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Finanzkrise US-Finanzaufsicht warnt vor Crash durch Eurokrise

Drastische Warnung: Eine US-Aufsichtsbehörde äußert sich "sehr besorgt" um die Stabilität europäischer Banken. Ein Kollaps der Häuser könne zudem die Stabilität des gesamten Finanzsystems in Gefahr zu bringen.

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Eine US-Finanzaufsicht warnt Quelle: dpa

Die europäischen Banken drohen nach Einschätzung einer US-Aufsichtsbehörde die Stabilität des gesamten Finanzsystems in Gefahr zu bringen. Wegen der Kreditqualität einer Reihe von Ländern und des Engagements einiger Geldhäuser dort sei sie tief besorgt, sagte die Chefin des US-Einlagensicherungsfonds FDIC, Sheila Bair, am Mittwoch. Zudem sei es beunruhigend, dass europäische Geldhäuser weiterhin ihre eigenen Kapitalanforderungen festsetzen, die auf internen Risikoschätzungen basierten. Dadurch fehlten objektive und strenge Beschränkungen.

Die meisten Aufsichtsbehörden und Politiker in den USA stimmten darin überein, dass die Banken gezwungen werden sollten, mehr Kapital vorzuhalten, fügte sie hinzu. Auf diese Weise könnten sich die Kreditinstitute vor Verlusten schützen und mögliche Erschütterungen im Finanzsystem überstehen. Insgesamt sei das Risiko hoch, dass Banken weitere Schwierigkeiten bekämen.

Widerspruch aus Europa

Europäische Analysten und Investoren widersprechen dem. Zwar registriert man auch hier, dass die Risikoaufschläge auf griechische Staatsanleihen steifen, die Kosten für die Ausfallversicherungen der Bonds ebenso. Doch ernsthaft wird am europäioschen Finanzmarkt nicht mit einer Pleite Griechenlands gerechnet, die das weltweite Finanzsystem ins Chaos stürzen würde - zumindest noch nicht.

Und selbst wenn es zu einem Zahlungsausfall in Athen käme, erwarten Investoren nicht zwangsläufig eine Ansteckung über die Grenzen des Landes hinaus. Die Investoren gehen davon aus, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Euro-Zone einschreiten, wenn es hart auf hart kommt, sagt John Stopford von Investec Asset Management. „Der Markt nimmt das Risiko raus, und preist noch nicht notwendigerweise die Katastrophe ein.“ So schwächelt der Euro zwar derzeit, liegt aber immer noch höher als zu Jahresauftakt, und auch an den Aktienmärkten ist nichts von einer Panik zu spüren. Doch sollte die Spekulation auf eine Rettung Griechenlands nicht aufgehen, stehen am Markt dramatische Verluste bevor. Dann könnten die Anleihen von weiteren Euro-Staaten in den Abwärtsstrudel geraten, in dem die Griechen-Bonds seit mehr als einem Jahr stecken.

Händler an der New Yorker Quelle: dpa

Schon jetzt sind die Risikoaufschläge für Hellas-Anleihen so hoch wie nie seit Bestehen der Euro-Zone, für zehnjährige Papiere liegt die Marktrendite derzeit bei mehr als 18 Prozent, für zweijährige Anleihen verlangen die Investoren sogar über 25 Prozent Zinsen. Viele Marktteilnehmer haben in Bezug auf ihre Anlagen in Griechenland den Stahlhelm übergezogen und bringen ihre Schäfchen in Sicherheit. Die Kosten für die Ausfallversicherung griechischer Papiere stiegen am Donnerstag kräftig - der Anstieg war so stark, wie es insgesamt kostet, indonesische Bonds abzusichern. Ein Anstieg in dieser Höhe impliziert, dass sich Griechenland rapide auf die Insolvenz zubewegt.

Sollte Griechenland ungeordnet in die Staatspleite rutschen, dürfte das auch die Anleihen von vielen anderen Euro-Staaten auf Talfahrt schicken - Irland, Portugal, Spanien, aber auch Italien, Belgien oder sogar Frankreich. Für die Banken und die EZB wäre das mit enormen Verlusten verbunden. Ein ähnliches Szenario führte nach der Lehman-Pleite 2008 zur internationalen Finanzkrise. Die schwierige innenpolitische Lage in Griechenland und das zähe Ringen Europas um weitere Hilfen tun ihr übriges. Doch die Stimmen der Investoren klingen deutlich entspannter.

Panik klingt anders

Bei einer Umfrage von Allianz Global Investors unter institutionellen Anlegern, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, wurde eine Staatsanleihen-Krise als drittgrößtes weltweites Risiko genannt - nach höheren Zinsen und einem Kursverfall am Aktienmarkt. Und bei einer Reuters-Analystenveranstaltung zeigten sich die Experten zuversichtlich, dass die weltweiten Märkte von der Krise in Griechenland abgeschirmt werden können. Mehrere Investoren gaben an, weiterhin europäische Aktien und Staatsanleihen von Spanien und Italien zu kaufen. Panik klingt anders. Mit zur Beruhigung trägt auch bei, dass die Griechenland-Krise nicht erst seit gestern tobt und damit die Investoren anders als Lehman nicht auf dem falschen Fuß erwischen dürfte. Auf den schlimmsten Fall - einer von Griechenland ausgelösten globalen Finanzkrise - sind die Marktteilnehmer aber nicht eingestellt. Sollten die Bemühungen zur Rettung Griechenlands scheitern, kommen auf den weltweiten Finanzmarkt schwierige Zeiten zu.

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