Gbureks Geld-Geklimper

Legen Sie sich auf die Aktien-Lauer!

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Börsenstimmung ist gekippt. Doch deshalb Aktien vergessen? Auf keinen Fall, denn der Baisse wird wieder eine Hausse folgen. Wer dann dabei sein will, sollte sich schon jetzt auf die Lauer legen.

Wo Deutsche investieren – und wovor sie sich fürchten
Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone und die Probleme rund um Griechenland haben bei den deutschen Sparern ihre Spuren hinterlassen. Bei der Geldanlage sind die Deutschen heute deutlich vorsichtiger gestimmt, als zu Beginn der Finanzkrise. Das ist das Ergebnis des fünften Schroders Investmentbarometers. Auf den folgenden Seiten zeigen wir, wo die Deutschen ihr Geld heute investieren - und wovor sie sich fürchten. Quelle: Schroders Investment Management GmbH Quelle: REUTERS
EuropaDie Untergangspropheten für den Euro haben ganze Arbeit geleistet. Mittlerweile sehen 40 Prozent der deutschen Anleger Europa als die Region mit dem höchsten Risiko. Damit liegt der europäische Staatenverbund vor allen übrigen Regionen und Ländern. Die gestiegene Risikoaversion macht sich auch bei der Geldanlage der Deutschen bemerkbar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden Investitionen in Europa um 15 Prozent zurückgefahren. Als sicher sehen die Deutschen im Moment nur ihr eigenes Heimatland. Gerade einmal 3 Prozent der deutschen Sparer würden ihr Geld nicht in der Bundesrepublik investieren. Quelle: dapd
ImmobilienImmobilien gelten momentan als einer der sichersten Anlagen. In den europäischen Metropolen überteigt die Nachfrage oftmals das Angebot. Dadurch klettern die Preise seit Jahren auf immer neue Rekordwerte. Auch für viele deutsche Anleger sind trotz der Krise Immobilien der Fels in der Brandung. 32 Prozent halten europäische Immobilien für besonders sicher. Quelle: dpa
AktienmärkteDas ständige Auf und Ab an den europäischen Aktienmärkten hielt viele deutsche Anleger in den letzten Jahren von einem Investment ab. Gerade einmal jeder fünfte Kleinanleger investierte sein Erspartes in Aktien. Trotzdem werden europäische Aktien von 21 Prozent der Befragten als sicher eingestuft. Quelle: dapd
DeutschlandDie Vorliebe für Deutschland als Anlageregion ist mit der Sorge um die Euro-Zone gestiegen. Mittlerweile investieren mehr als 80 Prozent der Befragten den größten Teil ihres Geldes in der Bundesrepublik. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von neun Prozent. Dagegen sehen die Deutschen internationale Anlagen als zu risikoreich. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten gab an, keine Inventionen im Ausland tätigen zu wollen. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
AsienDie asiatischen Länder mussten sich im letzten Jahr mit einem geringeren Wachstum zufrieden geben. Trotzdem sehen 46 Prozent der deutschen Anleger die Region als Wachstumsmarkt von morgen an. Das heißt aber nicht, dass sie dort auch tatsächlich investieren. Der Anteil der Anleger, die in der Region (ohne China und Japan) investiert sind, schrumpfte von fünf auf ein Prozent. Quelle: dapd
ChinaKnapp 20 Prozent der deutschen Privatanleger halten eine Investition in China für sinnvoll. Die Zahl der in China investierten Anleger halbierte sich dennoch im vergangenen Jahr von vier auf zwei Prozent. Quelle: AP

Wenn die Aktienkurse fallen, sind Börsianer zum Teil mit plausiblen, zum Teil mit fadenscheinigen Begründungen schnell zur Stelle. Hier ein paar aktuelle Kostproben: Eurokrise noch nicht zu Ende, Korruptionsvorwürfe gegen Spaniens Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, möglicher Wahlsieg von Silvio Berlusconi in Italien, Vorschläge zu massiven Steuererhöhungen von Seiten Rot-Grün, zu viel Algo-Trading durch Computerprogramme und – in solchen Fällen ein Dauerbrenner – die Charttechnik. Das Ganze ergänzt um Leerformeln wie die folgende von der ARD-Internetseite: „Fundamentale Gründe für die Kurstalfahrt gab es nicht.“

Wenn der Computer Millionen verzockt
Wegen technischer Probleme hat die Derivate-Börse Eurex den Handel am Montagmorgen vorübergehend gestoppt.
440 Millionen in 45 MinutenNeu ist nicht immer besser. Die Börsenfirma Knight Capital verlor schnell die Freude an ihrer frisch installierten Software. In nur 45 Minuten bescherte die Software dem Börsenhändler einen Schaden von 440 Millionen US-Dollar. Das Programm kaufte und verkaufte fleißig verschiedene Aktien. Dabei kaufte der Computer zum Marktwert und verkaufte mit Rabatt. Pro Trade gingen zwar nur einige Cents verloren, doch der Computer war so schnell, dass bis zum Beheben des Fehlers 440 Millionen Dollar weg waren. Nur eine 400 Millionen Dollar schwere Finanzspritze einer Gruppe von Investoren sicherte letztlich das Überleben der Börsenfirma. Zur Umfrage: Das Software-Beratungsunternehmen SQS fragte die eigenen Berater nach den größten Software-Pannen 2012 und veröffentlichte die Ergebnisse. Quelle: AP
Der RohrkrepiererDas Börsenunternehmen Bats blamierte sich 2012 selbst. Beim Börsengang floppte die handelseigene Software des Börsenbetreibers und konnte nicht einmal den Kurs der eigenen Aktie anzeigen. Nach einer Serie von technischen Pannen musste die drittgrößte US-Börse Bats Global Markets schließlich die Notbremse ziehen und sich am Tag ihres Marktdebüts wieder aus dem Handel verabschieden. Die Aktie stürzte vom Ausgabepreis von 16 Dollar auf weniger als einen Penny ab. Quelle: AP
Größter Börsengang des Jahres wird größter FloppDer Börsengang des sozialen Netzwerks Facebook war das Thema an der Börse 2012. Doch der Börsengang floppte. Nicht nur weil sich der Wert die Aktie innerhalb weniger Tage halbierte, sondern auch weil die Nasdaq Probleme beim ersten Kurs der Aktie hatte. Die Anzeige des ersten Kurses verzögerte sich um mehrere Minuten. Dabei gingen wohl viele Orders einfach im Nichts verloren. Die Panne betraf laut SQS nicht weniger als 30 Millionen Aktien. Quelle: dpa
Peinliche Panne bei MicrosoftDer Cloud-Computing-Dienst „Azure“ von Microsoft hatte den 29.Februar schlicht und einfach vergessen. Der Dienst, der alle Daten von überall erreichbar machen soll, war zwölf Stunden lang nicht erreichbar. Microsoft entschuldigte sich für den Fehler, bei dem laut Microsoft keine Daten verloren gingen. Wegen des zusätzlichen 29. Februar kam auch ein Bezahlsystem der australischen Krankenversicherungen zwei Tage lang zum Erliegen. 150.00 Patienten konnten die Bezahlfunktion ihrer Versichertenkarte nicht nutzen. Quelle: dpa
Kündigungsgebühren aus dem NichtsEin deutscher Energieversorger kassierte bei seinen Kunden zu Unrecht ab. Eine Software hatte nämlich bei 94.000 Kunden Kündigungsgebühren angerechnet, obwohl keine angefallen waren. Das Energieunternehmen musste insgesamt 1,7 Millionen Euro zurückzahlen. Quelle: dpa
US-Regierung mit teurem UpdateTeuer ist nicht gleich gut. Ein Update der Steuer-Software der USA, das 1,3 Milliarden Dollar gekostet hatte, brachte den Steuerbeamten jede Menge Sorgenfalten. Insbesondere bei der Steuererstattung machte die Software Ärger. 85 Prozent aller Erstattungen kamen zu spät an. Quelle: AP

Wirklich nicht? Bleiben wir zunächst bei Rot-Grün und ergänzen dieses nach der kommenden Bundestagswahl mögliche Regierungsbündnis um die anderen ebenfalls denkbaren: Schwarz-Rot, Schwarz-Gelb, Schwarz-Grün, Rot-Schwarz und Rot-Rot-Grün. Ich gehe jede Wette ein, dass in all diesen Fällen massive Steuererhöhungen zu erwarten sind. Wenn das nicht fundamental ist. Dass sich dazu bisher in erster Linie das rot-grüne Lager geäußert hat, ist wahltaktisch zu begründen und kann nicht über die Steuerpläne von CDU und CSU hinwegtäuschen.

Börsenoptimisten dürften sich täuschen

Aktienkurse nehmen recht zuverlässig die fundamentale Entwicklung, sprich Konjunktur und Krise, ein halbes bis Dreivierteljahr vorweg. Das lässt sich historisch nachweisen. Was könnte in diesem Fall der Anlass sein, dass es im Herbst zu einer Wirtschaftskrise oder – als deren mildere Form – zur Rezession kommt? Da ist zunächst die Eurokrise. Sie wird zwar immer wieder gern von angelsächsischen Scharfmachern herbeigeredet, ist aber in Wahrheit auf zwei von den Euroländern selbst verursachte Fehlentscheidungen zurückzuführen: die Aufnahme ganz unterschiedlicher Volkswirtschaften in die Gemeinschaftswährung und das Festhalten am Euro um nahezu jeden Preis. Daraus ergeben sich ständig Ungleichgewichte zwischen reichen und armen Euroländern, unter deren Folgen Deutschland leiden muss, etwa weil deutsche Exporte nach Frankreich, Italien oder Spanien zusammenschrumpfen.

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