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Gbureks Geld-Geklimper

Daueraktionär nein, Aktienspekulant ja

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Dividenden sind zurzeit ein heißes Thema. Wie sehr Aktionäre sich daran und an den Ansprüchen der Pensionäre die Finger verbrennen können, wird überwiegend ausgeblendet. Sie sollten sich auf das Timing konzentrieren.

Die Stars der Dax-Rally

Dividendensaison. Die Kassen der Aktionäre klingeln. Bis zu 4,6 Prozent Rendite, ermittelt nach der Formel Dividende geteilt durch Aktienkurs mal hundert. So zieht sich ein Missverständnis nach dem anderen durch Anlegermagazine und Mainstream-Medien, als gäbe es etwas umsonst. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Denn Aktionäre werden mit der Zahlung der Dividende um den Kursabschlag in deren Höhe beraubt. Obendrein greift der Finanzminister gleich mit der Abgeltungsteuer von einem Viertel der Dividende zuzüglich Soli in ihre Kassen - ungeachtet dessen, dass ihre Unternehmen vorher Körperschaftsteuer gezahlt haben. Damit ist die Doppelbesteuerung der Aktien perfekt. Und was die 4,6 Prozent angeht: Sie sind die aktuell höchste Dividendenrendite der im Dax enthaltenen Aktien, die der Münchener Rück, offiziell Munich Re. Andere Dax-Konzerne sind weniger großzügig; bei der Hälfte von ihnen dominiert zurzeit die Eins vor dem Rendite-Komma, also Tages- oder Festgeldniveau.

Gehen wir der Frage nach, warum das alles so ist, und speziell, warum Aktien in erster Linie als Spekulationsobjekte statt als Daueranlage taugen. Die treffendste Antwort lässt sich mit einem einzigen Begriff umschreiben: Stakeholder. Er hat nichts mit der Grillsaison zu tun, eine adäquate deutsche Übersetzung fehlt. Zur Auswahl stehen: Anspruch, Anteil, Einsatz. Oder salopp formuliert: Interessengruppe.

Aktionärsfeinde lauern überall

Aktionäre sind eine von mehreren Interessengruppen, als Kleinaktionäre eine ganz schwache, auch wenn Aktionärsvereinigungen das Gegenteil behaupten, als Großaktionäre eine der stärksten. Feinde im Sinn von Anspruchstellern begegnen ihnen innerhalb und außerhalb ihres Unternehmens. Drinnen: Vorstand, Arbeiter und Angestellte einschließlich Betriebsrat, nicht zuletzt das Unternehmen als erhaltenswerte juristische Person und als Arbeitgeber, als Produzent oder Dienstleister zum Nutzen der Volkswirtschaft. Früher drinnen und jetzt draußen: Pensionäre und abgefundene Manager. Zum Teil drinnen, zum Teil draußen: Aufsichtsrat. Draußen: der Staat als Gesetzgeber, Regulierer und Steuereintreiber, Kunden, Lieferanten, Kreditgeber und -nehmer, Pensionskassen, Fondsmanager, Analysten, nationale und internationale Interessengruppen, die Druck ausüben können, wie Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Greenpeace, Attac oder Carbon Disclosure Project.

Alles in allem also eine erdrückende Übermacht. Da behaupte noch jemand, Aktionäre – außer denen mit hohen Beteiligungen - hätten etwas zu sagen. Nichts haben sie zu sagen. Sie sind gezwungen zu spekulieren. Als Daueraktionäre mögen sie sich noch so sicher fühlen, wenn sie, wie im Fall der Münchener Rück, seit Jahren eine immer höhere Dividende je Aktie kassieren, die aktuell einer Rendite von 4,6 Prozent entspricht. Doch gerade die Aktionäre dieses Konzerns haben nach der Jahrtausendwende schon mal ganz schlimme Zeiten erlebt: Vom Herbst 2000 bis zum Frühjahr 2003 stürzte ihre Aktie um 87 Prozent ab. Diesen Verlust konnten die Dividenden erst nach vielen Jahren wieder aufwiegen.

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