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Geldanlage Was die besten Vermögensverwalter kaufen

Die WirtschaftsWoche hat die besten Geldanlage-Manager Deutschlands ermittelt. Wer sie sind, welche Aktien sie jetzt kaufen, was sie Anlegern empfehlen, ob sie sich vor Inflation fürchten und was sie von Gold, Aktien und Zinspapieren halten.

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Peter Dreide Quelle: Christian Grund für WirtschaftsWoche

"Ein Vermögensverwalter, hier?“ Der Taxifahrer legt die Stirn in Falten, kratzt sich im Nacken. Dann drückt er zwei Minuten planlos auf seinem Navi herum, frickelt umständlich ein Hustenbonbon aus der giftgrünen Hülle. „Wie heißt der?“, schmatzt er endlich. „TBF? Nie gehört! Da müsset Sie sich in der Rheinseite geirrt habe’. So Hedgefonds und Verwalter sitzet doch alle drübe’, in der Schweiz, die Halunke.“ Nicht alle, erst recht nicht alle Guten: Peter Dreide etwa bevorzugt die deutsche Rheinseite. Er hat sich nach einer Karriere als Investmentbanker in London, Toronto und New York in Singen im Hegau niedergelassen. Der 44.000-Seelen-Ort ist bisher nicht als Finanzmetropole bekannt, höchstens als Heimat der Maggi-Würfel. Macht nichts, sagt Dreide. Bewusst habe er die Kleinstadt gewählt, weit weg von den großen Geldzentren. „Hier kann ich mich aufs Wesentliche konzentrieren“, sagt er, „Aktien analysieren, Bilanzen lesen oder einfach in Ruhe meine Gedanken strukturieren.“

Die Ruhe zahlt sich aus. Mit einer Wertsteigerung von 11, 21 und 29 Prozent pro Jahr steuerte Dreide gleich drei Depots seiner Kunden ganz nach vorn im großen Vermögensverwalter-Ranking der WirtschaftsWoche. So wie Peter Dreide arbeiten viele der besten Anlage-Manager in der Abgeschiedenheit der Provinz. Sie verzichten auf Marketing, neue Kunden kommen fast immer über Mundpropaganda.

Peter Dreide

Die WirtschaftsWoche hat zusammen mit dem Familiy Office WSH Deutsche Vermögenscontrolling und dem Londoner Researchhaus Lipper die besten Profi-Anleger Deutschlands ermittelt. Rund 310 Depots und in Fonds ausgelagerte Kundenportfolios von knapp 140 Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern wurden auf ihre Zusammensetzung, die erzielte Wertentwicklung und die dafür eingegangenen Verlustrisiken untersucht.

Die besten Geldmanager nennen ihre Anlage-Favoriten, gewähren Einblick in ihre Depots und erklären, was sie in den kommenden Monaten von den Märkten erwarten. Die Analyse ist nicht nur für Investoren mit einem liquiden Vermögen von einer Million Euro oder mehr interessant, die auf der Suche nach einem individuellen Verwalter ihrer Portefeuilles sind. Auch Anleger mit bescheideneren Depots können oft in die Fonds der Manager investieren – und wertvolle Hinweise aus deren Anlagestrategie gewinnen.

Die Mehrheit hält – trotz aktueller Börsenhausse und Konjunkturerholung – die Finanz- und Schuldenkrise nicht für beendet; fast alle rechnen in den kommenden Jahren mit steigender Inflation, jedoch nicht mit Hyperinflation.Viele nutzen Edelmetalle wie Gold, zunehmend aber auch Silber, um das Vermögen gegen steigende Inflationsraten und Kaufkraftverluste abzusichern.Fast alle setzen stark auf Aktien. Bei Zinspapieren und Zertifikaten finden sie kaum noch attraktive Titel.

„Eine selbst entwickelte Software übernimmt bei uns die Vorauswahl der Aktien, die wir uns dann genauer ansehen“, erklärt Peter Dreide, Chef und Gründer der TBF Global Asset Management in Singen. Rund 850 Titel hat Dreide ständig unter Beobachtung, 25 bis 40 finden den Weg in seine Portfolios, „nach Kriterien wie Ertragskraft und Bilanzqualität – am liebsten kaufen wir Unternehmen mit mehr Cash als Schulden auf den Büchern“, sagt er.

1999 kam Dreide aus Nordamerika nach Singen. Er hatte seinen Job als leitender Aktienhändler Nordamerika bei Barclays, damals einer der größten Broker der Welt, an den Nagel gehängt. Drei Jahre nahm der dreifache Vater sich danach Zeit, um an seiner Software zu tüfteln; die Familie lebte von Ersparnissen; immer wieder fuhr Dreide Testläufe, bis er sich 2002 mit dem ersten Kunden an den Start traute. Heute verwaltet er gut 210 Millionen Euro, meist Mandate von institutionellen Anlegern wie Versicherungen und Pensionskassen, aber auch Privatleute sind dabei, „die meisten sind Unternehmer“, sagt Dreide.

Viel habe er sich von den Hedgefonds abgeschaut, sagt er. Die kamen Anfang der Neunziger an den Markt. „Vorher machten alle alles aus dem Bauch“, erzählt Dreide: Man fand eine Aktie gut, man kaufte sie. Die Begründung lieferte man nach. Die Hedgefonds begannen, den Investment-Prozess zu versachlichen; sie bauten mathematische Modelle, arbeiteten mit Stochastik. „Jetzt kann man einwenden, der ganze Mathe-Kram habe 2008 versagt“, sagt Dreide, „das stimmt – für eine kurze Zeit. Aber der grundsätzliche Ansatz der Hedgefonds ist richtig: emotionslos, nüchtern und uneitel an die Sache herangehen; nie recht behalten wollen, pragmatisch bleiben:. Neue Fakten? Ändern wir die Strategie! Denkfehler gemacht? Ändern wir sie auch!“

Martin Wirth und Manfred Piontke Quelle: Klaus Weddig für WirtschaftsWoche

Über den langfristigen Anlage-Erfolg entscheide die Verlustbegrenzung in den Schwächephasen, „nicht die maximale Rendite in der Hausse“, meint Dreide. Und ob dies gelingt, hängt wiederum an der Verteilung des Depots auf die großen Anlage-Klassen Aktien, Anleihen und Bargeld. „Es nutzt wenig, in einem Crash nur die zweitschlechtesten Aktien zu haben; da muss man schnell und radikal raus“ Dreide hält nicht viel vom beliebten Umschichten in Aktien aus defensiven Branchen, wie Telekom, Pharma oder Versorger, wenn sich in der Börsen-Großwetterlage Unheil zusammenbraut. „Die fallen dann auch“, sagt er, „nur weniger stark als Industrie- oder Technologiewerte; dafür hinken sie im nächsten Aufschwung aber umso länger hinterher.“

Martin Wirth und Manfred Piontke

Das Geld seiner Kunden steckt Dreide derzeit zu 70 Prozent in Aktien. „Ich bin überzeugt, dass der Höhenflug der Aktienmärkte noch lange nicht beendet ist“, erklärt er, „Phase eins, die schnelle Erholung der Unternehmensgewinne vom Konjunktur-Schock 2008, ist schon weit gelaufen; aber erfahrungsgemäß folgt darauf Phase zwei: die Rückkehr der Risikofreude. Das bedeutet, dass die Anleger für den gleichen Gewinn an der Börse wieder mehr bezahlen und so die Kurse weiter nach oben treiben; diese Phase hat noch gar nicht begonnen.“

Vor allem bei Technologiewerten sieht Dreide noch Raum für Kursgewinne. In Software und Netzwerke wurde fast zehn Jahre lang kaum investiert; allmählich ist die IT in vielen Unternehmen so alt, und die Netzwerke sind derart überlastet, dass das zum Wettbewerbsnachteil gerät. Dreide ist „guter Dinge, dass sich der IT-Investitionsstau gerade löst“. Er hat zum Beispiel Autodesk, ein US-Unternehmen, das Konstruktionssoftware für Ingenieure und Architekten entwickelt, und Juniper Networks, „die eine gute Position beim Ausbau des mobilen Internets haben“.

Als hätten sie es geprobt: Werden Manfred Piontke und Martin Wirth nach Gold gefragt, schauen sie auf ihre Eheringe und schütteln den Kopf. „Haben wir nicht, brauchen wir nicht“, sagt Wirth, „wer kennt schon dessen wahren Wert?“ In Krisen, wenn Anleger massenhaft Geld abziehen, frage er sich, „ob die Welt sich weiter drehen wird“, so Piontke. Ist die Antwort „ja“, müsse man eigentlich Haus und Hof verpfänden, um Aktien kaufen zu können. Sein Haus hat Piontke noch. Das Büro, dritte Etage eines noblen Jugendstilhauses im Frankfurter Westend, Porsche Cayenne davor, ist gemietet. Das Gebäude soll zu verkaufen sein, erzählt Piontke. Aber Immobilien kaufen? „Haben wir keine Expertise“, sagt er im Banker-Slang.

Piontke und Wirth sind Aktien-Männer, gestählt in ungezählten Börsengewittern, nicht erst seit Januar 2000, als sich die beiden Ex-Analysten mit ihrer FPM selbstständig machten. Kurz vor dem ersten Crash des Jahrtausends war das – ein ungünstiger Zeitpunkt.

Im Regal stapeln sich alte Ausgaben der Börsen-Zeitung – auch die vom Tag der Lehman-Pleite 2008, dem zweiten Crash des Jahrtausends. 2008 fuhren Wirth und Piontke um die 50 Prozent Verlust ein. Längst wieder aufgeholt, doch: „Wir haben – wie die Börse insgesamt – unseren Investoren über die Jahre einiges zugemutet“, räumt Piontke ein. Aber nichts, was sie sich nicht auch selbst angetan hätten – ihr privates Geld steckt in der Firma und in den Fonds. Letzten Endes konnten sie über zehn Jahre das Geld ihrer Investoren mehr als verdoppeln.

Tim Schmiel Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Diversifizieren, Geld über den Globus streuen, Anleihen kaufen, das ist ihre Sache nicht. „Ich halte starke Kursschwankungen aus, warum soll ich also auf Performance verzichten, um mich gegen sie abzusichern?“ fragt Wirth. „Weltweite Streuung nutzt nichts, wenn Sie überall zu teuer kaufen“, sagt Piontke. „ Mit dem Dax kaufen Sie die Welt. Ein durchschnittlicher deutscher Konzern verkauft doch heute auf drei bis vier Kontinenten“.

Billig einkaufen kann man immer und überall. Nur kennen muss man seine Unternehmen, auch die in der Provinz, damit man merkt, wann sie billig sind. Das fällt vor der eigenen Haustür leichter. „Ich fühle mich wohler mit einem Unternehmen, das ich in zwei Stunden Zugfahrt erreiche anstatt nach acht Stunden Flug“, sagt Wirth. Ergebnis der Ochsentouren zwischen Göttingen und Stühlingen: „Die Stimmung in den Unternehmen ist klasse“, sagt Piontke, „niemand beobachtet ein Abflauen des Booms“, ergänzt Wirth – und beide singen das Loblied des deutschen Modells von Sozialpartnerschaft und flexiblem Arbeitsmarkt.

Angesichts dieser Erfolge sei der Dax immer noch zu billig, besonders die Nachzügler: Allianz, Münchener Rück, Deutsche Bank. Ebenfalls billig, sagt Wirth, erscheinen einige US-Giganten. Bei einer Microsoft, die für den zehnfachen Jahresgewinn zu haben ist, kann auch ein beinharter Deutschland-Investor schwach werden.

Tim Schmiel

Deutlich vorsichtiger an das Thema Geldanlage heran geht Tim Schmiel. Das mag auch etwas mit Reife zu tun haben: Die Düsseldorfer VM Gruppe ist seit 1986 am Markt. 2,4 Milliarden Euro managt sie für ihre rund 1100 Kunden. „Die meisten sind Unternehmer, die sich ihr Vermögen hart erarbeitet haben“, sagt Schmiel, „die hatten in ihrem Leben schon genügend Risiken.“ Auch seine Kunden wollen natürlich Gewinn machen, niemand bezahle einen Vermögensverwalter für zwei Prozent Rendite vor Steuern und Inflationsausgleich, sagt der 49-Jährige. Vor allem aber geht es ihm um „weitestgehende Verlustvermeidung“.

Das siegreiche Depot im WirtschaftsWoche-Ranking der Kategorie „Dynamisch“, in der neben der Wertentwicklung auch das dafür eingegangene Risiko in die Wertung einfloss, betreut Schmiel seit 1997. Anders als die meisten Geldmanager setzt er zur Risikobegrenzung weniger auf Anleihen, sondern ausgerechnet auf Aktien. Paradox? Keineswegs, sagt er.

Seit dem Lehman-Crash im Herbst 2008 müssten Anleger umdenken. Anleihen und Bankschuldverschreibungen, jahrzehntelang renditearm, aber bombensicher, seien heute teils gefährlicher als Aktien. Die Finanz- und Schuldenkrise habe gezeigt, dass auch Staatsanleihen drastisch im Wert fallen können. „Das Chance-Risiko-Profil der meisten Staatsanleihen ist nicht mehr optimal, vorsichtig ausgedrückt“, sagt Schmiel.

Dahinter steckt nicht nur die Sorge vor einer neuen Eskalation der Krise in Südeuropa. Schmiel rechnet in den kommenden Jahren auch mit höherer Inflation. Darunter würden vor allem die Kurse lang laufender Anleihen leiden, weil ihre fixen Zinsgutschriften durch den Preisauftrieb real entwertet werden.

Thomas Käsdorf

In Sachen Inflation ist Schmiel Pessimist, hält aber nichts von Panikmache. „Die ausufernden Staatsschulden werden natürlich weginflationiert“, sagt er, „aber es gibt keinerlei Anzeichen für eine Hyperinflation à la 1923, wie manche uns Glauben machen wollen.“ Schmiel rechnet eher mit einer vorübergehenden Inflation von 3 bis 6 Prozent – immer noch ein Anstieg um 1 bis 4 Prozentpunkte vom aktuellen Niveau – und für ihn Grund genug, momentan Aktien wegen ihres Inflationsschutz-Charakters gegenüber Zinspapieren zu bevorzugen.

Aktien aber pflegen stark im Wert zu schwanken, eine Eigenschaft, die Schmiel für seine konservativen Kunden nicht zupass kommt, weil diese hohe zwischenzeitliche Buchverluste nicht gut aushalten. Deshalb suche er ständig „Situationen, in denen das übliche Kräfteverhältnis zwischen Chancen und Risiken an den Märkten außer Kraft ist“. Solche findet Schmiel oft bei laufenden Übernahmeprozessen, wie derzeit bei ACS/Hochtief.

„Viele Anleger glauben, man müsse die Aktien des Übernahmezieles möglichst früh besitzen, um zu profitieren. Das stimmt so nicht.“ Schmiel kauft häufig erst, nachdem schon ein Übernahmeangebot abgegeben wurde, sogar zu Preisen leicht über dem Angebot. „Mögliche Kursverluste sind dann auf die Höhe des Abfindungsangebots begrenzt“, erklärt er, „aber es gibt gute Chancen, dass der Aufkäufer einen Nachschlag liefern muss.“

Thomas Käsdorf

Besonders interessant finden die VM-Verwalter Übernahmen, bei denen erbittert um die Höhe des Abfindungsangebotes gestritten wird. Etwa bei Schering, die durch Bayer geschluckt wurden. „Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten“, erklärt Schmiel, „beim Squeeze-out, wenn der Käufer 95 Prozent der Aktien besitzt, werden die restlichen Aktionäre in bar abgefunden. Sie können aber anschließend gerichtlich überprüfen lassen, ob der Preis angemessen ist.“Anders, wenn der Aufkäufer nur 75 Prozent hält und einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag anstrebt. „Dann wird die Aktie weiter gehandelt“, sagt Schmiel, „doch auch hier kommt es häufig zum Spruchverfahren, weil Minderheitsaktionäre klagen.“

Der Clou: Die Verfahren dauern oft mehrere Jahre; währenddessen ist der Kurs nach unten abgesichert; er fällt in der Regel nicht mehr unter das alte Angebot. Dividenden oder Ausgleichs-Zinsen werden aber weiter gezahlt. Laut Schmiels Marktstudien entscheiden Richter zudem „in 90 Prozent der Fälle auf eine höhere Abfindung – das ist die Rendite-Chance“.

Was einfach klingt, ist bei Licht betrachtet mühsame Arbeit. „Man sollte trotz guter Chancen nicht blind auf Übernahmeklagen springen“, warnt Schmiel, „sondern sich die Mühe machen, die Erfolgschancen zu eruieren.“ Bei VM studiert daher ein gutes Dutzend Mitarbeiter die Wertgutachten. „Nur wenn diese die Chance erkennen lassen, dass das Gericht auf eine höhere Abfindung entscheiden kann, hängen wir uns dran.“

Schmiel sagt, dass die Übernahmestrategie eine konservative Anlageform sei. Das belegen die WSH-Zahlen zu Schmiels Depot: Um nur 2,4 Prozent schwankte dessen Wert im Kalenderjahr 2010 – weit weniger als die meisten Rentenfonds. „Bei einer Wertsteigerung von 15 Prozent ist das ein herausragender Chance-Risiko-Koeffizient“, lobt WSH-Chef Christoph Weber. Mit einer Sharpe Ratio von über 6,5 hängte Schmiel die anderen Aktiendepots in puncto Risikokontrolle weit ab

Tabelle: Die besten Profi-Anleger 2010 (zur Vergrößerung bitte klicken)

„Das Verlustpotenzial ist sehr gering, es liegt im einstelligen Prozentbereich“, erklärt Schmiel, „und nur in zehn Prozent der Fälle geht man im Spruchverfahren leer aus und muss die Aktien zum Abfindungsangebot beim Käufer einliefern.“

Etwa ein Viertel des Sieger-Depots investiert Schmiel in solche Übernahmeprozesse; daneben favorisiert er kleine Aktien, zu denen Banken keine Studien erstellen. Etwa ein Drittel hält er in kurz laufenden Anleihen und Cash.

Nur eine halbe Stunde von Frankfurt ist jede Hektik der Finanzmetropole verflogen. In Usingen, umgeben von Fachwerkhäusern, dichten Wäldern und Hügeln, kann Klaus Burkhart mit seiner Firma GAP seit 1985 das machen, was er am besten kann: In Ruhe an seinen Wertpapierdepots arbeiten. Zurückgezogen und ohne öffentliche Auftritte ist er ein stiller, jedoch äußerst erfolgreicher Beobachter der Märkte (siehe Porträt).

Aktuell betrachtet er den Aktienboom insgesamt mit "einigem Unbehagen“, weil viele Anleger auf Gewinnen säßen, die sie jederzeit realisieren könnten. Seine Aktienquote von 85 Prozent will er bald zurückfahren.

Anleger sollten mobil bleiben

Er rät Anlegern, mobil zu bleiben. „Im Parteiprogramm der Grünen ist eine Vermögensabgabe angedacht, die dem Lastenausgleich nach dem Zweiten Weltkrieg ähnelt, über den besonders Immobilienbesitzer zur Kasse gebeten wurden“, schaudert es Burkhart. Aktien bleiben für ihn als „transportable Sachwerte“ deshalb ideal im unsicherem Gelände.

Von Burkharts Usingen nach Wehen, wo Thomas Käsdorf mit seiner Plutos Vermögensverwaltung im ehemaligen Rathaus residiert, sind es nur knapp 40 Kilometer. Und auch in ihren Ansichten liegen die beiden Männer nicht besonders weit auseinander. Käsdorf misstraut den gängigen Trends und erwartet, dass dem aktuellen Aufschwung bald die Puste ausgeht.

In seinem kargen Büro plätschert ein Zimmerspringbrunnen, im winzigen Fernseher läuft Bloomberg-TV. Die Bundesbank meldet, das Geldvermögen der Deutschen habe im vergangenen Jahr deutlich zugelegt.

Das von Käsdorfs rund 200 Kunden auch – um 25 Prozent. Wie er das geschafft hat, erscheint ein bisschen rätselhaft, denn eigentlich ist er der klassische konservative Risikomanager – um nicht zu sagen: Sicherheitsfanatiker. Weil an diesem Morgen Glatteis herrscht, ist er die sechs Kilometer von zu Hause ins Büro mit höchstens 20 Stundenkilometer gefahren; 16 statt wie sonst 5 Minuten hat er gebraucht; aber Hauptsache, sicher.

Ähnlich verfährt Käsdorf mit dem Geld seiner Kunden. Aktien sichert er mit engen Stopp-Kursen ab. Steigen die Kurse, wie zurzeit, ist er ständig mit dem Nachziehen der Stoppkurse beschäftigt. „Seit Kanzlerin Angela Merkel im Oktober 2008 eine Garantie für alle Sparguthaben abgegeben hat, reden wir mit unseren Kunden erst recht nur noch über Sicherheit“, sagt er.

Es gibt aber keine absolute Sicherheit mehr, auch nicht mit Anleihen, meint Käsdorf. Papiere mit langer Laufzeit hält er angesichts des Risikos steigender Zinsen für viel zu riskant. Bei kurzen Laufzeiten und erstklassigen Schuldnern sind die Erträge mau.

Kaum Sicherheit - nicht mal bei den Lebensversicherungen -, kaum noch Anleihen – dass so einer Gold kauft, scheint nur logisch. Käsdorf legt aber Wert auf die Feststellung, dass er dies bereits seit 2001 tue. „Viele Experten haben versucht, mir Gold auszureden; es gebe keinen ökonomischen Grund für einen steigenden Goldpreis“, sagt Käsdorf. Die Skeptiker hätten eben das psychologische Moment unterschätzt. Was die Anleger umtreibe, lasse sich gut am Goldpreis ablesen.

Was Käsdorf antreibt, wie er das Geld seiner Kunden investiert, welche Trends er aus den Kurskurven abliest und welche Risiken die Zukunft aus seiner Sicht mit sich bringt, erfahren Sie in unserer ausführlichen Reportage über den Vermögensverwalter.

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