Geldanlage Vorsicht vor Falsch-Infos: Erst prüfen, dann handeln

Anleger sollten nicht sofort auf eine Nachricht reagieren, sondern zunächst die Fakten checken. Denn der Kurssprung der Twitter-Aktien zeigt: wenn Falschinformationen den Handel dominieren, ist das ärgerlich.

Twitter-Sitz Quelle: AP

Wenn die Agentur Bloomberg meldet, dass der Internet-Riese Google das soziale Netzwerk Twitter für 31 Milliarden Dollar übernimmt, sind das wahrlich News. So wichtige News, dass jeder professionelle Investor, private Anleger oder Redakteur bei der WirtschaftsWoche die Meldung noch einmal überprüft.

Wer dann auf eine Web-Site stößt, die zwar dem Stil der echten Bloomberg-Seite nachempfunden ist, aber erst am 10. Juli 2015 registriert wurde und die die Endung bloomberg.market trägt, statt bloomberg.com, der sollte stutzig werden. Erst recht, wenn dort Ex-Twitter-Chef Dick Costolo zu Dick Costello wird.

Die lukrativsten Märkte der letzten 20 Jahre
Platz 18: JapanDie Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 17: ÖsterreichZiemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 16: ItalienDer MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 15: SingapurSingapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 14: BelgienIn der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 13: FrankreichDer Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 12: NorwegenDer norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr Quelle: Imago
Platz 11: DeutschlandAn der Frankfurter Börse waren zwar in den vergangenen Jahren öfter die Bullen los, doch langfristig betrachtet ist der deutsche Aktienmarkt nicht einmal unter die Top 10 gekommen. Sein bestes Jahr feierte der MSCI Germany Index im Jahr 2003 – mit einem Plus von 36 Prozent. 2012 (+ 28 Prozent) und 2013 (+ 26 Prozent) ging es ebenfalls deutlich aufwärts. Besonders schlecht lief es für den deutschen Aktienmarkt nach dem Platzen der Dotcom-Blase. 2001 ging es um 18 Prozent abwärts und 2002 um sogar 43 Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,42 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 10: Vereinigtes KönigreichSeinen heftigsten Absturz innerhalb der letzten zwanzig Jahre erlebte der britische Aktienmarkt im Jahr 2008, als im Zuge der Finanzkrise der Markt um 46 Prozent einbrach. Doch direkt im Jahr darauf erlebte der Markt ein Comeback und stieg um 39 Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,44 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 9: NiederlandeDer niederländische Aktienmarkt erhält hierzulande nicht besonders viel Aufmerksamkeit – er schlug sich allerdings besser als der deutsche. Wie andere europäische Aktienmärkte stürzte er im Jahr 2008 ab, um 2009 wieder in die Höhe zu schießen. 2013 gehörte der MSCI Netherlands Index zu den stärksten Indizes mit einem Plus von 26 Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,56 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 8: HongkongHongkong landet auf Platz acht des Rankings. Die ehemalige britische Kolonie konnte vor allem im Jahr 2014 ein Plus von 19,4 Prozent vorweisen. Für diesen Zeitraum liegt Hongkong sogar auf Platz drei. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +8,19 Prozent Quelle: REUTERS
Platz 7: AustralienAustraliens Index war in den letzten Jahren starken Schwankungen unterworfen. 2001 konnte man so zum Beispiel den stärksten Index vorweisen, danach ging es bergab: 2006 fand man sich auf Platz zwölf wieder. 2014 landete man mit 9,8 Prozent wieder auf einem guten achten Platz. Insgesamt reicht das für die letzten 20 Jahre zu Platz sieben. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +9,06 Prozent Quelle: AP
Platz 6: USAIn den vergangenen beiden Jahren konnte der MSIC-Index der USA jeweils die Spitzenposition erobern (2014 mit 28,1 Prozent), insgesamt reicht es jedoch nur zu Platz sechs. Das kommt nicht von ungefähr, denn nicht immer stand die USA so gut da: 2004 lag man auf dem letzten Platz des Ranking, es ging nur mühsam wieder bergauf. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +9,57 Prozent Quelle: AP
Platz 5: SchweizIn den vergangenen beiden Jahren lag die Schweiz auf dem siebten Platz, zuletzt mit 13,5 Prozent. Über die letzten 20 Jahre sieht noch besser aus: 9,68 Prozent reichen für Platz fünf. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +9,68 Prozent Quelle: dpa
Platz 4: SpanienNur in den Jahren 2003 und 2013 war Spanien in der Spitzengruppe der besten Drei vertreten, dennoch reicht es insgesamt für einen starken vierten Platz. So wies der MSCI-Index im Jahr 2013 ein Plus von fast 26 Prozent auf. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +10,26 Prozent Quelle: REUTERS
Platz 3: KanadaKanada landet auf Platz drei. 2005 lag man sogar auf der Spitzenposition – mit einem Plus von 47,3 Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +10,46 Prozent Quelle: AP
Schweden: Platz 2Traditionell stark vertreten ist Schweden. Mit 43,4 Prozent lag das Land im Jahr 2010 auf Platz eins, auch sonst sind die Skandinavier oft in der Spitzengruppe vertreten gewesen. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +11,09 Prozent Quelle: dpa
Platz 1: DänemarkAuch der Sieger ist Skandinavier: Dänemark. Das Ergebnis sei überraschend, weil Dänemark nicht in einem einzigen einzelnen Jahr auf Platz 1 gestanden habe, sagt Neumann. Doch die Summe an guten Platzierungen hat letztlich zum Spitzenplatz verholfen. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +12,59 Prozent Quelle: dpa

Leider haben einige Anleger auf das Überprüfen verzichtet. Wer profitieren wollte, musste sofort handeln, hatte keine Zeit, den Wahrheitsgehalt der Quelle zu überprüfen. „Alles! Jetzt!“ ist das Motto der Anleger – ob sie die Aktien noch per Mausklick kaufen oder automatisiert über ein Computerprogramm. So schaffte es die Falschmeldung am 14. Juli, den Twitter-Aktienkurs binnen 20 Minuten um 8,5 Prozent nach oben zu katapultieren, auf über 38 Dollar. Es wäre leicht, in diesem Fall wieder den Algorithmen und Hochfrequenzhändlern die Schuld zuzuschieben, die vermeintlich unkontrollierbar den Markt beherrschen und normale Privatanleger chancenlos zurücklassen.

Nachricht nicht gefunden

Dabei zeigt der Fall das Gegenteil: Privatanleger haben durchaus Chancen, wenn sie nicht auf Schnelligkeit, sondern Ruhe setzen. Im Twitter-Fall waren es offenbar sogar sie selbst, die die unberechtigte Kursexplosion ausgelöst haben. Erst ihre Kommentare in sozialen Netzwerken machten aus der Falschmeldung eine Nachricht. Die Finanz-Web-Site Benzinga verbreitete offenbar zuerst die falsche Meldung als Übernahmegerücht an ihre Nutzer. Die teilten es dann über Twitter, wo sich die Information verselbstständigte.

Erst so wurden auch Computerprogramme wohl auf die Spekulation aufmerksam. Denn die können zwar in Sekundenbruchteilen Nachrichten auslesen und darauf sogar eigenständig handeln. Doch in diesem Fall dürften sie die falsche Nachricht anfangs nicht gefunden haben – verlassen sie sich doch meist auf offizielle Meldungen. Eine gerade erst registrierte Web-Seite findet ein Algorithmus kaum.

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Privatanleger sollten sich bei solch einem Schauspiel beruhigt zurücklehnen. Auch wenn eine Meldung auf Twitter so hochkocht, dass sie nun wirklich einfach stimmen muss, bringt es ihnen nichts, blind dem Strom zu folgen. Das Twitter-Spektakel beruhigte sich schnell wieder, die Aktie schloss den Tag mit nur 0,9 Prozent plus, als sei nichts gewesen. Ein aufgeschreckter Twitter-Schwarm mag Trends anzeigen und kurzfristige Kauf- oder Verkaufssignale identifizieren. Er hilft aber nicht dabei, aussichtsreiche Unternehmen zu identifizieren.

Der Übernahmeschwindel war gut gemacht, keine Frage. In den letzten Wochen galt Twitter immer wieder als Übernahmeziel. Und eine Mischung aus Optimismus und Spekulation gehört seit jeher zur Börse. Heute verbreiten sich Gerüchte eben schneller und mit globalem Publikum. Ärgerlich ist es, wenn unwahre Informationen den Handel dominieren – und Unternehmen damit Geld verdienen, solche Mitteilungen aus sozialen Netzwerken für Trader zu sammeln, die damit blitzschnell handeln, ohne zu überprüfen, worauf sie spekulieren. Versuchen Privatanleger dabei mitzumischen, können sie nur verlieren.

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