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Familienbetrieb Aktie Gerry Weber: Schön Langweiliges für Anleger

Im Börsensegment MDax ist die Gerry-Weber-Aktie eine der Perlen. Warum der westfälische Damenmodespezialist auch in der Krise weiter wächst, nun sogar die Dividende erhöht und sich allmählich auf den Generationswechsel an der Spitze vorbereitet.

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Der Damenmodespezialist Gerry Weber wächst ungebremst und der Konzerngründer bereitet seinen Ausstieg vor. Vorstandschef Gerhard Weber holt seinen Sohn Ralf in den Vorstand. Quelle: dpa

Die Aktien inhabergeführter Unternehmen entwickeln sich in der Regel besser als von Managern geführte. Laut Burkhard Allgeier, Leiter Portfoliomanagement bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser, ist das schon seit 20 Jahren so. In einer Anlageempfehlung, die Allgeier vor zwei Wochen für das Handelsblatt verfasste, nannte der Profianleger auch gute Gründe dafür. Zum einen ist die Ausrichtung der Geschäftspolitik eher langfristig ausgerichtet, das nächste Quartalsergebnis eher zweitrangig.

Denn primär geht es den Gründern, die vielfach selbst das Unternehmen lenken, um den Erhalt und die Prosperität der eigenen Firma. Schließlich soll sie ja irgendwann an die nächste Generation übergeben werden. Außerdem steckt häufig der weitaus größte Teil des Vermögens der Mehrheitsaktionäre in dem Unternehmen. Um den Wohlstand der eigenen Familie zu schützen, vermeiden inhabergeführte Unternehmen große Risiken in ihrer Geschäftsstrategie. Vielmehr sind sie an nachhaltigem Wachstum interessiert.

Umsatzsteigerungen von 14 Prozent

Der Damenmodekonzern Gerry Weber ist ein Paradebeispiel dafür. Das belegen auch die jüngst präsentierten Zahlen für das 2011/2012, das am 31. Oktober 2012 endete. Zum wiederholten Male hat Gerry Weber seine ehrgeizigen Geschäftsziele erreicht und bleibt somit in der Erfolgsspur. Das Unternehmen mit Hauptsitz im westfälischen Halle steigerte den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 14,2 Prozent auf 802,3 Millionen Euro. Der Gewinn stieg sogar um 17,6 Prozent auf 78,8 Millionen Euro, wie Konzerngründer Gerhard Weber bei der Vorlage des Geschäftsberichts in Düsseldorf erläuterte. Das Unternehmen mit den Damenmodemarken „Gerry Weber“, „Samoon“, „Taifun“ und anderen profitierte dabei vor allem vom Ausbau seiner eigenen Läden und der internationalen Strukturen. Der Konzern agiert international und betreibt Shops in 62 Ländern der Welt. Nicht ganz zwei Drittel der Umsätze macht Gerry Weber noch in Deutschland.
Gerry Weber hat einen langen, aber grundsoliden Wachstumsweg hinter sich. Vor fast 40 Jahren von Gerhard Weber und Udo Hardieck gegründet, ging es zunächst steil aufwärts. Die vertriebenen Damenhosen kamen an, bald stieg das Unternehmen auch in die Textilienproduktion ein – in einer Zeit, als die Textilindustrie in Deutschland längst ihre besten Zeiten hinter sich hatte. 1983 brachte Weber seine Firma – damals noch unter dem Namen Hatex - an die Börse, 1986 erhielt die Gesellschaft den Namen Gerry Weber. Das Sponsoring der Tennislegende Steffi Graf, das bereits vor ihren ersten großen Siegen begann, machte die Marke international bekannt.

Börsenwert hat sich mehr als verdoppelt

Fünf für die Ewigkeit
BASF Quelle: dpa
China Mobile Quelle: REUTERS
Coca-Cola Quelle: dapd
Altria Quelle: AP
Royal Dutch Shell Quelle: dpa

Zudem hat sich die Strategie ausgezahlt, auf eigene Verkaufsplätze zu setzen. Dank einer nachhaltigen Wachstumsstrategie betreibt der Modekonzern heute seine Geschäfte in 62 Ländern, betreibt mehr als 680 eigene Läden („Houses of Gerry Weber“), mehr als 2500 Shop-Flächen in Kaufhäusern und ähnlichen Standorten und beschäftigt rund 4600 Mitarbeiter weltweit. In den kommenden zwei bis drei Jahren will Weber die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro knacken. Zudem hat der Modespezialist weiteres Aufwärtspotenzial. Denn Weber will das eigene Ladennetz weiter ausbauen. Im laufenden Geschäftsjahr sollen bis zu 75 eigene Verkaufsflächen dazukommen, vor allem in Skandinavien, Polen, Spanien, Benelux und Türkei.

Quell der Freude für Langfristanleger
Im vergangenen Jahr hat Gerry Weber 84,8 Millionen Euro investiert, komplett aus eigenen Mitteln. Die Eigenkapitalquote betrug zuletzt 75 Prozent, die Verschuldung ist niedrig. Liquiden Mitteln von 49 Millionen Euro stehen nur Schulden in Höhe von 15 Millionen Euro gegenüber. Und Weber will weiter investieren: In den kommenden Jahren sollen in Halle für rund 90 Millionen Euro ein zentrales Lager und ein Fabrikverkauf entstehen. Die Fäden zieht Weber aber weiterhin von seinem westfälischen Hauptquartier aus. „Wir machen die Musterkollektion komplett in Halle“, sagt er.
Für langfristig orientierte Anleger ist die Aktie ein Quell der Freude. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Börsenwert von Gerry Weber mehr als verdoppelt. In den vergangenen zwölf Monaten erreichte die Aktie ein Plus von 24 Prozent. „Wir spüren keine Krise und haben weiterhin sehr große Wachstumsmöglichkeiten“, sagte Gerhard Weber kürzlich in einem Interview. Dank der guten Geschäfte wird nun auch die Dividende des im MDax notierten Unternehmens um 10 Cent auf 75 Cent je Aktie erhöht. Damit werden mehr als 40 Prozent des Nettogewinns an die Aktionäre ausgeschüttet. Zum aktuellen Aktienkurs von knapp 35 Euro entspricht das einer Dividendenrendite von mehr als zwei Prozent.

Nachfolge ist in trockenen Tüchern
Das Gründergeführte Unternehmen bietet Aktionären noch einen weiteren Vorteil: Der Aktienkurs schwankt weniger stark, als bei börsennotierten Unternehmen, bei denen häufig große Aktienpakete gehandelt werden oder deren Geschäftsstrategie kurzfristiger ausgelegt ist. Die Aktie ist mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 zwar nicht mehr billig. Bei Kursrückschlägen ist das Papier jedoch sicher eine Überlegung wert. Interessierte Anleger sollten warten, bis die Aktie ihren Boden gefunden hat. Das jüngste Minus nach Bekanntgabe der Zahlen könnte ein wichtiger Schritt dorthin gewesen sein.

Börse



Ein wesentliches Risiko von Familienbetrieben ist hingegen, dass sich die Regelung der Nachfolge oft problematisch gestaltet. Aber auch da hat Gerhard Weber vorgesorgt. Sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender wurde im Dezember nochmal um ein Jahr verlängert verlängert und endet im Oktober 2014. „Der wird dann nicht verlängert“, sagt Weber. Bei der Präsentation der Bilanz gab Gerhard Weber nun bekannt, dass sein Sohn Ralf (49), derzeit Geschäftsführer des Retail-Bereichs, in den Vorstand aufrücken werde. Er werde für den stark expandierenden Einzelhandelsbereich und die Unternehmensentwicklung zuständig sein. Feststehe aber noch nicht, ob er tatsächlich 2014 den Vorstandsvorsitz übernehmen werde, beteuerte Gerhard Weber. "Es muss sich jeder erst einmal bewähren, das gilt auch für meinen Sohn." Entscheiden muss letztlich der Aufsichtsrat. Aber da dürfte die entscheidende Rolle spielen, was Hauptaktionär Gerhard Weber für sein Unternehmen möchte.

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