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Gbureks Geld-Geklimper

Warum der Dollar keine Wunderwährung ist

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Entschuldung der USA ist illusorisch

Wie steht es um die vorübergehend in Vergessenheit geratene finanzielle Repression, also die Entschuldung – in diesem Fall die der USA – mit inflationiertem Geld? Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Gehen wir von rund 60 Billionen Dollar an amerikanischen Schulden insgesamt aus, entsprechend 340 Prozent der US-Wirtschaftsleistung, erscheint die Entschuldung bei zwei Prozent Inflation illusorisch, bei vier Prozent auch noch; bei sechs Prozent könnte man darüber nachdenken, und erst bei acht Prozent wäre die Entschuldung mittels finanzieller Repression realistisch.
Womit sich wieder einmal die Frage stellt: Ist die Inflation überhaupt noch zu stoppen, sobald sie von zwei Prozent aus in höhere Sphären abhebt? Weder die Fed noch die EZB, die knapp zwei Prozent Inflation als Ziel ausgegeben hat, weiß die Antwort. Trotzdem wiederholen beide gebetsmühlenartig ihre 2-Prozent-Botschaft, als sei auf diesem Niveau ein Stoppschild eingebaut. Dass Inflation mit Erwartungen zu tun hat und dadurch auch – oder sogar in erster Linie – ein massenpsychologisches Phänomen ist, wird von den Zentralbankern seltsamerweise immer wieder ausgeblendet.

Biografische Daten der Fed-Chefin

Wortgewaltiges Chef-Duo

Fed-Chefin Janet Yellen ist eine Meisterin im Erfinden von Gründen, um die viel diskutierte Zinsentscheidung hinauszuschieben. Ihr europäisches Pendant, EZB-Chef Mario Draghi, steht ihr, was die Verzögerungstaktik angeht, allerdings in nichts nach. Nur dass er eher Floskeln wie „whatever it takes“ bevorzugt, frei interpretiert: Er geht mit dem Kopf durch die Wand. Von diesem Chef-Duo haben wir noch viel verbale Akrobatik zu erwarten.

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Oder freundlicher formuliert: Beide verstehen es glänzend, wortreich für massenpsychologische Effekte zu sorgen. Wobei Yellen einen ganzen Personalapparat hinter sich weiß, während Draghi mit EZB-Ratsmitglied Jens Weidmann und gleichgesinnten Verfechtern eines harten Euros noch Sparringspartner bearbeiten muss.

Fazit: Anleger, die das Geschehen an den Börsen dominieren, haben mit ihrer Reaktion am Mittwoch gezeigt, was sie von der amerikanischen Konjunktur halten: viel weniger, als die Mainstream-Medien uns seit Wochen einzureden versuchen. Demzufolge muss man wohl davon ausgehen, dass der Dollar nicht die Wunderwährung ist, als die er uns seit geraumer Zeit verkauft wird, und dass der vorzeitige Abgesang der Medien auf Gold und Silber offensichtlich verfrüht ist. In diesem Kontext dürfte es auch wenig überraschen, wenn deutsche und andere europäische Aktien in ihrem Aufwärtsdrang mindestens eine Pause einlegen würden.

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