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Gefährliche Notenbankenpolitik Finanzmarktrisiken und Nebenwirkungen

Die Bemühungen der Alchimisten in den Notenbanken einen Crash zu verhindern, werden diesen letztlich auslösen. Die Nebenwirkungen der unbeirrt weiter verfolgten Nullzinspolitik werden immer deutlicher.

EZB Quelle: dpa

Befürchtungen, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihr erst im März gestartetes Gelddruckprogramm wegen des "Konjunktur(prognosen)wunders" in Europa wieder einstellen, begegnete der neue Chef-Magier der Märkte, EZB-Präsident Mario Draghi, gleich mit zwei beunruhigenden Versprechen: Wie geplant, werden 1.140 Milliarden Euro frisch gedruckt, komme was wolle („Unser Fokus wird auf der vollen Umsetzung unserer Maßnahmen liegen.“), selbst um den Preis, die Wahrscheinlichkeit einer nächsten Krise zu erhöhen („Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass niedrige Zinsen für eine lange Zeit den Nährboden für Ungleichgewichte bilden können)!

Das neuerliche EZB-Druckversprechen und die sich weiter deutlich abschwächende US-Konjunktur beflügelten im April abermals die Märkte, so dass – neben Dax oder S&P 500 – nun auch die US-Technologiebörse Nasdaq ihr 2000 markiertes Blasenhoch nach 15 Jahren überwinden konnte.

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Obwohl die Intensität des Konjunkturabschwungs in den USA mit Blick auf einige Daten gar an beste Lehman-Pleite-Zeiten erinnert, schöpfen die an Wall Street inzwischen mit 476 Milliarden Dollar Wertpapierkredit-Rekordvolumen spekulierenden Börsianer nicht nur in den USA daraus die Hoffnung, dass die seit zwei Jahren dauerangekündigte Zinsanhebung (die erste dann seit 2006!) endgültig auf den Fed´schen Sankt-Nimmerleinstag verschoben werden könnte.

Wo würde der DAX ohne Notenbanken stehen?

Auch wenn die Aussicht auf ewig billiges Geld ewig steigende Aktienkurse zu versprechen scheint, so genügt ein Blick in die Finanzgeschichte, um zu erkennen, dass dieser Zusammenhang keinesfalls zwangsläufig ist.

Einen Grund, nach sechs Jahren Dauer-Liquiditätsrallye etwas mehr Vorsicht walten zu lassen, sehen unverändert die wenigsten, obwohl die Aktienbewertung in den USA schon heute ein Niveau erreicht hat, auf dem früher Aktienblasen geplatzt sind.

Warnte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im Sommer 2014 (ungehört) vor einem sich im Hintergrund aufbauendem „schmerzhaften und sehr zerstörerischen Umschwung“, ließ der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem jüngsten „Global Financial Stability Report“ keine Zweifel offen, dass die Bemühungen der Alchimisten in den Notenbanken, einen Crash zu verhindern, diesen letztlich gar auslösen werden!

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So sieht der IWF die Risiken im Weltfinanzsystem nicht nur auf den höchsten Stand seit Oktober 2014 oder die Lage der auf 900 Milliarden Euro an faulen Krediten sitzenden Banken Europas kritisch; der Währungsfonds thematisierte auch die unkalkulierbaren Gefahren aus der Risikokonzentration des inzwischen über die Größe einer weltweiten jährlichen Wirtschaftsleistung auf 76.000 Milliarden Dollar angeschwollenen und unkontrollierbaren Schattenbankensektors. Auch wenn es dazu nicht den IWF braucht, sondern nur mathematische Grundkenntnisse, werden die Nebenwirkungen der unbeirrt weiter verfolgten Nullzinspolitik immer deutlicher. Für die 4.400 Milliarden Euro verwaltende europäische Versicherungswirtschaft erweist sich diese jedenfalls zunehmend als existenzbedrohend, wobei die Ratingagentur Moody´s die deutsche Versicherungswirtschaft gar zur riskantesten der Welt erklärte!

Während es an Warnungen nicht fehlt, ist das Interesse für die sicheren Häfen – Gold und Silber – offenkundig vor allem in Asien ausgeprägt. In China, wo die diesjährige physische Goldnachfrage per 24. April mit 782 Tonnen bereits 17 Prozent über dem Vorjahresvergleichszeitraum liegt, oder in Indien, wo die Goldimporte in den ersten drei Monaten auf 286 Tonnen kletterten (Vorjahr 137,5 Tonnen), scheint man also nicht nur die (Warn-)Zeichen der Zeit zu erkennen, sondern nutzt beherzt die Gunst der niedrig gehaltenen Preise.

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