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Gbureks Geld-Geklimper

Der Umgang mit echten und falschen Blasen

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Wenn es um Geld ging, waren die vergangenen Jahrzehnte reich an geplatzten Blasen. Bald folgt die Fortsetzung. Dafür brauchen Anleger schon jetzt starke Nerven und viel Geduld. 

Entwicklung der Staatanleihen in der Schuldenkrise
Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010 Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen USA Quelle: Bloomberg
Staatsanleihen Griechenland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Portugal Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Irland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Italien Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Spanien Quelle: Bloomberg

Fragt man heute Anleger, an welchen Märkten es eine Preisblase gibt, tippen die meisten auf deutsche Wohnimmobilien, chronische Goldhasser auf Edelmetalle und die wenigsten auf Staatsanleihen. Wie es zu dieser Reihenfolge in der Wahrnehmung kommt, wird bei den  Besonderheiten der drei Anlageklassen deutlich: Vom Anstieg der Wohnungsmieten und -preise seit etwa zwei Jahren ist ein großer Teil der Bundesbürger unmittelbar betroffen und deshalb  sensibilisiert, ein kleiner Teil – Vermieter, sonstige Eigentümer, Makler – begünstigt. Der Anstieg der Edelmetallpreise bleibt für das Gros der Anleger unbegreiflich; also ärgern sie sich, bisher nicht dabeigewesen zu sein, und glauben weiter an eine Blase. Dass die Kurse der meisten Staatsanleihen eine Blase bilden, registrieren die wenigsten, weil sie keine besitzen. Dabei erweist sich die Blasenbildung gerade hier als besonders markant und aufschlussreich.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Die Sprache der Börsianer ist, nachdem Begriffe wie Crash oder Blase in den vergangenen Jahren doch arg strapaziert wurden, seit einigen Tagen um eine weitere Metapher reicher: „Schuldenwand“, als Warnung in die Welt hinausposaunt von Kaushik Basu, seines Zeichens Chefvolkswirt der Weltbank. Sein Fazit: „Wir werden eine weitere große Erschütterung der Weltwirtschaft in den Jahren 2014 und 2015 bekommen.“

Drei Aktientipps für vorsichtige Anleger
E.On - Aktie wieder unter StromAls größter Kernkraft-Nutzer hat E.On besonders unter der Energiewende gelitten. E.On hat aber auch mehr und konsequenter als die Konkurrenten RWE und Vattenfall in Erneuerbare investiert, was sich langfristig auszahlen dürfte. Außerdem hat E.On die Krise genutzt, um sich von schwach rentablen Beteiligungen zu trennen, und hat Schulden abgebaut. Quelle: Bloomberg Quelle: dpa
Ein Joker könnte das Geschäft mit Flüssiggas werden, das die E.On-Tochter Ruhrgas ausbaut. Dem flüssigen Brennstoff gehört nach Meinung von Versorgungsexperten die Zukunft. Umsatz 2012 (in Mrd. €): 111,5 Kurs/ Stoppkurs (in €): 18,76/ 16,30 Börsenwert (in Mrd. €): 37,5 Dividendenrendite (in %): 5,3 KGV 2012/ 2013: 8,7/ 10,4 Chance/Risiko: 5/4 Stand: 4. Oktober 2012
Deutsche Telekom - Rendite bleibt attraktivZwar läuft das Stammgeschäft (Deutschland) schleppend, doch zeichnet sich im Ausland Besserung ab. Die Mobilfunk-Tochter T-Mobile USA soll mit Konkurrent Metro PCS fusionieren. Der Markt senkte darüber erst mal den Daumen: zu klein, zu teuer. Doch langfristige Synergien werden unterschätzt. Das neue Unternehmen wäre immerhin fast so groß wie die Nummer drei im US-Markt (Sprint). Quelle: dapd
Das Versprechen der Deutschen Telekom, die Dividende nicht zu kürzen, läuft zwar 2013 aus; doch mehr als fünf Prozent Rendite sind auch in den kommenden Jahren drin. Umsatz 2012 (in Mrd. €): 58,1 Kurs/ Stoppkurs (in €): 9,61/ 8,20 Börsenwert (in Mrd. €): 41,5 Dividendenrendite (in %): 7,3 KGV 2012/ 2013: 15,2/ 15,0 Chance/Risiko: 6/5 Stand: 4. Oktober 2012
K+S - Teuer, aber gutSicher, es gibt günstiger bewertete Aktien im Dax. Doch wer K+S nur nach Kurs- Umsatz und KGV bewertet, springt zu kurz. Beim einzigen deutschen Rohstoffkonzern müssen auch die Reserven in die Betrachtung mit einfließen. Und davon hat K+S eine Menge, sie dürften noch bis Ende des Jahrhunderts reichen. Quelle: AP
K+S In Kanada sollen neue Vorkommen von 160 Millionen Tonnen Kali erschlossen werden, dem wichtigsten Grundstoff für Dünger. Die Düngernachfrage steigt weiter, weil Ackerland knapper wird, die Weltbevölkerung aber wächst. Umsatz 2012 (in Mrd. €): 4,2 Kurs/ Stoppkurs (in €): 39,46/ 31,30 Börsenwert (in Mrd. €): 7,6 Dividendenrendite (in %): 3,3 KGV 2012/ 2013: 12,3/ 11,1 Chance/Risiko: 6/5 4. Oktober 2012

Die Staatsschuldenblase wird platzen

Das ist so eine Sache mit offiziellen Warnungen supranationaler Instanzen wie der Weltbank: Entweder handelt es sich um ernst gemeinte Prognosen, dann lohnt zur Prüfung der Glaubwürdigkeit ein Blick in die lange Liste der Prämissen. Oder mit den Warnungen geht der Appell an andere – internationale, regionale oder nationale – Instanzen einher, endlich etwas zu unternehmen, damit die Welt nicht untergeht. Was da zu unternehmen sei, soll am Ende natürlich denen nutzen, die es fordern.

Im vorliegenden Fall ist es ganz einfach: Verwenden wir den treffenderen Begriff Staatsschuldenblase statt Schuldenwand, dann kann eine Prognose als sicher gelten, nämlich dass sie platzen wird. Ob 2014 oder 2015, vielleicht schon 2013 oder erst nach 2015, ob mit einem einzigen lauten Knall oder wie ein Knallfrosch, sei dahingestellt. Platzen wird sie auf jeden Fall, das zeigt die Exponentialkurve, anhand der sich die Entwicklung der Staatsschulden in der westlichen Hemisphäre besonders gut verfolgen lässt.

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