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Gbureks Geld-Geklimper Gold schlägt Aktien – bis auf Weiteres

Der Abwärtstrend der Aktien hat begonnen, der Goldpreis steigt auf immer neue Höhen. Doch wie lange lässt sich mit Edelmetallen noch Geld verdienen?

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Manfred Gburek

Was geschieht gerade an den Börsen, wie geht es weiter? Auf den Punkt gebracht: Solange Anleger weltweit in minimal verzinsliche Anleihen von Staaten flüchten, die sie noch nicht für angeschlagen halten (zum Beispiel Deutschland), solange sie den Schweizer Franken, Gold und Silber in die Höhe und die Aktienkurse in die Tiefe treiben, solange die internationalen Schuldenprobleme nicht wirklich gelöst sind und den Notenbanken bestenfalls Kommentare wie "erhöhte Unsicherheit" einfallen (O-Ton Europäische Zentralbank), so lange bleibt fast alles beim Alten.

Warum kaufen Anleger deutsche Bundesanleihen, obwohl deren Realverzinsung negativ ist? Weil sie dann ihr Geld in Sicherheit wähnen. Dieselbe Antwort drängt sich beim Schweizer Franken und beim Gold auf, beim Silber nur mit Einschränkungen. Wer glaubt, in Wohnimmobilien sicher investiert zu sein, träumt von der Sicherheit in Backsteinen und Beton. Und warum trennen Anleger sich auf einmal massiv von Aktien? Weil sie deren Auf und Ab für ein Zeichen von Unsicherheit halten, und das, obwohl die meisten Aktien außer der Dividendenrendite und der Aussicht auf steigende Kurse auch Substanz verkörpern.

Womit wir, was Aktien betrifft, bei einem entscheidenden Punkt angekommen sind: Ihre Kurse haben sich an den führenden Börsen so lange oben gehalten, wie Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne bestand. Diese Phase ist nun beendet. Das heißt, Aktien als Quelle von Renditen und Kursgewinnen legen bis auf Weiteres eine Pause ein. Das geht zwangsläufig mit Kursverlusten einher. Denn jetzt sind institutionelle Anleger, allen voran große Fonds, teilweise zu Aktienverkäufen gezwungen: Zum einen, weil sie sich aufgrund konjunkturbedingt schlechterer Gewinnprognosen für bestimmte Aktien (zum Beispiel Zykliker wie Auto- und Maschinenbauer) von diesen trennen, zum anderen, weil immer mehr Anleger ihre Fondsanteile zu Geld machen, das die Fondsmanager über Aktienverkäufe wieder hereinholen.

Diese Entwicklung hält erfahrungsgemäß so lange an, bis der Verkaufsdruck nachlässt: Einerseits bedingt durch die dann wegen des niedriger gewordenen Kursniveaus nachlassenden Verkäufe von Aktien und von Fondsanteilen. Andererseits bedingt durch Schnäppchenjäger, die Aktien einzusammeln beginnen, sobald deren Kurse unter die ermittelten Substanzwerte gefallen sind. Aktienoptimisten seien indes gewarnt: Wir befinden uns international erst am Anfang einer solchen Entwicklung. Deren Ende ist allein schon deshalb nicht abzusehen, weil Aktientrends, außer von den hier erwähnten rationalen Faktoren, zeitweise – vor allem in Extremsituationen – sehr stark auch von irrationalen Übertreibungen beeinflusst werden.

A goldsmith poses with gold Quelle: REUTERS

Damit kommen wir zu einer weiteren wichtigen Frage: Wie viel irrationales Verhalten steckt bereits heute in den Kursen von deutschen Bundesanleihen, im Höhenflug des Schweizer Franken, in den Preisen von Wohnimmobilien und vor allem in den Preisen von Gold und Silber? Bundesanleihen: Wenig, soweit sie als Geldparkplätze ihren Zweck erfüllen, aber viel, falls sie als Geldanlage fungieren sollen. Schweizer Franken: Eine ganze Menge, weil er die Währung eines Landes repräsentiert, das intensive wirtschaftliche Beziehungen zu den Euro-Ländern unterhält und währungspolitisch nicht von ihnen abheben kann. Wohnimmobilien: Ziemlich viel, sofern Erwartungen – vor allem hinsichtlich der angeblichen Inflationsschutz-Funktion – in die Preise eingehen.

Gold: Immer noch mäßig, solange das Schuldenproblem im Euro-Raum und in den USA keinerlei Lösung erkennen lässt und Gold die einzige allseits anerkannte internationale Liquidität bleibt. Silber: Zurzeit ebenfalls mäßig, aber das kann sich nach Überspringen der 50-Dollar-Marke schnell ändern. Natürlich taucht in diesem Kontext immer wieder die Frage auf, warum ausgerechnet Gold als zinsloses Edelmetall, dessen Preis in Dollar sich während der vergangenen zehn Jahre mehr als versechsfacht hat, nicht schon längst auf einem irrational hohen Preisniveau gelandet ist. Reicht seine Funktion als internationale Liquidität aus, um Preise über 1600 und demnächst womöglich 2000 Dollar zu rechtfertigen?

Anlegen in Gold Quelle: dpa

Die nüchterne Antwort: Die im Vergleich zum Angebot höhere Nachfrage treibt den Preis nach oben. Weil seit einiger Zeit sogar die Zentralbanken zu Nettokäufern geworden sind (was zeigt, dass sie Papiergeld abgeschrieben haben), weil China immer größere Mengen an Gold kauft oder von der eigenen Bevölkerung kaufen lässt, weil die Fördermengen der Minen begrenzt sind und weil die traditionellen Goldhalter erst zu viel höheren Preisen zu verkaufen gedenken (vom Papiergeld halten sie noch weniger als die Zentralbanken), steht dem weiteren Aufwärtstrend des Goldpreises – und in seinem Gefolge auch des stärker schwankenden Silberpreises - wenig entgegen.

Allerdings wird nach dem Ende der rückläufigen Aktienkurse die Zeit kommen, in der immer mehr Anleger sich wieder den Aktien zuwenden dürften, sei es wegen einer besseren Konjunktur generell oder in China als Konjunkturlokomotive speziell, sei es wegen der Aussicht auf üppige Kursgewinne von einem extrem niedrigen Kursniveau aus. Dann werden Großanleger, die bis dahin den Edelmetallen in Form von Mammutfonds wie SPDR Gold Trust treu geblieben sind, mehr und mehr auf Aktienfonds umschwenken. In der Zeit danach wird es mit Edelmetallen nicht mehr viel zu verdienen geben - aber eben erst danach.

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