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Fed will mehr Inflation Höhere Inflation ist eine gefährliche Idee

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"Wer mit der Inflation flirtet, wird von ihr geheiratet"

Als Monopolproduzenten des Geldes können die Zentralbanken die Geldmenge jederzeit unbegrenzt ausweiten und Inflation schaffen. Sie können beispielsweise die Banken anhalten, ihre Kredit- und Geldschöpfung auszudehnen oder direkt Schuldpapiere kaufen und die Käufe mit neu geschaffenem Geld bezahlen. Im Fall der Fälle sind sie sogar in der Lage, „Helikopter-Geld“ auszugeben: Sie verschenken neu geschaffenes Geld an Staaten, Unternehmen und an Private und erhöhen dadurch die umlaufende Geldmenge und früher oder später auch die Preise. 

„Wer mit der Inflation flirtet, wird von ihr geheiratet.“ Dieser Satz, der dem ehemaligen Bundesbank-Präsident Otmar Emminger zugeschrieben wird, erfasst den eigentlichen Kern der Sache: Allein schon leichte Zweifel am Versprechen der Zentralbank, sie werde die Inflation niedrig halten, setzen Kräfte frei, die das Vertrauen in den Geldwert schwinden lassen. 

Wenn die Fed inflationiert, folgen alle anderen

Verflüchtigt sich Vertrauen in die niedrige Inflation erst einmal, ist es schwierig, es wiederzugewinnen – gemäß dem Motto: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“. In der Vergangenheit bedurfte es meist einer „Stabilisierungsrezession“, um hohe Inflationserwartungen wieder herunterzubringen. Das Herumspielen mit der Inflation ist also eine äußerst heikle und mitunter auch sehr teure Angelegenheit.

Zur Person

Dass die US-amerikanische Zentralbank ganz offensichtlich dabei ist, den Weg zu einer höheren Inflation zu ebnen, ist nicht nur relevant für den geldpolitischen Kurs der Fed, sondern auch für die Geldpolitiken in anderen großen Währungsräumen der Welt. Schließlich nimmt die Fed die Führungsrolle im internationalen Zentralbankkartell ein. Vereinfacht gesprochen: Will die Fed inflationieren, werden dem alle anderen folgen.  

Die jetzt angestoßene Diskussion über eine höhere Inflation ist zwar nicht wirklich neu. Sie sollte aber Sparern und Anlegern in Erinnerung rufen, dass im System des ungedeckten Geldes – wie es der US-Dollar, aber auch alle anderen Währungen repräsentieren – Phasen niedriger Inflation die Ausnahme sind, und dass die Ersparnisse früher oder später mittels Inflation entwertet werden.

Dass die großen Zentralbanken der Welt den Pfad der niedrigen Inflation verlassen und auf einen Pfad der höheren Inflation einschwenken könnten, wird in dem Maße wahrscheinlicher, in dem die weltweit immer weiter steigenden Schuldenlasten Wachstum und Beschäftigung zusehends strangulieren. Es ist Zeit, dass sich Sparer und Investoren Gedanken machen, wie sie einem Geldwertschwund entgehen können.

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