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Geldanlage Was die besten Vermögensverwalter kaufen

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Martin Wirth und Manfred Piontke Quelle: Klaus Weddig für WirtschaftsWoche

Über den langfristigen Anlage-Erfolg entscheide die Verlustbegrenzung in den Schwächephasen, „nicht die maximale Rendite in der Hausse“, meint Dreide. Und ob dies gelingt, hängt wiederum an der Verteilung des Depots auf die großen Anlage-Klassen Aktien, Anleihen und Bargeld. „Es nutzt wenig, in einem Crash nur die zweitschlechtesten Aktien zu haben; da muss man schnell und radikal raus“ Dreide hält nicht viel vom beliebten Umschichten in Aktien aus defensiven Branchen, wie Telekom, Pharma oder Versorger, wenn sich in der Börsen-Großwetterlage Unheil zusammenbraut. „Die fallen dann auch“, sagt er, „nur weniger stark als Industrie- oder Technologiewerte; dafür hinken sie im nächsten Aufschwung aber umso länger hinterher.“

Martin Wirth und Manfred Piontke

Das Geld seiner Kunden steckt Dreide derzeit zu 70 Prozent in Aktien. „Ich bin überzeugt, dass der Höhenflug der Aktienmärkte noch lange nicht beendet ist“, erklärt er, „Phase eins, die schnelle Erholung der Unternehmensgewinne vom Konjunktur-Schock 2008, ist schon weit gelaufen; aber erfahrungsgemäß folgt darauf Phase zwei: die Rückkehr der Risikofreude. Das bedeutet, dass die Anleger für den gleichen Gewinn an der Börse wieder mehr bezahlen und so die Kurse weiter nach oben treiben; diese Phase hat noch gar nicht begonnen.“

Vor allem bei Technologiewerten sieht Dreide noch Raum für Kursgewinne. In Software und Netzwerke wurde fast zehn Jahre lang kaum investiert; allmählich ist die IT in vielen Unternehmen so alt, und die Netzwerke sind derart überlastet, dass das zum Wettbewerbsnachteil gerät. Dreide ist „guter Dinge, dass sich der IT-Investitionsstau gerade löst“. Er hat zum Beispiel Autodesk, ein US-Unternehmen, das Konstruktionssoftware für Ingenieure und Architekten entwickelt, und Juniper Networks, „die eine gute Position beim Ausbau des mobilen Internets haben“.

Als hätten sie es geprobt: Werden Manfred Piontke und Martin Wirth nach Gold gefragt, schauen sie auf ihre Eheringe und schütteln den Kopf. „Haben wir nicht, brauchen wir nicht“, sagt Wirth, „wer kennt schon dessen wahren Wert?“ In Krisen, wenn Anleger massenhaft Geld abziehen, frage er sich, „ob die Welt sich weiter drehen wird“, so Piontke. Ist die Antwort „ja“, müsse man eigentlich Haus und Hof verpfänden, um Aktien kaufen zu können. Sein Haus hat Piontke noch. Das Büro, dritte Etage eines noblen Jugendstilhauses im Frankfurter Westend, Porsche Cayenne davor, ist gemietet. Das Gebäude soll zu verkaufen sein, erzählt Piontke. Aber Immobilien kaufen? „Haben wir keine Expertise“, sagt er im Banker-Slang.

Piontke und Wirth sind Aktien-Männer, gestählt in ungezählten Börsengewittern, nicht erst seit Januar 2000, als sich die beiden Ex-Analysten mit ihrer FPM selbstständig machten. Kurz vor dem ersten Crash des Jahrtausends war das – ein ungünstiger Zeitpunkt.

Im Regal stapeln sich alte Ausgaben der Börsen-Zeitung – auch die vom Tag der Lehman-Pleite 2008, dem zweiten Crash des Jahrtausends. 2008 fuhren Wirth und Piontke um die 50 Prozent Verlust ein. Längst wieder aufgeholt, doch: „Wir haben – wie die Börse insgesamt – unseren Investoren über die Jahre einiges zugemutet“, räumt Piontke ein. Aber nichts, was sie sich nicht auch selbst angetan hätten – ihr privates Geld steckt in der Firma und in den Fonds. Letzten Endes konnten sie über zehn Jahre das Geld ihrer Investoren mehr als verdoppeln.

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