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Gbureks Geld-Geklimper

Auch unruhige Börsen bieten Chancen

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Der Euro ist durch den Ausgang der Italien-Wahl mal wieder angeschlagen, der deutsche Aktienmarkt auch. Grund genug, sich anderswo umzusehen.

Zehn Szenarien für 2013 - und was sie für Anleger bedeuten
Der Euro wird überlebenDie europäische Währung, Dauerpatient auf der Intensivstation, wird bis 2013 nicht sterben - davon gehen jedenfalls die Analysten der Research-Abteilung von HSBC Trinkaus aus. Ihre Prognose begründen sie mit den Treuebekundungen der europäischen Politiker zum Euro und dem Versprechen der EZB unbegrenzt Staatsanleihen klammer Staaten zu kaufen, die einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsschirm gestellt haben. Die Märkte werden sich langfristig beruhigen, sofern die Euro-Länder ihre Hausaufgaben machen. Quelle: dpa
Niedrige Zinsen, niedrige InflationDie Zinsen werden mittelfristig niedrig bleiben. Die Analysten der HSBC rechnen damit, dass die EZB ihre Niedrigzinspolitik auch noch 2013 fahren wird. Allerdings gehen sie auch von einer niedrigen Teuerungsrate aus. Paradox? Nein. Denn die Geldflut der EZB werde nicht über Kredite in die Realwirtschaft fließen und zwar wegen hoher Arbeitslosigkeit und Unterkapazitäten in der Euro-Zone. Ausnahme bleibe Deutschland: Hierzulande könnte die Inflation stärker anziehen - dank Lohnsteigerungen und robustem Arbeitsmarkt. Quelle: dpa
Keine ImmobilienblaseEine Immobilienblase in Deutschland sehen die Experten nicht. Das heißt aber nicht, dass Immobilien nicht gefragt sein werden. Dafür sprechen niedrige Zinsen und damit niedrige Finanzierungskosten. Zudem sei der Arbeitsmarkt robust - und wer einen sicheren Job hat, der will auch ein eigenes Häuschen. Doch Immobilien könnten auch als Anlageklasse interessanter werden – dank niedriger Renditen bei festverzinslichen Papieren und volatiler Aktienmärkte. Quelle: dpa
Dollar könnte unter die Räder kommenFür eine Belastung des Dollar-Kurses sehen die Analysten der HSBC für 2013 drei Faktoren. Erstens: Die lockere Geldpolitik der US-Notenbank und wahrscheinlich werden weitere quantitative Maßnahmen folgen. Zweitens driften die USA auf die Schuldenobergrenze zu. Wenn diese nicht erhöht wird, wird die US-Regierung zahlungsunfähig, was die Wirtschaft belasten und automatisch Steuererhöhungen mit sich bringen wird. Als dritten Grund sehen sie eine mögliche Verlagerung der Aufmerksamkeit. Während derzeit alle Welt auf die Staatsfinanzen der Euro-Länder schauen, könnte sich in Zukunft die Diskussion auf die USA konzentrieren. Quelle: dpa
Gold glänztDer Goldpreis wird weiter steigen. Weil Notenbanken Gold kaufen, die Realzinsen negativ sind und Währungen abgewertet werden, steigt die Beliebtheit des Edelmetalls weiter. Sorgen um eine wachsende Inflation verstärken diesen Trend noch. Die Geldflut dürfte außerdem ihren Weg zum Gold finden, das im Gegensatz zur Währung nicht beliebig vermehrt werden kann. Quelle: dpa
Unternehmensanleihen sind interessantAufgrund ihrer Prognosen für das Jahr 2013 hat die HSBC auch bestimmte Anlagestrategien empfohlen. Die Investmentgrade-Unternehmensanleihen gehören dazu. Denn selten sei der Aufschlag im Verhältnis zur Rendite so hoch gewesen. Langfristig sei das Chance-Risiko-Verhältnis besonders attraktiv. Gegen ein kurzfristiges Investment in diese Anlageklasse spreche dagegen vor allem die geringe Liquidität. Bei Staatsanleihen von Ländern mit einem guten Rating sind die Renditen kleiner als die Inflation und deshalb unattraktiv. Quelle: dpa
Spekulativ: Hoch-Zins-AnleihenIn Tagen der Niedrigzinspolitik ist bei Staatsanleihen wenig zu holen. Die Analysten der HSBC empfehlen deshalb spekulativen Investoren High-Yield-Anleihen - jedoch nur als Beimischung. Allerdings ist bei Unternehmens-Hochzins-Anleihen Vorsicht geboten: Die hohen Zinsen gibt es wegen der schlechten Kreditwürdigkeit der Unternehmen. HSBC empfiehlt deshalb, sich die Unternehmen genau anzuschauen und solche auszuwählen, die ein solides Geschäftsmodell und geringe Verschuldung. Quelle: dpa

Es ist schon komisch, dass Börsianer die beiden italienischen Politiker Silvio Berlusconi und Beppe Grillo, ausgerechnet von Peer Steinbrück als Clowns bezeichnet, zu Beginn der Woche für die weltweit miese Stimmung an den Aktienmärkten verantwortlich machten. Auf dem Laufband des Fernsehsenders n-tv hieß es sogar, der japanische Aktienindex Nikkei hätte seinen Rückgang dem Wahlfiasko in Italien zu verdanken. Mit den nachträglichen Erklärungsversuchen, warum Aktienkurse mal in die eine, mal in die andere Richtung tendieren, ist es halt so eine Crux. Aber was hat die Italien-Wahl wirklich mit den Kursen zu tun?

Das Land befindet sich seit eineinhalb Jahren in einer mittelschweren Wirtschaftskrise. Die Zahl der Arbeitslosen steigt und steigt, die hohen Lohnstückkosten lassen an der Konkurrenzfähigkeit italienischer Unternehmen zweifeln, Investitionen aus dem In- und Ausland bleiben aus, der Staat muss sich am Kapitalmarkt jährlich an die 400 Milliarden Euro pumpen, und der neuerliche Anstieg der Renditen italienischer Anleihen verheißt diesbezüglich gar nichts Gutes. Die Börsen-Zeitung trifft den Nagel auf den Kopf: „Die Italiener haben sich mental aus der Währungsunion verabschiedet.“

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Weitere Unruhen an den Börsen sind so gut wie sicher

Sie sind aber immer noch Mitglied dieser von Beginn an politisch gewollten und jetzt mit aller politischen Macht verteidigten Fehlkonstruktion, also des Zusammenschlusses von krass unterschiedlichen Volkswirtschaften unter dem Schirm einer einheitlichen Währung, dem Euro. Der Ausgang der Italien-Wahl verdeutlicht einmal mehr die Schwäche dieser Konstruktion: Die politische Union, die sie beseitigen könnte, rückt in weite Ferne, und die Politclowns haben nicht von ungefähr mit Anti-Euro-Parolen gepunktet. Sie werden Nachahmer finden, und das wird für weitere Unruhen an den Börsen sorgen.

Wie sollen sich Anleger da verhalten? Im Grunde wie bisher an dieser Stelle immer wieder empfohlen, also Edelmetalle, Cash für spätere Aktienkäufe, Schweizer Franken und ein Haus oder eine Eigentumswohnung für den Eigenbedarf, dagegen keine Anleihen (Ausnahmen: Anleihen erstklassiger Schuldner in Schweizer Franken und anderen harten Währungen), keine Zertifikate, keine Immobilien zum Vermieten, keine geschlossenen Fonds, nur in ganz speziellen Fällen unter Beachtung des Timings Aktien- oder Mischfonds, deren Manager den Leistungsbeweis schon erbracht haben.

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