Fünfjährige Bundesanleihe Anleger zahlen nicht mehr drauf

Spekulationen über ein Ende der EZB-Anleihekäufe im Dezember lassen die Renditen aller Bundesanleihen steigen. Die der fünfjährigen beträgt am Montag null Prozent. Das ist aus Expertensicht ein Lichtblick.

Fünfjährige Bundesanleihe – Rendite steigt auf null Prozent Quelle: Imago

FrankfurtIm Dezember 2015 gab es einen neuen Meilenstein in der Welt der Minuszinsen. Damals rutschte die Rendite der fünfjährigen Bundesanleihe erstmals in negatives Terrain. Die Fahrt sollte sich noch lange fortsetzen. Im Juni 2016 – nach dem Brexit-Votum als Anleger weltweit verunsichert waren und verstärkt in sichere Bundeswertpapiere flohen – rutschte die Rendite des fünfjährigen Bundeswertpapiers auf bis zu minus 0,64 Prozent. Anleger, die den Bond damals kauften und bis zur Fälligkeit hielten, verloren also 0,64 Prozent ihres Einsatzes, anstatt Zinsen zu bekommen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe markierte damals ihr historisches Tief bei minus 0,2 Prozent. Wenn die Kurse von Anleihen steigen, fallen ihre Renditen und umgekehrt.

Seither geht es ganz langsam wieder nach oben mit den Renditen. Am Montag stieg die Rendite der in fünf Jahren fälligen Bundesanleihe erstmals seit gut zwei Jahren wieder auf null Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erreichte mit in der Spitze 0,69 Prozent den höchsten Stand seit ebenfalls zwei Jahren. Dabei hat die Bewegung hin zu steigenden Renditen in den vergangenen Wochen ordentlich Fahrt aufgenommen. Im vergangenen Dezember lag die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe noch bei minus 0,39 Prozent und die der Zehnjährigen bei 0,3 Prozent.

Gründe dafür gibt es viele: Die US-Notenbank erhöht ihre Leitzinsen weiter, die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre monatlichen Anleihekäufe bis Ende September auf 30 Milliarden Euro halbiert, und die Inflationsraten in der Euro-Zone steigen langsam wieder etwas. Im Dezember lag die Teuerungsrate im Euro-Raum bei 1,4 Prozent. Zuletzt hat noch Klaas Knot, Chef der niederländischen Notenbank und Ratsmitglied der EZB erklärt, dass die EZB ihre Anleihekäufe so schnell wie möglich beenden solle. „Es gibt keinerlei Gründe, das Programm fortzusetzen“, sagte Knot am Sonntag im niederländischen Fernsehen. Darüber müsse es Klarheit geben. Bislang hat die EZB Anleihen – vor allem Staatspapiere – im Umfang von mehr als 2,3 Billionen Euro gekauft. Mit den Maßnahmen will sie über eine höhere Kreditvergabe die Wirtschaft und somit die Inflation ankurbeln. Das Vorgehen ist schon lange umstritten.

In der vergangenen Woche hatte die EZB bei ihrer Ratssitzung noch an der Klausel festgehalten, dass die Anleihekäufe so lange weiterlaufen, bis sich die Inflation im Euro-Raum nachhaltig dem gewünschten Ziel von knapp zwei Prozent nähert. Knots Äußerungen lassen jetzt wieder Spekulationen aufkommen, dass die EZB die Anleihekäufe doch schon im September komplett beenden könnte. Wenn die EZB als Käufer für Staatsanleihen wegfällt, sinkt die Nachfrage nach den Papieren. Im Gegenzug dürften die Kurse noch weiter fallen und die Renditen im Gegenzug steigen.

Investoren bezweifeln aber, dass der Renditeanstieg noch so rasch wie bisher weitergeht. So rät die Deutsche Bank den Investoren, die auf kurzfristige kleinere Kursgewinne setzen, schon jetzt wieder zum taktischen Einstieg bei den zweijährigen Anleihen. Auch faktisch werden Anleger wohl noch länger keine Zinsen für fünfjährige Bundeswertpapiere bekommen. Der Bund begibt am Mittwoch eine neue Bundesobligation mit fünf Jahren Restlaufzeit. Dabei dürfte der Zinskupon jedoch wie seit Januar 2015 üblich bei null Prozent liegen.

Der Bund begibt regelmäßig neue Anleihen und orientiert sich bei deren Verzinsung am Marktniveau. Dabei gibt es keine negativen Zinsscheine, aber wenn der Ausgabekurs bei einem Null-Kupon über dem Rückzahlungskurs liegt, ergeben sich für Einsteiger negative Zinsen. Damit könnte es bei den fünfjährigen Papieren jetzt vorbei sein, aber bis zu einem wieder leicht positiven Kupon wird es wohl noch dauern. Die am Mittwoch anstehende Bundesobligation über vier Milliarden Euro wird der Bund bis Juni viermal auf insgesamt 17 Milliarden Euro aufstocken. Die nächste neue Bundesoblation wird es dann im Juli geben. Ob die Rendite bis dahin nah bei 0,25 Prozent liegt und einen entsprechend positiven Kupon rechtfertigt, darf bezweifelt werden.

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