Fusionen und Übernahmen Dem Fusionsboom droht die Überhitzung

Mit der geplanten Vonovia-Fusion ist die weltweite Übernahmewelle endgültig in Deutschland angekommen. Einer Analyse zufolge hat das Übernahmegeschäft in diesem Jahr deutlich zugenommen. Doch schon droht ein Abflauen.

Lockheed Martin schluckt Black-Hawk-Hersteller
Lockheed übernimmt Airbus-Konkurrenten Quelle: REUTERS
Militärhubschrauber Black Hawk Quelle: AP
Verizon kauft AOL Quelle: dpa
Hutchison Whampoa übernimmt O2 Quelle: REUTERS
Valeant kauft Salix Quelle: AP
NXP Semiconductors kauft Freescale Quelle: dpa
Intel kauft Altera Quelle: REUTERS

Die Übernahmewelle rollt durch Deutschland. Mit 28,3 Milliarden Euro an umgesetzten Transaktionen war das Sommerquartal das stärkste seit 2008. In den ersten drei Quartalen nahm das Geschäft mit Übernahmen und Fusionen (Mergers& Acquisitions/M&A) laut Mergermarket um 5,9 Prozent zu. Während Käufer aus Europa das Interesse verloren haben, legten die Investitionen aus Nordamerika um 29,9 Prozent zu. Bevorzugte Branchen waren die Industrie- und Chemiesektoren mit Gesamtgeschäften von mehr als 14 Milliarden Euro.   

Rekorddeal Vonovia

Die größte ausländische Übernahme 2015 bisher war die Akquisition der Elster Group durch Honeywell International mit einem Kaufpreis von  4,6 Milliarden Euro. Der Kauf des Kartendienstes Here von Nokia durch BMW, Daimler und Audi für 2,8 Milliarden Euro stach auf der deutschen Seite hervor, daneben noch der Verkauf von Tank&Rast von unter anderem der Deutschen Bank an ein Konsortium rund um die Allianz über 3,5 Milliarden Euro.  Der größte Deal überhaupt dieses Jahr steht allerdings noch an, falls es dem Wohnungskonzern Vonovia gelingen sollte, den Konkurrenten Deutsche Wohnen zu übernehmen. Der Übernahmepreis inklusive Schulden wird auf 14,4 Milliarden Euro geschätzt.  Zeitgleich droht der Automatenhersteller WincorNixdor an den US-Konkurrenten Diebold zu gehen für vergleichsweise geringe 1,7 Milliarden Euro.

Die zehn größten M&A-Deals in Europa 2014

Frühindikator zeigt nach unten

Die Anzahl der deutschen M&A-Deals im Frühstadium ist im dritten Quartal allerdings im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,9 Prozent zurückgegangen.  Das zeigen Daten von Intralinks, einem führender Anbieter für Lösungen, mit denen strategische Transaktionen verwaltet werden können. Damit ist das Sommerquartal das zweite Quartal in Folge, in dem in Deutschland einen Rückgang des Frühindikators zu verzeichnen ist:  Im Frühjahr ging der Indikator um 7,1 Prozent bergab.

VW-Abgasskandal bremst

Negative Schlagzeilen rund um den Abgasskandal von VW könnte die Zuversicht in Deutschland künftig zusätzlich beeinflussen, erwartet Intralinks.  „Zuversicht und Vertrauen sind Schlüsselkomponenten, wenn es darum geht wirtschaftliche Rahmenbedingungen aufzubauen, die M&A-Aktivitäten fördern. Deswegen kann der Abgasskandal bei VW auch in diesem Bereich ernste Konsequenzen haben“, sagt Philip Whitchelo, Vizechef Strategie und Produktmarketing bei Intralinks. „Es hat durchaus Kommentare gegeben, in denen das Thema Vertrauen in Deutschland generell angesprochen wurde. Daher könnten negative Entwicklungen in diesem Fall Konsequenzen für das Zuversichtslevel im drittgrößten europäischen M&A-Markt haben.“

Die zehn größten IT-Übernahmen weltweit nach Kaufpreis

Überhitzter Markt

Gefahr droht auch von der Preisseite: Denn sowohl  M&A-Profis aus Unternehmen als auch aus Investmentbanken halten die derzeitigen Kaufpreise in vielen Branchen in Deutschland für überhöht. Die Schmerzgrenze potenzieller Käufer sei inzwischen vielfach überschritten. So ein Ergebnis des aktuellen "M&A Panels", bei dem die Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland und das Magazin "Finance" drei Mal jährlich M&A-Chefs deutscher Unternehmen sowie führende Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragen. Die M&A-Profis in den Unternehmen sehen demnach derzeit kaum attraktive Übernahmeziele, während sich die Beratungshäuser über volle Auftragsbücher freuen. In beiden Gruppen ist die Zustimmung zu der These, dass derzeit zu hohe Preise bezahlt werden, seit dem Sommer stark angestiegen und liegt auf einem so hohen Niveau wie noch nie seit Beginn der Befragung im März 2011.  

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%