Gefragtes Edelmetall Warum der VW-Skandal den Palladiumpreis antreibt

Palladium steigt, Platin fällt – und schuld daran sollen die manipulierten Abgaswerte bei VW sein. Warum das so ist und beide Metalle vor allem langfristig profitieren könnten.

1 Kilo Palladium

Platin ist in weiten Teilen der Bevölkerung vor allem als das teuerste Metall der Welt bekannt, Autofreunden überdies als wichtiger Bestandteil von Abgasfiltern, sprich Katalysatoren. Nun ist der Platinpreis auf den niedrigsten Stand sein Januar 2009 gefallen und mit einem Preis je Feinunze von 933 Dollar deutlich billiger als Gold, das bei 1131 Dollar je Unze notiert. Und für den jüngsten Kurssturz soll ausgerechtet Volkswagen verantwortlich sein.

Wissenwertes zu Palladium

Der Grund dafür liegt auf der Hand: VW wollte dem sauberen Dieselmotor zum Erfolg in den USA verhelfen und manipulierte dafür die Abgaswerte nach unten – offenbar nicht nur in den USA, sondern auch bei seinen Dieselautos in Europa. Der Imageschaden betrifft nicht nur die Wolfsburger, sondern Dieselfahrzeuge insgesamt, die nun als schmutziger und umweltschädlicher als gedacht dastehen.

Investoren an den Rohstoffbörsen spekulieren nun darauf, dass die Nachfrage nach Dieselautos im Zuge des VW-Skandals dramatisch sinken dürfte. Dann würde auch die Platin-Nachfrage sinken, denn die Katalysatoren in Dieselfahrzeugen benötigen viel Platin. 44 Prozent der Platinnachfrage weltweit entfällt auf die Autoindustrie, und hier vor allem für die Verwendung in Dieselkatalysatoren.

Wissenswertes zu Platin

Platin wird allerdings auch in den Katalysatoren von Benzinfahrzeugen verwendet, wenn auch in weit geringerem Umfang. Hier wird für die Katalysatorenherstellung Palladium bevorzugt. Deshalb stieg das Platin-Schwestermetall – die Edelmetalle sind chemisch recht ähnlich – in Reaktion auf das VW-„Dieselgate“ am Mittwoch um sieben Prozent auf 660 Dollar je Feinunze und damit den höchsten Stand seit zwei Monaten. Bei Palladium macht die Nachfrage der Auto- und Katalysatorenhersteller sogar 80 Prozent der Gesamtnachfrage aus.

Langfristig steigende Preise

Kurzfristig sind die Preisschwankungen bei Platin und Palladium durchaus mit dem Skandal beim zweitgrößten Autohersteller der Welt begründbar. Langfristig sollten jedoch die Preise für beide Edelmetalle wieder steigen. „Bis sich so eine Nachfrageverschiebung im Automarkt bei den Rohstoffpreisen niederschlägt, dauert es in der Regel Jahre. Darüber hinaus ist die Nachfrage nach Platin und Palladium durchaus solide und langsam steigend“, sagt Rohstoffanalyst Daniel Briesemann von der Commerzbank. „Sollte der VW-Skandal allerdings nur die Spitze des Eisbergs sein und weiter Kreise ziehen, ist auch langfristig eine Verschiebung der Nachfrage zugunsten von Palladium möglich.“

Wie sich Industrie- und Edelmetallpreise entwickeln

Generell erwartet Briesemann jedoch eher positive Effekte für beide Metalle. „Sollten im Zuge der Abgasaffäre die Abgasnormen und –kontrollen weiter verschärft werden, sollte dies auch eine höhere Nachfrage nach Palladium und Platin nach sich ziehen.“ Die Platinnachfrage dürfte auch unterstützen, dass Dieselmotoren nach wie vor Standard in LKWs sind und der Frachtverkehr auf den Straßen immer weiter zunimmt.

Für ein mittel- bis langfristiges Anziehen der Platin- und Palladiumpreise spricht auch der deutliche Wertverlust in den vergangenen Monaten und Jahre. Die Platinpreise sind im Grunde schon seit 2011 auf Talfahrt, als das Edelmetall noch mehr als 2000 Dollar je Unze kostete. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat Platin rund die Hälfte an Wert verloren.  Bei Palladium setzte der Abwärtstrend zwar erst im Sommer 2014 ein, nachdem es in der Spitze 895 Dollar kostete. Der Preis ist seitdem aber schon um mehr als ein Viertel gefallen.

Russland dankbar für Devisentransfer

Dass Palladium auf der Angebotsseite knapper wird, ist hingegen nicht erkennbar, obwohl die Edelmetallpreise die Produktionskosten jeder zweiten Mine nicht einmal decken. Zum einen ist Russland mit mehr als 40 Prozent der weltweiten Fördermenge der größte Produzent des Metalls. Bislang ist der Palladium-Export nicht von den EU-Sanktionen gegen Russland betroffen. Sicher wird die Autoindustrie alles versuchen, um zu verhindern, dass es dazu kommt. Russland wird für den Devisentransfer angesichts des schwachen Rubels dankbar sein.

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Zum anderen dürfte auch im zweitgrößten Förderland Südafrika kein Interesse daran bestehen, das Palladium-Angebot durch Minenschließungen oder Produktionskürzungen zu verknappen, zumal sich die starken Gewerkschaften der Minenarbeiter dagegen zur Wehr setzen. Um die Produktionskosten halbwegs aufzufangen, bleibt die Angebotsmenge unverändert hoch. Preisimpulse müssten daher von der Nachfrageseite kommen. Kurzfristig sind sie nicht erkennbar, langfristig könnte VW-Skandal und seine Folgen allerdings dazu beitragen.

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