ideen zusammengebracht.“ (Der damalige Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert in einer Rede zum 1. Jahrestag der Eröffnung des Neuen Marktes am 10. März 1998.) Quelle: dpa
„Der Neue Markt hat eine zweite Chance nicht nur verdient, wir müssen sie ihm auch geben.“ (Der damalige Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer, am 3. September 2001 in Frankfurt.) Quelle: rtr
„Die Frankfurter Wachstumsbörse verkommt zum Tummelplatz für Hochstapler und unseriöse Geschäftemacher. Immer mehr Hightech-Firmen trudeln in der Todeszone. Börsenexperten prophezeien: Nur jedes fünfte Unternehmen am Neuen Markt wird überleben.“ (Teaser eines Artikels im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ 17/2001.) Quelle: dpa
„Der amerikanische Traum vom Selfmade-Millionär hatte sich für viele Unternehmer und Anleger über Nacht erfüllt - mitten im angeblich so innovations- und risikofeindlichen Deutschland. Nicht nur die Professionellen, sondern auch die Privatanleger drängten an die Börse.“ (Aus einer Broschüre der Deutschen Börse zum 5. Jubiläum des Neuen Marktes im März 2002.) Quelle: dpa
„Ja, es hat kriminelle Machenschaften gegeben (...) In vielen Fällen aber ist schlicht das Geschäftsmodell nicht aufgegangen (...) Investoren, die gut diversifiziert am Neuen Markt anlegen, werden über kurz oder lang auch Treffer erzielen, die alle Verluste mehr als aufwiegen.“ (Der damalige Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert laut „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“ im März 2002.) Quelle: AP
„Die Banken haben doch jeden an die Börse gebracht, der einen ambitionierten Geschäftsplan vorgelegt und dabei das Wort Internet richtig geschrieben hat.“ (Der Ex-Chef und Gründer des Mobilfunkunternehmens Mobilcom, Gerhard Schmid (rechts im Bild), im März 2007 auf dpa-Anfrage zum 10. Jahrestag der Eröffnung des Neuen Marktes. Links neben ihm: Reto Francioni, heutiger Deutsche-Börse-Chef ) Quelle: dpa Picture-Alliance

Eine steigende Zahl von High-Tech-Anlegern, darunter Hedgefonds wie Coatue Management, Maverick Capital und Tiger Global Management, will bei gewinnträchtigen Unternehmen möglichst in einem frühen Stadium einsteigen und schon beim Börsengang Gewinn mitnehmen. Auch Fondsgiganten wie Fidelity Investments, T. Rowe Price und Blackrock drängen in das früher nur wenigen Spezialisten vorbehaltene Segment vorbörslicher Beteiligungen.

Alle drei Fondsgesellschaften sind beispielsweise an dem noch nicht börsennotierten Cloud-Speicherdienst Dropbox beteiligt. Laut Triton Research waren Fidelity und Blackrock im vergangenen Juni auch schon bei einer Wagniskapital-Finanzierungsrunde über 1,2 Milliarden Dollar beim Taxidienst Uber dabei.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Boomender Markt

Andy Boyd, Leiter Globale Aktienmärkte bei Fidelity, sagt: „Wir sind keine typischen Risikokapitalgeber, die auf zehn Start-ups streuen, von denen eines seinen Wert verzehnfacht und damit die Verluste der anderen neun ausgleicht; vielmehr sind wir auf der Suche nach Beteiligungen, die langfristig überdurchschnittliche Renditen abwerfen; es sind Investitionen in spätere Börsengänge, und da haben wir zur Not viele Jahre lang Geduld. Außerdem helfen wir den Start-ups auch indirekt bei ihren Vorbereitungen zum Börsengang, weil wir wissen, wie man mit der Finanzbranche kommuniziert.“

Einigen wird der boomende vorbörsliche Markt inzwischen offenbar aber zu heiß: Ende 2013 schloss T. Rowe Price seinen populären New Horizons Fonds für neue Anleger. Zur Begründung sagte der traditionsreiche Fondsanbieter, die Preise für junge Wachstumsunternehmen seien „überhitzt“, sowohl für börsennotierte wie für nicht notierte. In solche Unternehmen hatte der Fonds zuvor im Schnitt ein Drittel seiner insgesamt 15 Milliarden Dollar Anlegergelder investiert.

Interesse zahlreicher spekulativer Anleger erlahmt

Henry Ellenbogen, Portfoliomanager bei New Horizons, sagt: „Ab Mitte 2013 hatten wir zudem das Gefühl, dass die Erwartungen der Anleger an das Wachstumspotenzial der meisten jungen Unternehmen zunehmend der Realität enteilten. Das war sicherlich auch einer der Gründe für die Schließung des Fonds.“

Eine weitere Folge des Venture-Capital-Booms: Seit die Bewertungen bereits vorbörslich in die Höhe geschnellt sind, können die Zeichner junger Aktien beim Börsengang kaum noch schnelle Gewinne machen; das Interesse zahlreicher spekulativer Anleger an Börsengängen ist deshalb deutlich erlahmt. „Auf den Publikumsmärkten tauchen diese Unternehmen erst auf, wenn die Privatmarktakteure mit ihren Spielchen fertig sind“, so Dave McClure, Gründungspartner der Venture-Kapitalfirma 500 Startups, die 125 Millionen Dollar verwaltet.

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