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Franz Weis im Interview So punkten Sie mit europäischen Aktien

Einer der derzeit erfolgreichsten Fondsmanager für europäische Aktien erklärt, warum die Kurse in Zukunft noch stärker schwanken könnten und wie Anleger trotzdem eine gute Wahl treffen.

Franz Weis ist Fondsmanager bei Comgest und auf europäische Aktien spezialisiert. Quelle: Presse

WirtschaftsWoche Online: Nachdem die amerikanische Notenbank Fed vergangene Woche überraschend ihr Anleihekaufprogramm in vollem Umfang verlängerte, schossen die Kurse durch die Decke, auch in Deutschland. Hat die Fed richtig entschieden?

Franz Weis: Jede Münze hat zwei Seiten. Für die Liquidität ist das gut, gerade die Schwellenländer litten vorher enorm unter der Ankündigung, die verfügbare Liquidität solle reduziert werden. Kurzfristig bedeuten die Geldspritzen, dass mehr Zucker fürs Blut da ist. Langfristig heißt das aber auch, dass es der amerikanischen Wirtschaft noch nicht so gut geht wie vermutet. Und das ist mit Sicherheit nicht gut.

Werden die Märkte jetzt skeptisch, gerade was die wirtschaftliche Stärke Amerikas angeht?
Soweit würde ich nicht gehen. Die Wirtschaft dort wächst schon, aber die Arbeitslosigkeit ist immer noch sehr hoch. Außerdem ist die Fed nicht so unpolitisch wie wir es hier in Europa von der Europäischen Zentralbank (EZB) oder der Bundesbank gewohnt sind.

Drohen jetzt Blasen? Irgendwann wird Liquidität doch gefährlich.
Irgendwann schon, aber jetzt noch nicht. Trotzdem bleibt es schwierig. Die Geld-Pumpe läuft weiter, wird nicht abgeschaltet. Deshalb steigen Aktien- oder Immobilienpreise. Wirtschaftlichen Mehrwert bringt das aber nicht.

War die Entscheidung der Fed also falsch?
Das ist eine Glaubensfrage. Aus meiner Sicht hat die Zentralbank vernünftig gehandelt. Denn sie muss auf die wirtschaftliche Entwicklung reagieren, und die relativ hohe Arbeitslosigkeit in den USA erlauben noch keinen Rückzug aus der expansiven Geldpolitik.

Die expansive Fed hat weltweit die Märkte befeuert, auch in Europa. Einige prophezeien bereits eine Aktien-Rally. Was ist da dran?
Wie weit müssen die Märkte steigen, damit die Leute erkennen, dass das schon längst eine Rally war? Die Kurse sind in den letzten zwölf Monaten um rund 15 Prozent gestiegen, dafür dass die Gewinne stagnieren ist das sehr viel. Die weltweit steigende Liquidität war da natürlich ein psychologisches Unterstützungsargument.

Das heißt, die große Sause ist schon wieder vorbei?
Nicht unbedingt. Die Fed-Entscheidung nährt die Sorgen über die amerikanische Wirtschaft, relativ gesehen profitiert Europa davon. Deshalb springen internationale Anleger jetzt auf den Zug, der eigentlich schon im vergangenen Jahr abgefahren ist, und investieren in europäische Aktien.

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