Freytags-Frage

Warum platzt die Blase gerade jetzt?

Der Schwarze Montag hat die Finanzmärkte, Wirtschaft und Politik in Schrecken versetzt. Erklärungsversuche gibt es viele – von China über Sparschwemme bis zur Geldflut. Doch was sind die wirklichen Ursachen?

Die Geldpolitik der EZB dürfte stark zum Börsenboom beigetragen haben. Quelle: dpa

Die Entwicklung an den asiatischen – und im Verbund natürlich auch an den europäischen – Börsen lässt viele Anleger zittern. Nach der herkömmlichen Definition, haben wir bereits einen erneuten Börsencrash. Der Dax ist um ein Fünftel von seinem Allzeithoch entfernt.

Man könnte  also im Grunde davon sprechen, dass jetzt die nächste Blase geplatzt ist. Selbst wenn der Ausdruck übertreiben scheint, so ist ein Verfall der Aktienkurse in dieser Größenordnung schon besorgniserregend. Wie geht es weiter? Sinken die Kurse noch weiter? Um das zu verstehen, wäre eine Ursachenanalyse wichtig.

Widmen wir uns also zunächst der Frage, warum dieser Kursverfall gerade  jetzt geschieht. Dazu gibt es natürlich viele Interpretationen. Von Gier der Spekulanten ist die Rede, die offenkundige Wachstumsschwäche Chinas in Verbindung mit dem dortigen, offenbar recht fragilen Finanzsystem wird genannt. Aber auch die sogenannte Sparschwemme “Savings Glut“ oder die sehr expansive Geldpolitik sind mögliche Erklärungen.

Vermutlich kommt alles zusammen. Beginnen wir mit China. Dort haben die reduzierten Wachstumsvorhersagen zunächst zu politischen Reaktionen wie der Abwertung des Renmimbi geführt, die dann das Vertrauen der Anleger nachhaltig unterminiert zu haben scheinen. So kam es zu einer Verkaufswelle, die nach Europa überschwappte.

Hierzulande hat sich nichts geändert durch die Nachrichten aus China. Die deutsche Wirtschaft lässt verlauten, dass die Probleme in China nur geringe Auswirkungen auf sie haben werden. Der Dax-Absturz kann mit Ansteckung also nur zum Teil erklärt werden. Zwei weitere Stränge fallen sofort ins Auge.

Regierungen sind in der Pflicht

Da ist zunächst das Argument der Sparschwemme, also die vielen Ersparnisse in den Industrieländern (aber auch in China und anderen Schwellenländern). Diese – so das Kernargument – senken den Zins und machen Sachanlagen interessant. Denn es werde gemessen an den lukrativen Investitionsmöglichkeiten zu viel gespart. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit – wenn überhaupt. Denn viele Ersparnisse finden zurzeit nur deshalb keine produktiven Anlagen, weil die Angebotsbedingungen nicht stimmen und weil die Regierungen selber zu wenig investieren und zu viel konsumieren.

Ständig stolpert man (im wahrsten Sinne des Wortes) über Beispiele für den Investitionsstau, zum Beispiel auf Straßen und Wegen; es gibt enormen Nachholbedarf bei Netzwerken aller Art, und die hohe Arbeitslosigkeit in der sogenannten europäischen Peripherie legt hohe privatwirtschaftliche Investitionen nahe. Insofern sind die Regierungen in die Pflicht zu nehmen.

Stichwort: Die schwärzesten Tage für den Dax seit 1987

Weil diese aber ihre Aufgaben vernachlässigen, sucht sich die Ersparnis andere Anlagemöglichkeiten, beispielsweise Immobilien oder Aktien. Seit Beginn der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, in deren Verlauf der Dax bis auf 3.600 Punkte fiel, stieg er kontinuierlich (nur unterbrochen im Jahre 2011) bis zum April 2015 auf über 12.300 Punkte an. Seitdem hat er rund ein Fünftel an Wert verloren, den Großteil in den vergangenen zwei Wochen. Der schnell Rückzug der Sparmilliarden hat dazu vermutlich beigetragen.

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