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Fehler im Finanzsystem

Der ehrwürdige Bankier

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Schulden - Geißel der Nation

Deutsche Bank Zentrale in Frankfurt Quelle: dpa

Dessen Satz „National debt is one of the most terrible scourges that have ever been invented to plague a nation“ („Die Staatsverschuldung ist eine der schrecklichsten Geißeln, die jemals zur Plage einer Nation erfunden wurde“) gilt zumindest ab einer Zinslast, die einen Haushalt maßgeblich beeinflusst.

Das Schmiermittel Geld

Hier schließt sich aber der Kreis: Ein Gros der neuen Schulden wurden leichtfertig für die Rettung des Finanzsektors aufgenommen, viele davon schweben bislang zudem als Eventualrisiken in Form von Garantien und Bürgschaften über dem Staatshaushalt. Es ist ein schlechter Trost: Möglicherweise kann es nach der nächsten Rezession, die bereits in eine Depression münden kann, weil es leider keine Suprastaaten gibt, die die damaligen Retterstaaten ihrerseits auffangen können, dazu kommen, dass die Banken wieder zu Geldverleihern werden.

Und sie damit zu Ihrer Bestimmung zurück generieren. Banken als Mittler des Schmierstoffs Geld der Realwirtschaft.

Mit nostalgisch, fast wehmütigem Gedanken vernimmt man die Geschichten von sonoren Herren, die Kredite vergaben und denen man treuherzig sein hart erarbeitetes Geld überlassen hat. Nostalgisch blickt man auf die Zeit zurück, als der Zins der Bankiers eine Maklercourtage plus Risikoprämie für die Vermittlung von Geld war. Heute scheint hingegen der Zins offensichtlich ein alleiniger Pool für Boni zu sein, während jede Risikorücklage für Zahlungsausfälle im Zweifel sozialisiert werden kann.

Vorbild: "ehrbarer Kaufmann"

Gerade wenn man als Bank gewahr wird, dass man als systemrelevant immer vom Steuerzahler aufgefangen wird, fehlt jeder Anreiz eines Risikoadäquaten Wirtschaftens. Wir benötigen, um es frei nach Jürgen Hareus zu formulieren, der den „ehrbaren Kaufmann“ forderte, den „ehrwürdigen Bankier“. Einen Bankier, und nicht den Banker und schon gar nicht einen Bankster. Eine jede Bank muss gesetzlich und moralisch dazu gezwungen werden, wie ein Warenkreditgeber auch nach werthaltigen Prinzipien zu kalkulieren und die Risiken wohl besonnen einzugehen. Mit der normalen Chance der Handelsgewinns und dem gleichsam denkbaren Risiko des Ausfalls.

In Arbeit
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Es besteht zwar wenig Hoffnung, dass die Politik die entscheidende Kraft und Initiative aufbringt, vor einem erneuten Kollaps die Fesseln der „Systemrelevanzkeule“ zu durchtrennen und das gesamte Bankensystem wieder an die Realwirtschaft anzudocken kann. Aber nach einer erneuten globalen Finanzkrise, wird dieser Schritt unausweichlich sein.

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