WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Finanzkrise Alles schon gesehen

Seite 2/2

Aktionäre wurden belohnt

Wenn sich der Eindruck einer Beruhigung der Lage verfestigt, könnte es im vierten Quartal weiter aufwärtsgehen. Die Charttechnik liefert Anhaltspunkte: Die August-Tiefs sind inzwischen an den meisten Börsen zum zweiten oder dritten Mal getestet und für tragend befunden. Erstmals stieg der Index der 500 größten US-Unternehmen, S&P 500, jetzt wieder über 1200 Punkte – jenes Niveau, um das er im vergangenen Jahr sehr lange kämpfte und das der Index 1998 schon einmal erklommen hatte.

Dass wir nun um eine Marke kämpfen, die der S&P schon vor 13 Jahren erreicht hatte, ist einerseits ernüchternd, was das langfristige Potenzial der Aktie betrifft, andererseits für langfristig orientierte Investoren ermutigend. Jim Paulsen von Wells Capital berechnete für alle Zeitpunkte der Vergangenheit, in denen der Markt in den zwölf davor liegenden Jahren stagniert oder verloren hatte, die Erträge der darauf folgenden zehn Jahre.

Vor dem Weltuntergang?

Das Ergebnis: Ein jährlicher Zugewinn von 7,2 Prozent gegenüber den durchschnittlichen 4,7 Prozent (ohne Dividenden). „Es kam in der Wirtschaftsgeschichte nicht oft vor“, sagt Paulsen, „dass eine große Börse, die den ersten Rückschlag bereits vor zwölf Jahren hatte hinnehmen müssen, noch einmal dramatisch abstürzte. Wenn die Aktienerträge in der vergangenen Dekade stagnierten oder sanken, bot das im jeweils nächsten Jahrzehnt gute bis überdurchschnittliche Ergebnisse, da die hohen Bewertungen abgebaut waren und die Öffentlichkeit Aktien gegenüber sehr skeptisch geworden war.“

Wer nicht mit dem Weltuntergang, sondern mit einem halbwegs gesicherten Fortbestand des Kapitalismus rechne, müsse jetzt den Einstieg in Aktien attraktiv finden, meint Henry McVey von Kohlberg Kravis Roberts und führt niedrige Kurs-Buchwert-Verhältnisse und hohe Dividendenrenditen ins Feld.

In den Vierziger- und den Siebzigerjahren verharrten Aktien in einem langen Bärenmarkt und auf einem jeweils elf bis 13 Jahre davor schon einmal erreichten Niveau. Das waren keine Boom-Zeiten, in denen man großzügig Aktien kaufte, um schnelle Gewinne zu machen. Wie heute gab es gravierende Probleme: teure Kriege, schwacher Konsum, hohe Inflation. Aber das Ende der Durststrecke lag bereits viel näher als ihr Anfang. Aktionäre wurden in der folgenden Dekade belohnt, während Anleihen real nicht einmal die Kaufkraft erhielten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%