Fondsstrategie Physiker macht Börsen-Gewinne mit der Angst von Aktionären

Ein deutscher Physiker hat ein besonderes Vorgehen bei Börsengeschäften entwickelt. Er handelt mit seinen Fonds auf Daten von Google, Twitter und Facebook. Wird ein Begriff häufig gesucht, kündigt sich ein Kursverlust an.

Was wird gezwitschert? Wenn es im Netz rauscht, verdient Tobias Preis Geld Quelle: Chris Gloag für WirtschaftsWoche

Aus den Spuren, die Menschen per Laptop, iPad oder Smartphone im Internet hinterlassen, lässt sich ablesen, welche Aktien demnächst gefragt sein könnten. „Wenn die Anzahl der Suchen nach dem Begriff Apple stieg, konnten wir in derselben Woche auch ein erhöhtes Transaktionsvolumen der Apple-Aktie an der Börse beobachten“, sagt Tobias Preis.

Der promovierte Physiker hat mit anderen Forschern – darunter Professor H. Eugene Stanley von der Boston University und Daniel Reith von der Johannes Gutenberg Universität Mainz – untersucht, wie das Handelsvolumen der im US-Index S&P 500 vertretenen Aktien mit der Zahl der Google-Suchen nach den Namen der Unternehmen zusammenhängt. „Wir haben gezeigt, dass bei allen Aktien im S&P 500 ein Zusammenhang zwischen der Zahl der Suchanfragen und dem Transaktionsvolumen besteht“, sagt Preis.

Negative Begriffe kündigen Kursverluste an

Aber die Forscher fanden nicht nur heraus, dass das Volumen steigt, also mehr Aktien gehandelt werden, wenn der Name des jeweiligen Unternehmens häufiger gesucht wird. Sie tasteten sich auch an die Frage heran, in welche Richtung sich Märkte bewegen könnten. Preis: „Wir trafen die Annahme – die sich später bestätigt hat –, dass ein Anstieg des Suchvolumens für einen bestimmten Schlüsselbegriff Besorgnis über diesen Begriff oder damit in Verbindung stehende Dinge signalisiert.“ Einem erhöhten Suchvolumen nach negativ belegten Begriffen wie „Debt“ (Verschuldung) etwa folgten häufig Kursverluste.

Kuriose Börsenpannen

Aus einer Kombination der Studienergebnisse zu Aktienvolumina und Marktbewegungen hat der 31-jährige Deutsche ein Handelssystem entwickelt, in das Daten aus Google, Wikipedia, Twitter und Facebook eingespeist werden. Seine private Fondsgesellschaft Artemis Capital Asset Management handelt nach dem System.

Rendite von 326 Prozent seit 2004

Preis und seine Kollegen programmierten ihren Algorithmus auf Basis der Suchvolumina und testeten diesen rückwirkend. „Wenn das Suchvolumen für einen negativ assoziierten Begriff in einer Woche größer war als in der Vorwoche, sind wir zu Beginn der folgenden Woche short gegangen, haben also verkauft, und am Ende der Woche zurückgekauft.“

Umgekehrt ging das System long, wettete also auf steigende Kurse, wenn es einen Abfall im Suchvolumen gab. Es kaufte am Anfang der Woche und verkaufte am Ende. Ergebnis war eine hypothetische Rendite von 326 Prozent von 2004 bis 2011.

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