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Geldpolitik Wer rettet uns vor den Rettern?

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Defizitprobleme sind in den Krisenländern gewachsen

Die größten Pleitestaaten der Welt
Norwegische Insel Quelle: dpa
Reichstag Quelle: dpa
Gracht in Amsterdam Quelle: AP
Akropolis Quelle: AP
Brunnen am österreichischen Parlamentsgebäude Quelle: dpa
Schweizer Flagge Quelle: dpa
Big Ben und Westminster Abbey Quelle: REUTERS

Aber wenigstens in Europa haben sich die Dinge trotz der am Jahresende von Mario Draghi kritisierten „perversen Angst“ der Deutschen nicht zum Schlechteren entwickelt, jedenfalls, wenn man geneigt wäre, dem EZB-Präsidenten Glauben zu schenken. Tatsächlich ist jedoch keines der bedrohlichen Defizitprobleme in der „Euro-Stabilitätsunion“ gelöst, sondern vielmehr sind die Defizite auch im „Jahr zwei des Sparens“ gerade in den Krisenländern munter weiter gewachsen. Und auch, wenn es die Eurokraten bis heute nicht wahrhaben wollen, so ist unsere „Friedenswährung“ maßgeblich für den wirtschaftlichen Niedergang in den Krisenländern verantwortlich und entwickelt sich zunehmend zum Spaltpilz Europas. Angesichts der vielerorts auf Rekordniveaus gestiegenen Arbeitslosigkeit und einer geradezu verheerend hohen Jugendarbeitslosigkeit gehören massive Proteste der besonders betroffenen südeuropäischen Bevölkerung gegen die EU-„Rettungs“-Politik inzwischen schon fast zur Tagesordnung. Beispielsweise erreicht die „Mistgabel“-Protestbewegung (forconi) in Italien mit ihrem Programm „raus aus dem Euro und raus aus der EU“ zuletzt Zustimmungswerte von gut 40 Prozent, und zeigt damit exemplarisch, auf welch brüchigem Fundament die Einheitswährung in Wirklichkeit steht!

„Alle sagen Zeit ist Geld, aber niemand sagt, dass dem Geld bald die Zeit ausgehen könnte.“(Bill Gross, Manager des weltweit größten Anleihefonds, 2013)

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Wir gehen nicht davon aus, dass diesmal „alles anders ist“ und erwarten, dass auch die jetzt aufgepumpten Blasen, wie alle Finanzmarktblasen in der Geschichte, platzen werden. Die im historischen Vergleich sehr hohen Aktienbewertungen verbunden mit einem extremen Optimismus für Aktien und Anleihen signalisieren inzwischen auch ein Maß an Sorglosigkeit unter den Investoren, wie sie in der Vergangenheit oft nur vor entscheidenden Marktwendepunkten zu beobachten war. Das erinnert uns sehr an die Euphorie im Jahr 2007, als der damalige Citigroup-Chef Charles Prince die in die Finanzgeschichte eingegangene Party-Devise „Solange die Musik spielt, muss man tanzen“ ausgab.

Zur Zeit wiegen sich die Marktteilnehmer allein in der Hoffnung, dass es den planwirtschaftlich agierenden Notenbanken dauerhaft gelingen könnte, die Finanzmärkte durch die erzeugte Geldschwemme zu stabilisieren, aber die Wahrscheinlichkeit dafür, dass irgendein „Schwarzer Schwan“ (steigende Zinsen, Scheitern des Euro, Staatspleiten, Unfall im Derivate-Casino) das auf exponentiell wachsenden Schulden aufgebaute Kreditgeldsystem in seinen Grundfesten erschüttern wird, steigt mit zunehmender Rotationsgeschwindigkeit der Druckerpressen und Fortschreibung der Null-Zins-Politik stetig weiter an. Was der Öffentlichkeit seit Jahren als krisenlösende und erfolgreiche Geldpolitik der allmächtig erscheinenden und alles rettenden Notenbanken verkauft wird, ist in Wirklichkeit nichts Geringeres als das größte Geldexperiment in der Geschichte! Angesichts dessen sollte man sich doch einmal in aller Ruhe die Frage stellen: Wer oder was rettet uns vor diesen Rettern?

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