Gbureks Geld-Geklimper

Was weiter für Aktien spricht

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Schlechte Nachrichten sind gut für Aktienkäufe. Schnäppchenjäger dürften in den nächsten Monaten noch einmal günstig zum Zuge kommen.

Drei Aktientipps für vorsichtige Anleger
E.On - Aktie wieder unter StromAls größter Kernkraft-Nutzer hat E.On besonders unter der Energiewende gelitten. E.On hat aber auch mehr und konsequenter als die Konkurrenten RWE und Vattenfall in Erneuerbare investiert, was sich langfristig auszahlen dürfte. Außerdem hat E.On die Krise genutzt, um sich von schwach rentablen Beteiligungen zu trennen, und hat Schulden abgebaut. Quelle: Bloomberg Quelle: dpa
Ein Joker könnte das Geschäft mit Flüssiggas werden, das die E.On-Tochter Ruhrgas ausbaut. Dem flüssigen Brennstoff gehört nach Meinung von Versorgungsexperten die Zukunft. Umsatz 2012 (in Mrd. €): 111,5 Kurs/ Stoppkurs (in €): 18,76/ 16,30 Börsenwert (in Mrd. €): 37,5 Dividendenrendite (in %): 5,3 KGV 2012/ 2013: 8,7/ 10,4 Chance/Risiko: 5/4 Stand: 4. Oktober 2012
Deutsche Telekom - Rendite bleibt attraktivZwar läuft das Stammgeschäft (Deutschland) schleppend, doch zeichnet sich im Ausland Besserung ab. Die Mobilfunk-Tochter T-Mobile USA soll mit Konkurrent Metro PCS fusionieren. Der Markt senkte darüber erst mal den Daumen: zu klein, zu teuer. Doch langfristige Synergien werden unterschätzt. Das neue Unternehmen wäre immerhin fast so groß wie die Nummer drei im US-Markt (Sprint). Quelle: dapd
Das Versprechen der Deutschen Telekom, die Dividende nicht zu kürzen, läuft zwar 2013 aus; doch mehr als fünf Prozent Rendite sind auch in den kommenden Jahren drin. Umsatz 2012 (in Mrd. €): 58,1 Kurs/ Stoppkurs (in €): 9,61/ 8,20 Börsenwert (in Mrd. €): 41,5 Dividendenrendite (in %): 7,3 KGV 2012/ 2013: 15,2/ 15,0 Chance/Risiko: 6/5 Stand: 4. Oktober 2012
K+S - Teuer, aber gutSicher, es gibt günstiger bewertete Aktien im Dax. Doch wer K+S nur nach Kurs- Umsatz und KGV bewertet, springt zu kurz. Beim einzigen deutschen Rohstoffkonzern müssen auch die Reserven in die Betrachtung mit einfließen. Und davon hat K+S eine Menge, sie dürften noch bis Ende des Jahrhunderts reichen. Quelle: AP
K+S In Kanada sollen neue Vorkommen von 160 Millionen Tonnen Kali erschlossen werden, dem wichtigsten Grundstoff für Dünger. Die Düngernachfrage steigt weiter, weil Ackerland knapper wird, die Weltbevölkerung aber wächst. Umsatz 2012 (in Mrd. €): 4,2 Kurs/ Stoppkurs (in €): 39,46/ 31,30 Börsenwert (in Mrd. €): 7,6 Dividendenrendite (in %): 3,3 KGV 2012/ 2013: 12,3/ 11,1 Chance/Risiko: 6/5 4. Oktober 2012

Aktienkurse nehmen die Entwicklung der Unternehmensgewinne um sechs bis neun Monate vorweg, daran ändert sich auch durch die Banken-, Schulden- und Eurokrise nichts. Geld ist ja reichlich vorhanden; und weil es seinen Weg nicht mehr unbedingt zu den Bundesanleihen sucht wie noch bis vor einem halben Jahr, verspricht es sich zunehmend über den Aktienmarkt zu ergießen. Das jedoch nicht ungezielt und schon gar nicht euphorisch, sondern selektiv.

Deutsche Bank, Commerzbank sowieso, Lufthansa und Thyssen bleiben dann halt auf der Strecke, während die auch in Krisenzeiten als vergleichsweise stabil geltenden Aktien von Fresenius, Henkel oder Linde nach jedem zwischenzeitlichen Rücksetzer immer wieder Käufer finden.

Nach gängigen Bewertungskriterien, wie Dividendenrendite, Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnis, sind deutsche Aktien im internationalen Vergleich insgesamt recht preiswert. Also spricht viel dafür, dass das viele an den Kapitalmärkten fluktuierende Geld besonders ihnen zugute kommt. Wobei zunehmend Zykliker wie BASF, Bayer und Siemens in den Vordergrund rücken dürften. Geradezu als Fundgrube wird sich beim nächsten Aufwärtsschub dann auch der aus 50 Aktien bestehende MDax erweisen.

250 Milliarden Euro stehen auf dem Spiel

Die Aktienkurse müssen auf dem Weg nach oben indes so manches Hindernis überwinden. Zum Beispiel kippte der Internationale Währungsfonds vor seinem jetzigen Jahrestreffen in Tokio Wasser in den Wein der Optimisten, indem er seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft leicht nach unten korrigierte. Und manche Auguren werden nicht müde, vorherzusagen, in Europa würden sich schon bald japanische Verhältnisse bemerkbar machen.

Also eine sehr lange anhaltende schleppende bis rückläufige Wirtschaftsentwicklung trotz expansiver Geldpolitik. Dass in Japan bis 1990 eine gigantische Immobilien- und Aktienspekulation vorausgegangen war, wie sie die Welt während der vergangenen Jahrzehnte kein zweites Mal – auch nicht zuletzt in den USA und in Spanien – erlebt hat, wird dabei einfach ausgeklammert.

Natürlich werden die Aktienkurse auf dem Weg aufwärts auch in den kommenden Monaten immer wieder unterbrochen. Ein wichtiger Anlass wird die von den Börsianern bisher viel zu wenig beachtete Refinanzierung von Gewerbeimmobilien sein, auf der am Mittwoch zu Ende gegangenen Immobilienmesse Expo Real eines der brisantesten Themen.

Die Firma Ernst & Young hat ermittelt, dass 250 Milliarden Euro zur Debatte stehen. Schlimm daran ist, dass durch das Zusammentreffen von Problemimmobilien und -krediten eine Eigendynamik entsteht, die noch so manchen Schuldner zu Fall bringen wird, und zwar schwerpunktmäßig schon 2013. Schlimm ist auch, dass auf Seiten der Banken besonders dicke Brocken wie Hypo Real Estate und zuletzt die Commerzbank-Tochter Eurohypo aus dem Geschäft mit der gewerblichen Immobilienfinanzierung verschwinden.

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