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Fed will mehr Inflation Höhere Inflation ist eine gefährliche Idee

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Die Zentralbanken brauchen immer höhere Inflation

Aus dieser Erfahrung lernen die Marktakteure: Sie legen ihren Verträgen fortan eine Inflation von vier Prozent zugrunde. Stellt sich die Inflation bei vier Prozent ein, gibt es keinen expansiven Effekt mehr. Die Zentralbank muss also, wenn sie die Wirtschaft antreiben will, zu einer weiteren Dosis „Überraschungsinflation“ greifen. Sorgt sie daraufhin für eine Inflation von, sagen wir, sechs Prozent, beginnt das Spiel von neuem.

Es ist absehbar, wohin dieses Täuschungsspiel führt: Damit Inflation ihre Umverteilungswirkung behält, muss die Zentralbank zu immer höherer, zu einer sich beschleunigenden Inflation greifen. Das ist jedoch ein Prozess, der nichts Gutes bringt. Denn er führt geradewegs zur Hoch- oder gar Hyperinflation, die nachweislich schädigend wirkt auf Produktion und Beschäftigung.

Inflation ist mit volkswirtschaftlichen Kosten verbunden. Sie erschwert die Wirtschaftsrechnung und provoziert Fehlinvestitionen. Die Inflation sorgt für „Scheingewinne“, die zu Kapitalaufzehrung und damit zu Substanzverlust des Produktivkapitals führt. Sie trifft vor allem auch die unteren Einkommensbezieher, die sich der Inflation meist nicht entziehen können. Als Daumenregel gilt: Je höher die Inflation ausfällt, desto höher sind ihre volkswirtschaftlichen Kosten.

Zinskontrolle

Es gibt allerdings einen Weg, auf dem auch eine einmalig höhere Inflation – sagen wir vier anstatt von zwei Prozent – politisch dienstbar gemacht werden kann: Und das ist der Weg, auf dem die Politik der höheren Inflation mit einer Zinskontrollpolitik verbunden wird. Wenn die Zentralbank die Kurz- und Langfristzinsen auf niedrigen Niveaus festzurrt und gleichzeitig die Inflation in die Höhe treibt, werden die Renditen negativ nach Abzug der Inflation.

Bei negativen Realzinsen entledigen sich Schuldner ihrer realen Kreditlasten auf Kosten der Gläubiger: Wenn die Zinskontrolle greift, können die Schuldner – allen voran der Staat und die Banken – fällige Verbindlichkeiten mit neuen Krediten, die nun eine negative reale Verzinsung tragen, ersetzen. Doch werden Gläubiger ihr Geld bei negativen Realrenditen verleihen?

Vermutlich nicht. Zumindest nicht dauerhaft. Kehren die Sparer und Investoren dem Kreditmarkt den Rücken und investieren ihr Geld in anderen Vermögensmärkten, bleibt nur noch die Zentralbank, fällige Schulden durch neue Kredite zu refinanzieren. Die Politik der höheren Inflation liefe dann auf eine Monetisierung der ausstehenden Schulden in ganz großem Stile hinaus.

Nun sollte man sich nicht mit der Überlegung trösten, die Zentralbanken könnten die Inflation nicht mehr in die Höhe treiben, selbst wenn sie es wollten: Die weltweit schwache Wirtschaft, Überkapazitäten und ein hohes Arbeitsangebot setzen Preiserhöhungen Grenzen beziehungsweise machten das unmöglich. Das wäre vorschnell geurteilt. Denn Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen.

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