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Gbureks Geld-Geklimper

Aktien zwischen Dichtung und Wahrheit

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Warum das Deutsche Aktieninstitut mehr finanzielle Allgemeinbildung beschwört und Aktienfondsmanager Wein predigen, aber Anlegern Wasser einschenken. Und warum Dividendenrenditen mit Vorsicht zu genießen sind.

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Manfred Gburek beschäftigt sich mit dem Mysterium Aktie. Quelle: dpa

In der Theorie ist alles so einfach: Durch Guthabenzinsen, die unter der Inflationsrate liegen, werden Anleger kalt enteignet. Doch mithilfe von Dividendenrenditen, die bei Dax-Aktien um 4 Prozent pendeln und dadurch die Guthabenzinsen wie auch die Inflationsrate locker übertreffen, können sie sich vor Enteignung schützen. Also kauft gefälligst Aktien! So oder ähnlich schallt es seit Monaten durch Beratungsecken von Banken und Sparkassen, Anlegermessen und sogar Fernsehstudios, wo man Aktien im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr allein als kapitalistisches Teufelszeug brandmarkt.

Vergebens: Wie das Deutsche Aktieninstitut ermitteln ließ, stieg die Zahl der direkten Aktienanleger im ersten Halbjahr 2013 gegenüber derselben Vorjahreszeit zwar um gut 7 Prozent auf 4,9 Millionen, entsprechend 7,5 Prozent der Bevölkerung, aber die Zahl direkter und indirekter Aktienanleger (über Fonds) nahm zusammengenommen in derselben Zeit um 100.000 auf 9,4 Millionen ab. Und um die Statistik noch aussagekräftiger zu machen: Die Zahl der direkten Aktionäre liegt aktuell um 1,4 Millionen oder knapp 22 Prozent unter der im Spitzenjahrgang 2000.

Allzeithoch mit Macken

Dieser Misserfolg hat aus Anlegersicht viele Väter. Allein im Zusammenhang mit der in den Jahren 2000 bis 2003 abgestürzten Telekom-Aktie seien hier stellvertretend genannt: der frühere Telekom-Chef Ron Sommer, Ex-Finanzminister Hans Eichel, der trotz des Börsenkrachs nach der Jahrtausendwende nichts Effektives gegen die Emission von zusätzlichen Telekom-Aktien zu abenteuerlichen Kursen unternahm, das Schauspielerduo Manfred Krug und Charles Brauer, das seine Popularität schamlos zur Werbung für eben diese Aktien ausnutzte, nicht zu vergessen die Heerscharen von provisionsgierigen Investmentbankern.

Und das Deutsche Aktieninstitut? Es musste sein 50-jähriges Bestehen ausgerechnet 2003 feiern, im Jahr des Schreckens für Aktionäre, die außer mit der Telekom auch mit Dutzenden von Schwindelfirmen des Neuen Marktes große Teile ihres Vermögens verloren hatten. Inzwischen ist ein weiteres Jahrzehnt vergangen, in dem die deutschen Aktienkurse erst kräftig rauf, dann 2008 nicht minder kräftig runter gegengen und anschließend unter Schwankungen auf ein Allzeithoch gestiegen sind. Im 60. Jahr seines Bestehens fällt dem Institut, für das „die Aktienkultur in Deutschland nach wie vor nicht zufriedenstellend ausgeprägt ist“, bestenfalls ein, „die ökonomische, insbesondere finanzielle Allgemeinbildung breiter Bevölkerungskreise“ anzumahnen.

Fondsmanager als Sündenböcke

Diesem frommen Wunsch steht indes so manches entgegen. Nehmen wir zum Beispiel den Institutsvorstand: Er besteht aus 48 Personen, übrigens mit einer in der deutschen Finanzwirtschaft einmaligen Frauenquote von 1 zu 47, entsprechend 2,1 Prozent, darunter kein wirklicher Vertreter der Interessen privater Anleger oder gar Anlegerschützer, sondern in erster Linie Industrielle und Banker. Ein weiteres Beispiel stammt von McKinsey-Principal Philipp Koch: 90 Prozent der deutschen Aktienfondsmanager haben den Kursaufschwung der vergangenen Monate nicht mitgemacht, und 85 Prozent von denen haben das nicht einmal bedauert. Im Gegenzug sind die Kosten der Investmentgesellschaften für Fondsmanager ständig gestiegen.

Ansparen mit Aktien macht keinen Sinn

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Zwei besonders markante Beispiele hat Andreas Beck, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau, am vergangenen Dienstag beim 3. Asset Management Forum der Analystenvereinigung DVFA vorgetragen: Zum einen konzentrieren sich Investmentgesellschaften viel zu sehr auf das Marketing von Fonds, die in der Vergangenheit gut abgeschnitten haben, was jedoch nur wenig über ihre Ergebnisse in der Zukunft aussage. Dadurch würden nachhaltige Renditebringer unter den Fonds vernachlässigt. Zum anderen mangele es bei Fondsmanagern am richtigen Verständnis für Risiken und deren Komplexität. Die weit verbreitete Orientierung primär am Schwankungsrisiko sei fehl am Platz. Stattdessen sollten fünf Risiken mitsamt ihren Interdependenzen im Vordergrund stehen: Zins-, Ausfall-, Liquiditäts-, Währungs- und Managementrisiken. Darüber hinaus zieht Beck ein niederschmetterndes Fazit: „Die Regulierung ist aktienfeindlich.“

Ideal wäre eine Anleitung zur Spekulation

Was den zuletzt genannten Punkt angeht, wird es spannend sein, zu beobachten, wie private Anleger - außer auf dem Umweg über niedrige Zinsen – von der kommenden Bundesregierung auch über die Steuern weiter enteignet werden. Die vom Deutschen Aktieninstitut seit Jahren erfolglos bejammerte Doppelbesteuerung der Aktien ist offenbar in Stein gemeißelt.

Die Anfang 2009 eingeführte Abgeltungsteuer auf ein Viertel der gesamten Wertpapiererträge (also auch aller Kursgewinne) plus Soli, sofern die Wertpapiere nach 2008 gekauft wurden, erscheint so manchem Politiker nicht nur im linken Lager ausbaufähig. Das Ansparen von Vermögen mit Aktien macht so gesehen immer weniger Sinn, da mögen die Dividendenrenditen noch so sehr die Zinsen auf dem Konto ausstechen.

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Abgesehen davon gleiten Aktienkurse immer wieder mal für eine kurze, mal für eine längere Phase in die Verlustzone; 20 oder 30 und manchmal sogar noch mehr Minusprozente sind dann nicht ungewöhnlich. Dagegen erscheinen Dividendenrenditen von 4 Prozent wie zurzeit – und höher, falls die Kurse fallen – wie ein Tropfen auf den heißen Stein; im Übrigen können sie gestutzt werden wie zuletzt bei RWE oder ganz ausfallen. So weit die Dividendenpraxis als Kontrast zur eingangs beschriebenen Theorie.

Ob die Mehrheit der Aktionäre den Mut aufbringt, nach zweistelligen Kursverlusten Aktien zu kaufen oder nachzukaufen, müsste erst noch nachgewiesen werden – und ob die Mehrheit im aktuellen Umfeld bereits stark gestiegener Kurse genug Käufermut hat, ebenfalls. Machen wir uns nichts vor, was Aktien betrifft, besteht die vom Deutschen Aktieninstitut eingeforderte „finanzielle Allgemeinbildung breiter Bevölkerungskreise“ idealerweise in einer handfesten Anleitung zur Spekulation.

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