WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Familienunternehmen Orthopädiefirma Medacta plant Börsengang im April

Das Schweizer Familienunternehmen wächst rasant und will der erste Neuzugang an der Schweizer Börse in diesem Jahr werden. Anleger sind optimistisch.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Medacta will der erste Neuzugang in diesem Jahr an der Schweizer Börse werden. Quelle: dpa

Zürich Die Orthopädie-Firma Medacta bricht das Eis: Das schnell wachsende Familienunternehmen will als erster Neuzugang im laufenden Jahr am 4. April die Schweizer Börse gehen. Europaweit war die IPO-Aktivität bisher verhalten. So hatte etwa die Volkswagen-Lkw- und Bus-Tochter Traton vergangene Woche seinen Börsengang abgesagt und den Schritt mit dem schwachen Marktumfeld begründet. Angesichts des Brexit und anderer politischer Krisenherde, der Angst vor einer Konjunktureintrübung und mehreren enttäuschenden Börsengängen im letzten Jahr seien viele Investoren weiterhin vorsichtig, erklärte ein Experte am Freitag.

Für Firmen mit einem wenig konjunkturempfindlichen Geschäftsmodell gebe es Interesse am Markt, sagte er weiter. Das gelte etwa für Medacta, die künstliche Gelenke und chirurgische Instrumente entwickelt und produziert. Die Firma aus dem italienischsprachigen Kanton Tessin erwirtschaftete 2018 mit rund 970 Mitarbeitern einen Umsatz von 273 Millionen Euro. Mit einem zweistelligen Wachstum nahm die Firma deutlich größeren Konkurrenten wie Zimmer, Stryker und Johnson & Johnson und aus den USA oder der britischen Smith & Nephew zuletzt Marktanteile ab.

Medacta ist vor allem im Hüft- und Kniebereich tätig. Bei Hüft-Implantaten ist das Unternehmen auf eine minimalinvasive Operationstechnik spezialisiert, die zu geringeren Weichteilschäden führt und damit den Krankenhausaufenthalt des Patienten verkürzt. Trotz Preisdrucks in der Branche peile Medacta auch mittelfristig ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren Zehn-Prozent-Bereich und operative Margen von über 30 Prozent an. Als Risiken für das Geschäft sieht die Firma mögliche staatliche Leistungs-Beschränkungen für Patienten oder die Verbreitung von Operations-Robotern, auf die Konkurrenzanbieter zunehmend setzen.

Dennoch griffen die Anleger zu. Schon wenige Stunden nach Beginn der Zeichnungsfrist sei das Angebot überzeichnet gewesen, erklärten die mit der Transaktionen betrauten Banken. Am oberen Ende der Angebotsspanne von 88 bis 104 Franken je Aktie käme Medacta auf einen Börsenwert von 2,1 Milliarden Franken. Die Familie Siccardi will bis zu ein Drittel ihrer Anteile verkaufen, die Mehrheit aber auch längerfristig behalten. „Wir haben keine Pläne, die Beteiligung weiter zu senken,“ sagte Firmenchef Francesco Siccardi.

Ein Fondsmanager erklärte, er ziehe es vor, wenn Mittel aus einem Börsengang in die Firma flössen und nicht in die Taschen von Altaktionären. Medacta seien hoch bewertet. Anleger, die in Schweizer Börsenneulinge investieren wollen, dürften bald Alternativen bekommen. In den kommenden Wochen will auch der Zugbauer Stadler Rail sein Börsendebüt geben. Experten rechnen mit einem Firmenwert von rund vier Milliarden Franken. Mit der Abspaltung der Augenheilfirma Alcon vom Pharmakonzern Novartis steht am 9. April zudem einer der größten Börsengänge in Europa im laufenden Jahr an.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%