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Geldanlage China öffnet seinen Privatanlegern die Welt

Chinesen dürfen ihe Geld bald im Ausland investieren. Das Vermögen dürfte knapp 2,5 Billionen Euro betragen. Die Milliardeninvestitionen aus dem Reich der Mitte dürften die Aktienmärkte kräftig durcheinanderwirbeln.

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Bald haben Privatanleger freie Bahn in China. Bislang können Chinesen nur mit heimischen Titeln spekulieren. Quelle: ap

Peking Die weltweite Geldanlage-Landschaft könnte kräftig in Bewegung geraten: China will seine Bürger künftig auch im Ausland investieren lassen. „Wir bereiten ein Pilotprogramm zur Zulassung von lizenzierten einheimischen Investoren vor“, heißt es im Protokoll einer richtungsweisenden Konferenz der chinesischen Zentralbank, das seit Montagmorgen online steht.

Chinas Privathaushalte haben geschätzte 20 Billionen Yuan (2,5 Billionen Euro) auf der hohen Kante. Sie sind begierig, ihre Vermögen divers anzulegen: Die Guthabenzinsen sind in China real negativ, der örtliche Aktienmarkt gleicht einem Kasino und der Immobilienmarkt ist schon zu teuer. Doch das kommunistische China lässt bisher keine Investments jenseits der Landesgrenze zu.

China schottet sich mit diesen Kapitalmauern von den Turbulenzen der weltweiten Finanzmärkte ab, was Experten in der derzeitigen Entwicklungsstufe für sinnvoll halten. Doch andererseits gehen dem aufstrebenden Land damit Chancen verloren. Durch die Eigenbrötlerei kann es seinen Reichtum nicht nutzen, um seinen Einfluss weltweit auszuweiten. Auch gestreute, renditeträchtige Auslandsanlagen für die Bürger sind nicht möglich.

Das könnte sich nun ändern. Ende vergangener Woche hat sich Zentralbankchef Zhou Xiaochuan mit seinem Top-Personal und Abgesandten der Regierung auf die wichtigsten Ziele für das Jahr 2013 verständigt. Das Protokoll findet sich hier auf der Website der Peoples Bank of China.

Die Weichenstellungen sehen wie erwartet eine weitere Öffnung des chinesischen Finanzmarktes für internationale Banken vor – doch etwas überraschend findet sich dort auch der Vorstoß in die umgekehrte Richtung: Der Start eines Programmes mit dem kryptisch anmutenden Namen „QDII“. Die Abkürzung steht für „Qualified Domestic Individual Investors“. Gemeint ist damit: Ausgewählte Banken können das Geld von Privatanlegern im Rahmen eines Pilotprojekts an ausländischen Börsen anlegen.

Solchen Testprojekte führen in China erfahrungsgemäß innerhalb weniger Jahre in den Praxiseinsatz. Im streng quotierten Versuchsbetrieb sammeln die Institutionen Erfahrungen, auf deren Basis dann die Regulierung erfolgt. Chinas Privatinvestoren könnte also schon 2014 die Welt offen stehen.


„Die Märkte gehörig durcheinanderbringen“

In der Praxis bedeutet das jedoch erst einmal: Es steht ihnen Hongkong offen. Der brisante Passus in dem Sitzungsprotokoll steht im Zusammenhang mit der weiteren Ausweitung der internationalen Nutzung des Yuan. Das Privatinvestoren-Programm soll der Förderung der Globalisierung chinesischen Währung dienen. Und der wichtigste – und nächste – Yuan-Umschlagplatz ist Hongkong.

Das Finanzparadies im Süden Chinas gehört zum Staatsgebiet der Volksrepublik, hat jedoch eine unabhängige und kaum regulierte Wirtschaft. Die Banken dort betreiben bereits ihren eigenen Renminbi-Markt und können eingenommene Yuan in internationale Währungen tauschen. Auf diesem Weg könnten chinesische Investoren auch die Kapitalmärkte Amerikas und Europas erreichen.

Das Interesse ist enorm. „Wir wollen nicht noch eine Wohnung kaufen“, sagt Liu Lili, die Gattin eines Pekinger Unternehmers. „Und auf dem chinesischen Aktienmarkt haben wir uns bereits eine blutige Nase geholt.“ Der Lage in China misstraut das Paar trotz aller Wachstumsaussichten – und würde gerne legal einen Teil seines Barvermögens außer Landes anlegen. „Bisher haben wir da keine Chance.“ Liu Lili kauft statt dessen erst einmal Gold-Zertifikate von ihrer örtlichen Bankfiliale.

Chinas Reiche haben längst die Möglichkeit, im Ausland zu investieren – etwa durch Firmengründungen in anderen Ländern und ausgefeilte Finanzkonstrukte. Das betrachtet die gehobene Mittelklasse mit Neid - sie muss sich mit dem begnügen, was die Investmenthäuser an Produkten von der Stange anbieten. Wenn diese bürgerliche Schicht die Möglichkeit erhält, auf ihren Niveau international mitzumachen, wird sie es zumindest ausprobieren. Das könnte Milliarden an die Börsen und Anleihemärkte der internationalen Finanzzentren spülen.

Schon Japans Hausfrauen haben seinerzeit die Märkte durch ihr Investmentverhalten gehörig durcheinandergebracht. Die Anleger in der ebenfalls sehr reichen Nation haben ein ähnliches Problem wie ihre chinesischen Nachbarn: hohe Ersparnisse und Mini-Rendite im Inland. Ihnen stehen die globalen Märkte aber schon seit jeher offen. Die sprichwörtliche „Mrs. Watanabe“ hat sich als Daytrader und durch Zins- und Devisenwetten, so genannte „Carry Trades“ gehörig ausgetobt. Dabei hat sie die Aktien- und Wechselkurse vor allem in der Zeit vor der Finanzkrise gehörig durcheinander gebracht. Das alles mit frei zugänglichen Allerweltsprodukten der Geldanlage-Anbieter.

Nun könnten bald die Chinesinnen kommen.

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