WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Facebook, Twitter und Co. Tech-Aktien haben kaum noch Luft nach oben

Junge Tech-Unternehmen wie Facebook, Twitter oder Uber sind enorm hoch bewertet. Einige der Börsenstars lassen Parallelen zur Dotcom-Manie vor 15 Jahren erkennen. Droht eine erneute Blase am US-Aktienmarkt?

Was Analysten für 2015 erwarten
Deutsche BankDie Anlagestrategen sind verhalten optimistisch, zumindest was den deutschen Aktienmarkt angeht. Ende 2015 sehen sie den Dax bei 11.500 Punkten. Während die USA mit einem prognostizierten Wachstum von 3,5 Prozent zur Lokomotive werden dürfte, rechnen die Analysten für Deutschland nur mit einem Plus von 0,8 Prozent. Zugewinne könnte es dank des schwachen Euro bei exportorientierten Industrien geben. Ende 2015 sieht die Deutsche Bank den Euro bei 1,15 Dollar. Anleihen werden dagegen nicht mehr so attraktiv sein. Die Renditen bleiben extrem niedrig, Chancen gibt es lediglich bei US-Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Auch Schwellenländeranleihen könnten für Risikofreudige interessant werden. Insbesondere Indien wird für die Deutsche Bank zur attraktiven Region. Quelle: REUTERS
Der Vermögensverwalter Allianz Global Investors ist ein Tochterunternehmen der Allianz. Quelle: imago
CommerzbankDie Commerzbank sieht den Dax Ende 2015 bei 10.800 Punkten, ist also nicht ganz so optimistisch wie die Deutsche Bank, was den Leitindex angeht. Einig sind sich beide aber, was mögliche Staatsanleihekäufe der EZB angeht. Mit einem sogenannten Quantitative Easing (QE) rechnen beide Institute in der ersten Jahreshälfte. Anschieben könnten den Dax steigende Unternehmensgewinne dank des schwächeren Euro. Das könnte auch Dividenden begünstigen. Die Bank rechnet für den Dax mit einer Dividendenrendite von knapp über drei Prozent. Besonders hohe Dividendenrenditen erwarten die Analysten bei Medienpapieren wie Freenet und RTL sowie Immobilienkonzernen wie DIC Asset oder TAG. Als negative Einflussfaktoren verweist die Commerzbank nicht nur auf die wahrscheinliche Zinserhöhung der Fed, sondern auch auf niedrigere Wachstumsraten in China. Quelle: dpa
Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)Was den Dax betrifft ist die Landesbank etwas pessimistischer als die Großbanken. Relativ konservativ rechnet sie mit einer Spanne zwischen 8300 und 10.000 Punkten. Zwar erwarten die Analysten eine leichte Erholung der Weltwirtschaft, einen breiten Aufschwung sehen sie allerdings nicht. Lediglich hinsichtlich der USA scheinen sich alle einig zu sein, auch die Helaba erwartet ein Wachstumsplus von rund drei Prozent für die größte Volkswirtschaft. Für Deutschland erwartet die Landesbank ein Plus von 1,3 Prozent - mehr als die Deutsche Bank. Im Portfolio rät die Helaba zu einer leichten Anhebung der Aktienquote. Anleihen sollten dagegen zugunsten von Immobilien leicht reduziert werden. Quelle: dpa
Julius BärDie Schweizer Privatbank sieht die Devisenmärkte und Wechselkursentwicklungen ebenfalls im Fokus der Entwicklungen des nächsten Jahres. Auch die Schweizer sehen die USA als Wachstumsanführer, während die Euro-Zone mit einem Plus von nur 0,8 Prozent eher ein Bremsklotz ist. Die schwächelnde Nachfrage der Euro-Zone sei vor allem für die Schweiz ein Nachteil, heißt es. Für Investoren dagegen gelte es, Kurs zu halten, liquide zu bleiben und nach Wachstumsthemen Ausschau zu halten, so die Analysten. Mögliche Bereiche für Wachstumsthemen sind laut den Privatbankern E-Autos, digitale Technologien, Energieinfrastruktur und Bildung. Quelle: REUTERS
FidelityDie Fondsgesellschaft gibt sich optimistisch, auch für Deutschland. "Wenn die geopolitischen Risiken in den Hintergrund treten und die Notenbanken die Wirtschaft weiter unterstützen, hat Deutschland beste Voraussetzungen, um 2015 an den moderaten Aufwärtstrend anzuknüpfen", schreibt Fondsmanager Christian von Engelbrechten. Auch Fidelity sieht Impulse seitens des Euro für die exportorientierten Unternehmen. Eigentliche Stütze der Konjunktur sei aber der heimische Konsum - der Verbraucher, der konsumiert statt spart, treibt die Wirtschaft an. Durch die steigenden Gewinne sieht Fidelity auch am Aktienmarkt gute Chancen und rechnet mit einer Dividendenrendite von im Schnitt drei Prozent. Quelle: REUTERS
DZ BankAktuell sei das Gewinnwachstum der Dax-Unternehmen noch zu hoch geschätzt, sagen die Analysten der DZ Bank. Die Rahmenbedingungen für Aktien bleiben dennoch dank expansiven EZB-Maßnahmen und einem Mangel an Anlagealternativen positiv. Trotzdem erwarten die DZ Banker keine großen Kurssprünge, der Leitindex habe kaum noch Potenzial. Bis zum Jahresende 2015 rechnet die Bank nicht mit einem Anstieg über 9500 Punkte - und auch schwankungsanfälliger könnte der Index werden. Konservativen Anlegern raten die Experten daher zu "Dividendenaristokraten". Risikofreudigere Investoren könnten dagegen im ersten Quartal Chancen bei den Zyklikern haben. Quelle: REUTERS

Vor 15 Jahren schockierte „Barron’s“ mit einer Titelstory die Anleger. Tenor: Die Geschäftsmodelle der an der US-Technologiebörse Nasdaq gerade hoch gehandelten jungen Internet-Firmen seien in vielen Fällen nicht nachhaltig, einige würden so viel Geld verbrennen, dass ihre Pleite bevorstehe. Im Monat des Erscheinens verlor der Nasdaq-Index 31 Prozent.

Und das war nur der Anfang der zweijährigen Talfahrt, die mit 78 Prozent Wertverlust endete und als das Platzen der „Dotcom-Blase“ in die Geschichte einging. Wiederholt sich die Geschichte? In den vergangenen Monaten erkletterte die US-Börse immer wieder neue Höchstwerte. Auch der Nasdaq-Index näherte sich seinem alten Allzeithoch von 5049 Punkten.

Börsenstars wie der Kurznachrichtendienst Twitter, Softwarevermieter Workday oder Datenanalyseanbieter Splunk lassen Parallelen zur Dotcom-Manie vor 15 Jahren erkennen. Sie sind hoch bewertet, schreiben aber keine Gewinne und werden das in absehbarer Zeit nicht schaffen. Früher oder später aber muss ein Unternehmen Gewinn machen, wenn es im Geschäft bleiben will. Das klingt trivial, gerät aber ab und zu aus dem Fokus der Anleger.

Und doch ist die Situation anders als im Jahr 2000: Gemessen an den Gewinnen der Unternehmen, ist der Aktienmarkt vernünftiger bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dow Jones Index liegt bei 15; die Unternehmen kosten also im Schnitt das 15-Fache ihres Jahresgewinns. 1999 lag das KGV bei 18. Das KGV des S&P 500 liegt bei 17, im Jahr 1999 betrug es 30. Noch eklatanter die Differenz beim notorisch teuren Technologieindex Nasdaq. Dessen KGV liegt heute bei 22, im Jahr 2000 lag es bei abenteuerlichen 102.

Twitter enttäuscht die Anleger

"Solidere Bilanzen"

„Die heutigen Tech-Unternehmen haben solidere Bilanzen und schreiben kleinere Verluste als die Ex-Stars der Dotcom-Ära“, konstatiert Greg Kyle, Analyst der Bates Research Group in New York. Im Jahr 2000 hatte derselbe Kyle in seiner Studie 51 junge Internet-Unternehmen identifiziert, denen bald das Geld ausgehen würde; dieses Mal prüfte er erneut nach und fand nur fünf: Café Press, Cyan, Silver Spring Networks, E2Open und Audience. In seiner neue Studie analysiert Kyle 80 Internet-Firmen, die in den vergangenen drei Jahren an die Börse gingen. Gemeinsam haben sie einen Börsenwert von 380 Milliarden Dollar. Von diesen Unternehmen schreiben 55, also mehr als zwei Drittel, derzeit Verluste. Im Jahr 2000 waren es 74 Prozent der 280 von Kyle analysierten Unternehmen, die dauerhaft in der Verlustzone arbeiteten.

Im dritten Quartal 2014 lag der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebit) der 80 Börsenneulinge bei insgesamt 1,6 Milliarden Dollar. Allerdings entfällt der Großteil dieser Gewinne allein auf ein Unternehmen; ohne Facebook beläuft sich der Gewinn auf kümmerliche 178 Millionen Dollar für alle 79 Firmen.

Warnung vor neuer High-Tech-Blase

Auch prominente Risikokapitalinvestoren aus dem Silicon Valley wie Netscape-Gründer Marc Andreessen warnen inzwischen vor einer neuen High-Tech-Blase. Laut Daten von Dow Jones Venture Source liegt der durchschnittliche Wert eines mit Wagniskapital finanzierten Unternehmens in einem späten Entwicklungsstadium, also kurz vor der Börsenreife, derzeit bei 250 Millionen Dollar. Das ist Rekord, weit höher als 1999, als die Börsenkandidaten im Schnitt 89 Millionen Dollar auf die Waage brachten.

Ein Grund dafür: In Zeiten niedriger Zinsen fließt viel Geld in Wagniskapital. Startups können sich viel mehr Zeit nehmen, bis sie an die Börse müssen: Sie bekommen mühelos anderswo neues Geld für ihre Expansionsprojekte. Klassische Risikokapitalgeber – zunehmend aber auch Investmentfonds, Hedgefonds und die Vermögensverwalter reicher Privatleute (Family Offices) – investieren vermehrt via Privatplatzierungen in die jungen Technologieunternehmen.

Uber, die kontrovers diskutierte Mitfahr-App, die das Taxigewerbe umpflügen will, meldete erst Ende November eine neue Geldspritze. Das Unternehmen soll nun mehr als sagenhafte 41 Milliarden Dollar wert sein. Damit wäre Uber aus dem Stand eines der 30 wertvollsten Unternehmen an der Nasdaq.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%