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Gbureks Geld-Geklimper

Banken jubeln Kunden unbeliebte Aktien unter

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Ausgerechnet drei Bankprofessoren haben in einer Studie aufgedeckt, wie Banken zum Nachteil von Wertpapierkunden handeln. Besonders Anleger, deren Bank ihr Depot verwaltet, sollten die Initiative ergreifen.

Diese Aktien aus der BCG-Analyse sind kaufenswert

„Banken verkaufen scheinbar solche Aktien, von denen sie sich trennen wollen, an ihre Kunden. Mit Ausbruch der Finanzkrise haben Banken sogar verstärkt Aktien aus ihren Eigenbeständen an ihre Kunden verkauft. Banken stoßen insbesondere illiquide Aktien direkt an Kunden ab. Insbesondere Banken, die ein aktives Vermögensmanagement für Privatkunden betreiben, zeigen dieses Verhalten. Kunden von Banken mit Eigenhandel haben signifikant schlechtere Rendite ihres Aktienportfolios.“

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So steht es wortwörtlich nicht etwa in der Wahlkampfschrift der Linkspartei oder im jüngsten Aufklärungsflyer der Verbraucherzentralen, sondern ausgerechnet in einer Studie der drei Bankprofessoren Falko Fecht (Frankfurt School of Finance and Management), Andreas Hackethal und Yigitcan Karabulut (beide von der Goethe Universität in Frankfurt). Die Datenbasis der erst an diesem Dienstag in der Frankfurt School einem kleinen Kreis vorgestellten Studie – sie umfasst die Zeit vom vierten Quartal 2005 bis zum dritten Quartal 2009 - mag ein wenig angestaubt sein, ihr entscheidendes Fazit ist es nicht: „Tatsächlich finden wir eindeutige Belege dafür, dass Banken systematisch Aktien aus dem eigenen Depot in die Depots ihrer Kunden leiten.“

Da stinkt etwas zum Himmel

Das gilt vor allem für illiquide Aktien, die nur schwer weiter zu verkaufen sind, für Aktien, von denen Banken große Blöcke halten, und für Aktien, die nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 den Weg in private Depots fanden - „als die Marktliquidität generell deutlich geringer war“, umschreiben die Autoren etwas verschämt die Tatsache, dass Banken die ihnen damals drohenden Schieflagen offenbar geschickt in Verluste ihrer Kunden umwandeln konnten. Und sie setzen noch eins drauf: „Diese Ergebnisse sind mit der Hypothese vereinbar, dass Banken gezielt Aktien aus ihren eigenen Depots in die Depots ihrer Privatkunden leiten, um direkte und indirekte Transaktionskosten einzusparen.“

Drei Fragen an Falko Fecht zur Studie "Is Proprietary Trading Detrimental to Retail Investors?"

Dass so etwas in einem zivilisierten Staat einschließlich Finanzaufsicht BaFin, die jedes vermeintliche Insiderdelikt penibel verfolgt, überhaupt möglich ist, stinkt zum Himmel. Da hat die Bankenlobby in Berlin und Brüssel wohl ein gehöriges Wort mitzureden. Derweil registriert die BaFin weiter fleißig alle Börsentransaktionen, aus denen sich massenweise Verdachtsmomente zur Benachteiligung von Bankkunden durch die Eigenhandel ableiten ließen. Indes, die dazugehörigen Daten bleiben der Öffentlichkeit verborgen. „Wir können die Banken nicht auf frischer Tat ertappen“, resigniert Falko Fecht, Co-Autor der brisanten Studie.

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