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Geldanlage Die deutsche Gier nach Gold

In den vergangenen Jahren ist das Interesse der Deutschen nach Gold zur Vermögenssicherung gewachsen. Im vergangenen Jahr erreichte die Nachfrage ein Rekordhoch. Neue Wertpapiere hatten dabei einen maßgeblichen Anteil.

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In Krisenzeiten gilt Gold als wertsichernde Anlage. Quelle: Reuters

Frankfurt Die Stunde für Gold scheint geschlagen: Die Niedrigzinsen der Zentralbanken haben die Renditen auf Anleihen in neue Tiefen getrieben, die Aktienmärkte in den USA und Europa eilen zugleich in schwindelerregende Höhen und Finanzmarktexperten wie der einstige Zentralbanker und heutige Chef einer Beteiligungsgesellschaft Timothy Geithner warnen vor den neuen Risiken oder gar „blasenähnlichen Zuständen“, wie es Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein ausdrückte.

Wann, wenn nicht jetzt, lohnt das Krisenmetall Gold – das denken sich offenbar immer mehr Deutsche. Einer Analyse des Gold-Interessenverbandes World Gold Council zufolge sind im vergangenen Jahr knapp sieben Milliarden Euro ins Gold geflossen. Die Bestände erhöhten sich damit um rund 190 Tonnen – so viel wie noch nie. Die meisten der Edelmetallanleger wollen sich vor stürmischen Zeiten an der Börse sichern. Ihnen geht es vor allem um Wertsicherung – und weniger um lockende Gewinne.

Laut einer vom World Gold Council in Auftrag gegebenen Umfrage unter 2000 Deutschen Anlegern gaben 57 Prozent der Befragten an, dass Vermögenssicherung für sie im Vordergrund stehe. Nur etwas mehr als ein Viertel erklärte, dass sie langfristig auf Wertsteigerung hoffen.

„Angesichts einer Abfolge von Finanzkrisen und lockerer Geldpolitik wollen deutsche Anleger mit Gold ihr Vermögen sichern”, heißt es in der Studie. Tatsächlich lässt sich aus der Statistik ein Zusammenhang ablesen. 2008, im ersten Jahr nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers, der eine internationale Finanzkrise auslöste, stiegen die Goldbestände im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Dreifache auf 133 Tonnen. Seitdem hielten sich die jährlichen Zuwächse konstant über der 100-Tonnen-Marke. Der World Gold Council bezeichnet die Ära denn auch als „Deutschlands Goldenes Jahrzehnt“.

Besonders stark setzten die Deutschen bislang auf physisches Gold. Das Edelmetall kauften sie also vor allem in kleinen Münzen bis hin zu Barren – je nachdem, wie viel sich ein Anleger leisten kann.

Im vergangenen Jahr aber kam erstmals der Trend zu Wertpapieren maßgeblich zum Tragen. Die Rede ist von sogenannten Exchange Traded Products (ETP), die mit physischen Gold besichert sind und den Goldpreis nachbilden. ETPs kamen bei den Bestandszuwächsen in Deutschland im vergangenen Jahr auf einen Anteil von knapp 40 Prozent.

Das bedeutendste Wertpapier in Deutschland ist Xetra-Gold von der Deutschen Börse. Dessen Bestände, die in Tresoren von Clearstream Banking verwahrt werden, überstiegen in diesem Jahr 170 Tonnen. Wer Xetra-Gold hat, kann sich das Edelmetall auch ausliefern lassen, schon ab einem Gramm. Mehr als 900-mal sei das schon vorgekommen, berichtet die Deutsche Börse. Doch das hat auch seinen Preis: ein Kilogramm – das aktuell einen Wert von 35.200 Euro hat – kann ab 315 Euro ausgeliefert werden.


Gold-Wertpapiere im Trend

Den großen Zuwachs in den vergangenen beiden Jahren hat Xetra-Gold einer steuerlichen Regelung zu verdanken: Seit September 2015 werden Gewinne auf das Wertpapier von der Abgeltungssteuer ausgenommen, wenn der Besitzer das Papier mehr als zwölf Jahre gehalten hat. Dies habe Xetra-Gold noch von seinen Konkurrenten wie etwa Euwax-Gold von der Börse Stuttgart oder ETC Gold Bullion Securities von ETF Securities voraus.

Gold als Wertpapier zu kaufen macht es einfacher, in das Edelmetall zu investieren, als in der Vergangenheit. Es fallen keine Kosten für einen Tresor an, auch wenn Wertpapieranbieter durchaus eine Verwahrgebühr verlangen.

Für die nahe Zukunft rechnen Experten mit weiteren Argumenten für das Edelmetall, allen voran die schwelende USA-Nordkorea-Krise. „Gold sollte in den nächsten Wochen vor allem wegen der politischen Risiken auch weiter gut gefragt sein“, schreiben die Analysten der Commerzbank. Schon heute könnte es weiteren Auftrieb geben, sollte der Regionalpräsident Kataloniens, Carles Puigdemont, in einer Parlamentssitzung die Unabhängigkeit der Region von Spanien ausrufen.

Was die Zukunftsaussichten angeht, stehen Gold aber geldpolitische Schwierigkeiten bevor. Denn das Edelmetall ist meist immer dann gefragt, wenn der Dollar schwach ist. Gleiches gilt umgekehrt. „Die voraussichtliche Zinsanhebung und ein aggressiverer Fed-Vorsitzender [als vermeintlicher Nachfolger der amtierenden Janet Yellen, Anm. d. Red.] wird den Goldpreis unseres Erachtens in den kommenden Monaten belasten“, sagt Jan-Hendrik Hein, Deutschland-Chef vom Fondshaus ETF Securities. Steigende Zinsen der Fed dürften den Dollar stärken – und Gold schwächen.

Übrigens: Wer in Euro in diesem Jahr in Gold angelegt hat, hat von den Kurssteigerungen nicht profitiert. Obwohl sich die am Weltmarkt in Dollar gehandelte Feinunze (31,1 Gramm) um zwölf Prozent verteuerte, blieben Euro-Anleger wegen der starken Währung auf der Strecke. Für sie steht der Kurs ähnlich wie zu Jahresbeginn bei rund 1095 Euro.

Für alle Langfristanleger bleibt indes ein Trost: Wer zu Beginn 2007 investiert hat, kommt – in Euro gerechnet – bis heute auf ein Plus von 133 Prozent. Damit schlagen die Kursgewinne beim Edelmetall übrigens auch die Börsenindizes, die heute von einem Rekord zum nächsten eilen: Von der Finanzkrise schwer getroffen, kommt der amerikanische S&P 500 in der gleichen Zeit „nur“ auf ein Plus von rund 80 Prozent während sich der Wert des Dax nahezu verdoppelt hat.

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