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Gbureks Geld-Geklimper

Griechenland spielt Katz und Maus

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Bankkunden werden die Konsequenzen für das Griechenland-Desaster tragen, auch wenn sie keine griechischen Anleihen besitzen. Deutsche Steuerzahler sowieso.

Griechenland-Effekt in den Bank-Bilanzen
Bankenviertel in Frankfurt am Main Quelle: dpa
Taschenrechner mit dem Logo der Commerzbank Quelle: dpa
Logo der "Bad Bank" der Hypo Real Estate Quelle: dapd
Dexia-Eingang Quelle: dpa
Logo von Credit Agricole Quelle: dpa
Logo der Royal Bank of Scotland Quelle: dpa
Logo und Gebäude der Deutschen Bank Quelle: dpa

Immer wenn der Deutsche Aktienindex Dax Kapriolen schlägt, müssen Börsenkommentatoren sich eine Begründung einfallen lassen – in der Regel eine unlösbare Aufgabe, erfordert sie doch die Befragung ganzer Käufer- und Verkäufergruppen, was in der Kürze der Zeit schier unmöglich ist. Nicht so am vergangenen Dienstag, als der Dax auffallend schwach war. Grund: Griechenland, mal wieder. Aber ist dieses Thema nicht längst in den Aktienkursen eingepreist, wie es im Jargon der Börsianer heißt? Im Prinzip ja, doch da tauchen auf einmal seltsame Spekulationen auf, und schon erwischt es den Dax.

Spekulation Nummer eins kommt, wie nicht anders zu erwarten, aus der angelsächsischen Gerüchteküche: Es könne zum Zwangsumtausch griechischer Staatsanleihen kommen. Maßgebend dafür seien Collective Action Clauses: Klauseln, denen zufolge private Gläubiger auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten. Dadurch würde aus der freiwilligen Umschuldung Griechenlands zu Lasten der Gläubiger eine unfreiwillige. Wobei die Griechen netterweise bereit seien, auf die Anwendung der Klauseln zu verzichten – aber nur, falls mehr als 90 Prozent der privat gehaltenen Anleihen bis Donnerstag dieser Woche zum Umtausch angeboten werden. Das ist der Gipfel: Das hoch verschuldete Griechenland schreibt seinen Gläubigern vor, was zu tun ist.

Massive Verluste - Schuldenschnitt droht zu scheitern

Vertrauliches wird öffentlich

Spekulation Nummer zwei entstammt seltsamerweise einem angeblich vertraulichen Dokument mit Datum 18. Februar, das – welch ein Zufall – termingerecht erst kurz vor dem jetzt so und so vielten Versuch zur Rettung Griechenlands an die Öffentlichkeit gerät. Daraus wird Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann mit dem Satz zitiert, der internationale Bankenverband IIF könne die Folgekosten eines gescheiterten Schuldenschnitts für alle Beteiligten nur schwer beziffern, doch es sei „kaum absehbar, dass sie unter einer Billion Euro lägen“.
Diese Spekulation ist offensichtlich als Aufforderung an die Gläubiger Griechenlands zu verstehen, den freiwilligen Schuldenschnitt zu akzeptieren, sowie als Warnung an Hedgefonds und andere potenzielle Pleiteprofiteure, es nicht zu bunt zu treiben. Wobei die Frage im Raum steht, ob im Fall der endgültigen Pleite Griechenlands auch andere Euro-Länder mitgerissen würden. Der IIF deutet an, dann müssten sogar Italien und Spanien von außen gerettet werden – für Hedgefonds und ihre Mitstreiter sicher ein weiteres interessantes Betätigungsfeld. Die beiden großen Euro-Länder haben indes bei Weitem nicht solche Probleme wie Griechenland.

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