Familienunternehmen Hoch profitabel – auch für Anleger

Wenn hinter einer Gesellschaft eine Gründerfamilie steht, entwickeln sich deren Aktien besser als die Papiere vergleichbarer börsennotierter Unternehmen. Eine neue Studie zeigt, wie sich der „Familienfaktor“ auswirkt.

Einer Studie zufolge treibt die starke Entwicklung der Finanzkennzahlen von Familienbetrieben deren Aktienkurse in die Höhe. Quelle: dpa

FrankfurtAktien von Familienunternehmen schneiden an der Börse besser ab als die Papiere anderer Konzerne. Seit Anfang 2006 erzielten Unternehmen in Familienbesitz eine kumulative Rendite von 126 Prozent. Sie übertrafen damit den MSCI AC World Index um 55 Prozent. Das kommt nicht von ungefähr: Familienbetriebe zeichnen sich auch durch ein stärkeres Wachstum und eine höhere Profitabilität aus als Firmen ohne Familienhintergrund.

Das sind die Ergebnisse einer Studie des Credit Suisse Research Institute (CSRI). „Familienunternehmen schneiden in jeder Region und jeder Branche besser ab als vergleichbare Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe“, sagt Eugène Klerk, Hauptautor der Studie.

Das CSRI hat hierfür weltweit nahezu 1000 börsennotierte Unternehmen in Familienbesitz analysiert und anschließend mehr als 100 familiengeführte Firmen befragt. Einbezogen wurden Unternehmen, an denen Gründer oder ihre Nachfahren einen Anteil von mindestens 20 Prozent haben.

Die Analyse lege den Schluss nahe, dass der Umfang der Familienbeteiligung für Anleger keine große Rolle spielt, erklärt Klerk. „Wichtiger ist ihnen, inwiefern die Eigentümerfamilie in das Tagesgeschäft des Unternehmens eingebunden ist.“ Das scheine ein zentrales Erfolgsgeheimnis von Familienunternehmen zu sein.

„Die Top-Liga der Familienunternehmen ist weltweit bekannt, darunter BMW, Nike, Roche, Tata Group oder Walmart“, lässt sich Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, in der Studie zitieren. Dennoch, so Rohner, unterschätzen die meisten Beobachter wahrscheinlich, wie erfolgreich viele der in der Öffentlichkeit weniger bekannten Familienbetriebe in den letzten Jahrzehnten waren.

Im Schnitt erreichten sie an der Börse seit 2006 im Jahresdurchschnitt eine um fünf Prozent höhere Rendite als ihre Vergleichsunternehmen. Regionale Vergleiche von Familienfirmen und Nicht-Familienunternehmen bestätigen den „Familienfaktor“ für alle Standorte. Europa weist jedoch mit 5,1 Prozent die höchste Outperformance auf, verglichen mit 4,3 Prozent in den USA und 3,1 Prozent in Asien. Vor allem in den Sektoren Energie, Finanzwesen und Technologie zeigt sich die bessere Entwicklung der Familienunternehmen besonders deutlich.

Der Studie zufolge treibt die starke Entwicklung der Finanzkennzahlen der Familienbetriebe die Aktienkurse in die Höhe: Sowohl das Umsatzwachstum als auch die operativen Gewinnmargen und Cashflow-Renditen seien in den vergangenen zehn Jahren höher als bei anderen Unternehmen gewesen. Auffällig sei dabei vor allem, dass Familienunternehmen eine längerfristige und konservative Ausrichtung aufweisen. Neue Investitionen werden demnach größtenteils aus dem organischen Cashflow oder durch Eigenkapital finanziert – und nicht über eine höhere Verschuldung. Besonders in den USA und Asien investieren die Familienfirmen auch mehr in Forschung und Entwicklung (F&E) als ihre Vergleichsunternehmen. Vor allem in Asien haben die familiengeführten Betriebe ihre F&E-Ausgaben in den vergangenen vier Jahren verdreifacht.

Zwar erwirtschafteten die Familienunternehmen in der ersten oder zweiten Generation in den vergangenen zehn Jahren höhere risikobereinigte Renditen als Unternehmen, die bereits länger in Familienbesitz sind. Nachfolgerisiken halten die Studienautoren dennoch für überbewertet. Die höheren Renditen hätten nichts mit der Nachfolge zu tun, sondern damit, dass jüngere Familienunternehmen eher Wachstumstitel aus dem Small-Cap-Bereich seien, die als besonders performancestark gelten.

An der Börse sind Familienunternehmen derzeit relativ günstig zu haben: Ein Vergleich der Kurs-Gewinn-Verhältnisse zeigt, dass Familienunternehmen zu einem Aufschlag von zwei Prozent gegenüber Nicht-Familienunternehmen gehandelt werden. Das liege weit unter dem historischen Durchschnitt von zwölf Prozent, betonen die Credit Suisse-Experten.

In Deutschland sind Familienunternehmen allerdings generell zurückhaltend, an die Börse zu gehen – sie scheuen häufig die Transparenz. Die Firmen, die den Sprung auf das Parkett gewagt haben, haben oft Wege gewählt, die der Familie weiterhin die Kontrolle über das Unternehmen erhalten. Der Autozulieferer Schaeffler gab beispielsweise stimmrechtslose Vorzugsaktien aus, die Stimmrechtsaktien hält die Familie. Die Dax-Konzerne Henkel und Merck sind Kommanditgesellschaften auf Aktien. Und bei Hella hat sich die Gesellschafterfamilie Hueck per Pooling-Vertrag verpflichtet, 60 Prozent der Aktien mindestens bis zum Jahr 2024 zu halten.

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