Fed will Zins vorerst nicht erhöhen Notenbanken beflügeln die Aktienmärkte

Laut Protokollen will die US-Notenbank Fed ihre Zinsen noch mindestens April auf ihrem Rekordtief belassen. Das freut die Anleger.

Die Notenbanken lassen einmal mehr die Kurse klettern. Quelle: REUTERS

Die US-Notenbank Fed belebt die Aktienmärkte. Denn offenbar wollen Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen den Leitzins voraussichtlich bis Ende April noch nicht anheben. Die meisten Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses erwarten keine solche Entscheidung auf den nächsten beiden Sitzungen. Das geht aus dem veröffentlichten Protokoll zur jüngsten Sitzung des Gremiums im Dezember hervor.

Yellen hatte nach der letzten Beratung deutlich gemacht, dass bei den Folgesitzungen im Januar und März noch nicht mit der ersten Leitzins-Anhebung in den USA nach der Finanzkrise 2008 zu rechnen ist. Erst Ende April könnte es soweit sein. Viele Beobachter erwarten spätestens zur Jahresmitte eine weitere Straffung der US-Geldpolitik.

Die wichtigsten Fakten zur niedrigen Inflation

Die Anleger seien erleichtert, dass die Zentralbanken die Wirtschaft erst einmal weiter unterstützten und Deflationsgefahren bekämpften, sagt Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. Vor allem in der Euro-Zone gibt es derzeit Sorgen vor einem Preisverfall auf breiter Front.

Im Dezember sanken die Lebenshaltungskosten zum Vorjahr um 0,2 Prozent. Im Falle einer Deflation konsumieren Verbraucher weniger, weil sie erwarten, Produkte bald noch billiger zu bekommen. Unternehmen verdienen in der Folge auch weniger und kürzen ihre Investitionen - es entsteht eine Abwärtsspirale, die nur schwer zu stoppen ist und der Wirtschaft zusetzt.

Warten auf die EZB

Einige Marktbeobachter gehen daher davon aus, dass die EZB nun auf ihrer geldpolitischen Sitzung am 22. Januar weitere unkonventionelle Maßnahmen wie den Aufkauf von Staatsanleihen beschließen könnte, um einer solchen Gefahr entgegenzuwirken. Der Euro fiel wegen der Aussicht auf eine Lockerung der Geldpolitik auf 1,1779 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit mehr als neun Jahren.

Was Analysten für 2015 erwarten
Deutsche BankDie Anlagestrategen sind verhalten optimistisch, zumindest was den deutschen Aktienmarkt angeht. Ende 2015 sehen sie den Dax bei 11.500 Punkten. Während die USA mit einem prognostizierten Wachstum von 3,5 Prozent zur Lokomotive werden dürfte, rechnen die Analysten für Deutschland nur mit einem Plus von 0,8 Prozent. Zugewinne könnte es dank des schwachen Euro bei exportorientierten Industrien geben. Ende 2015 sieht die Deutsche Bank den Euro bei 1,15 Dollar. Anleihen werden dagegen nicht mehr so attraktiv sein. Die Renditen bleiben extrem niedrig, Chancen gibt es lediglich bei US-Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Auch Schwellenländeranleihen könnten für Risikofreudige interessant werden. Insbesondere Indien wird für die Deutsche Bank zur attraktiven Region. Quelle: REUTERS
Der Vermögensverwalter Allianz Global Investors ist ein Tochterunternehmen der Allianz. Quelle: imago
CommerzbankDie Commerzbank sieht den Dax Ende 2015 bei 10.800 Punkten, ist also nicht ganz so optimistisch wie die Deutsche Bank, was den Leitindex angeht. Einig sind sich beide aber, was mögliche Staatsanleihekäufe der EZB angeht. Mit einem sogenannten Quantitative Easing (QE) rechnen beide Institute in der ersten Jahreshälfte. Anschieben könnten den Dax steigende Unternehmensgewinne dank des schwächeren Euro. Das könnte auch Dividenden begünstigen. Die Bank rechnet für den Dax mit einer Dividendenrendite von knapp über drei Prozent. Besonders hohe Dividendenrenditen erwarten die Analysten bei Medienpapieren wie Freenet und RTL sowie Immobilienkonzernen wie DIC Asset oder TAG. Als negative Einflussfaktoren verweist die Commerzbank nicht nur auf die wahrscheinliche Zinserhöhung der Fed, sondern auch auf niedrigere Wachstumsraten in China. Quelle: dpa
Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)Was den Dax betrifft ist die Landesbank etwas pessimistischer als die Großbanken. Relativ konservativ rechnet sie mit einer Spanne zwischen 8300 und 10.000 Punkten. Zwar erwarten die Analysten eine leichte Erholung der Weltwirtschaft, einen breiten Aufschwung sehen sie allerdings nicht. Lediglich hinsichtlich der USA scheinen sich alle einig zu sein, auch die Helaba erwartet ein Wachstumsplus von rund drei Prozent für die größte Volkswirtschaft. Für Deutschland erwartet die Landesbank ein Plus von 1,3 Prozent - mehr als die Deutsche Bank. Im Portfolio rät die Helaba zu einer leichten Anhebung der Aktienquote. Anleihen sollten dagegen zugunsten von Immobilien leicht reduziert werden. Quelle: dpa
Julius BärDie Schweizer Privatbank sieht die Devisenmärkte und Wechselkursentwicklungen ebenfalls im Fokus der Entwicklungen des nächsten Jahres. Auch die Schweizer sehen die USA als Wachstumsanführer, während die Euro-Zone mit einem Plus von nur 0,8 Prozent eher ein Bremsklotz ist. Die schwächelnde Nachfrage der Euro-Zone sei vor allem für die Schweiz ein Nachteil, heißt es. Für Investoren dagegen gelte es, Kurs zu halten, liquide zu bleiben und nach Wachstumsthemen Ausschau zu halten, so die Analysten. Mögliche Bereiche für Wachstumsthemen sind laut den Privatbankern E-Autos, digitale Technologien, Energieinfrastruktur und Bildung. Quelle: REUTERS
FidelityDie Fondsgesellschaft gibt sich optimistisch, auch für Deutschland. "Wenn die geopolitischen Risiken in den Hintergrund treten und die Notenbanken die Wirtschaft weiter unterstützen, hat Deutschland beste Voraussetzungen, um 2015 an den moderaten Aufwärtstrend anzuknüpfen", schreibt Fondsmanager Christian von Engelbrechten. Auch Fidelity sieht Impulse seitens des Euro für die exportorientierten Unternehmen. Eigentliche Stütze der Konjunktur sei aber der heimische Konsum - der Verbraucher, der konsumiert statt spart, treibt die Wirtschaft an. Durch die steigenden Gewinne sieht Fidelity auch am Aktienmarkt gute Chancen und rechnet mit einer Dividendenrendite von im Schnitt drei Prozent. Quelle: REUTERS
DZ BankAktuell sei das Gewinnwachstum der Dax-Unternehmen noch zu hoch geschätzt, sagen die Analysten der DZ Bank. Die Rahmenbedingungen für Aktien bleiben dennoch dank expansiven EZB-Maßnahmen und einem Mangel an Anlagealternativen positiv. Trotzdem erwarten die DZ Banker keine großen Kurssprünge, der Leitindex habe kaum noch Potenzial. Bis zum Jahresende 2015 rechnet die Bank nicht mit einem Anstieg über 9500 Punkte - und auch schwankungsanfälliger könnte der Index werden. Konservativen Anlegern raten die Experten daher zu "Dividendenaristokraten". Risikofreudigere Investoren könnten dagegen im ersten Quartal Chancen bei den Zyklikern haben. Quelle: REUTERS

Die Aussicht auf weiter niedrige Zinsen und mögliche Geldgeschenke seitens der EZB lässt Anleger an den Aktienmärkten zugreifen. Der Dax kletterte gegen Mittag um 1,14 Prozent auf 9626,40 Punkte, nachdem bereits zur Wochenmitte die Hoffnung auf Staatsanleihekäufe den Leitindex gestützt hatte.

Seit Jahresbeginn muss der Index aber immer noch ein Minus von rund 1,8 Prozent verkraften. Für den Index der mittelgroßen Werte, den MDax, ging es am Donnerstag um 1,39 Prozent auf 17 074,62 Punkte nach oben. Der Technologiewerte-Index TecDax zog um 1,75 Prozent auf 1392,44 Punkte an.

Eine Reaktion an den Aktienmärkten sei insgesamt überfällig gewesen, da diese zuletzt deutlich gefallen seien, sagte Analyst Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba.

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Im Fokus stand neben den Zentralbanken auch der seit Monaten fallende Ölpreis. Die Sorten Brent und WTI waren zuletzt erstmals seit Frühjahr 2009 unter die Marke von 50 Dollar je Fass gefallen. Ein Überangebot bei zugleich schwächelnder Nachfrage setzt den Preisen zu, seit Juni haben sie sich mehr als halbiert. Anleger sehen darin ein Zeichen für die schwächelnde Weltwirtschaft. Am Mittwoch notierten Brent und WTI kaum verändert bei 51,15 und 48,65 Dollar je Fass.

Laut Händlern überwiegt derzeit die Erleichterung darüber, dass die wichtigsten Notenbanken weiterhin das Wirtschaftswachstum stützen und sich gegen den als zu niedrig erachteten Preisauftrieb stemmen. Dies habe die Unsicherheit um den Ausgang der für die Eurozone wichtigen Neuwahl in Griechenland erst einmal in den Hintergrund gedrängt.

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