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Geldanlage Wie Ihr Depot den Börsencrash überlebt

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Logo von Nestlé Quelle: dpa

„Hochsensible Konjunkturwerte jetzt billig einsammeln zu wollen ist nur etwas für Hasardeure“, meint Seibold, „Anleger sollten sie lieber an starken Tagen verkaufen und an schwachen Tagen Qualität einkaufen.“ Denn ganz auf Aktien zu verzichten ist wegen der drohenden Gelddruck-Programme keine Option. Bargeld und Staatsanleihen sind langfristig von höherer Inflation bedroht. Dividendenstarke Aktien weltweit operierender Konzerne, die gut geführt sind und die Produkte herstellen, die immer gebraucht werden, bieten wohl noch den besten Schutz. „Mit einem guten Mix aus Anleihen, Edelmetall, Aktien und Bargeld können Anleger Kursstürze relativ entspannt sehen“, sagt Faber. Die Kursgewinne des einen Depotteils gleichen die Verluste der anderen aus.

Aktien, die die oben genannten Kriterien erfüllen, gibt es immer, etwa die der Schweizer Nestlé, die seit mehr als 20 Jahren Jahr für Jahr die Dividende erhöht, oder die des weltgrößten Goldminenbetreibers Barrick Gold. Auch bei Anleihen sollten Anleger auf Qualität achten, findet Schäfer, und nicht „auf ein paar Punkte mehr Rendite schielen und sich dafür ein unkalkulierbares Risiko einkaufen“.

Vermögen verteilen

Wie sich ein optimal aufgebautes Depot seit Sommer 2010 entwickelt hat. Wie Anleger jetzt reagieren sollten, um zur optimalen Aufteilung zurückzukehren

Für den Anlageerfolg ist es zudem wichtig, sich nicht zu stark von der jeweils herrschenden Börsenstimmung anstecken zu lassen. „Private Anleger kaufen Aktien meist erst, wenn sie seit ein paar Monaten gestiegen sind, und sie verkaufen, wenn sie schon eine Weile gefallen sind“, sagt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau. Damit Anleger nicht Kursstürze aussitzen, Kursanstiege aber verpassen oder ganze Anlageklassen links liegenlassen, sind fixe Depotaufteilungen hilfreich.

So ist es bei der langfristigen Geldanlage sinnvoll, etwa je 30 Prozent des liquiden Vermögens in Aktien und Unternehmensanleihen zu investieren, 25 Prozent in Gold und 15 Prozent auf dem Tagesgeldkonto zu halten. Investoren, die ihr Depot im Juli 2009 entsprechend der Musteraufteilung angelegt haben, haben ihr Vermögen um 31 Prozent gesteigert. Während der Dax in diesem Zeitraum nur um 18 Prozent zulegte, stieg der Goldpreis in Euro um 86 Prozent. Wer das Depot erst im Sommer 2010 auf die Musteraufteilung umgestellt hat, liegt aktuell noch acht Prozent vorn – trotz Crash.

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Standort erkennen

    Wichtig ist, dass Anleger nach einer festen Zeitspanne – beispielsweise alle sechs Monate – die Depotanteile austarieren: Ist der Goldpreis gestiegen, die Börse aber gefallen, verkauft der Anleger einen Teil seines Goldes und kauft vom Erlös Aktien (siehe Grafik). Das ist psychologisch zwar nicht einfach, aber so ist man davor geschützt, sich von Euphorie oder Panik leiten zu lassen. Wer die Verteilung auf Vermögensklassen nicht selbst übernehmen will, setzt auf gemischte Fonds, die auf Aktien, Anleihen, Gold und Derivate streuen. Beim Flossbach & von Storch Multiple Opportunities etwa hat dies gut funktioniert. Andere, wie der Warburg Daxtrend, haben rechtzeitig Cash aufgebaut.

    Gewinne sichern

    Eine breite Depotstreuung ist die Basis. Anleger können daneben aber auch mit Shortzertifikaten auf fallende Kurse spekulieren oder Aktienbestände sichern. Die Anfang August vorgestellte Absicherungsstrategie ging voll auf. Der Kurs des empfohlenen Zertifikats auf den Dax hat sich verdreifacht, seit Erstempfehlung im Mai sogar fast versechsfacht. Anleger, die nur einen geringen Teil ihres Depotwerts ins Shortzertifikat investierten, glichen die Kursverluste ihrer Aktien so mehr als aus.

    Besonders interessant ist die Absicherung über Shortzertifikate, wenn Anleger vor 2009 gekaufte Aktien halten. Verkaufen sie diese mit Gewinn, zahlen sie darauf keine Abgeltungsteuer. Ein zwischenzeitlicher Verkauf mit Rückkauf nach dem Crash würde den langfristigen Steuervorteil zunichte machen. Hier lohnt es sich, die Aktie zu halten, bis sie endgültig verkauft werden soll – und mit Zertifikaten abzusichern. Eine Strategie für Fortgeschrittene, zugegeben.

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