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Geldwertstabilität Das passiert, wenn echtes Helikoptergeld in Umlauf kommt

Helikoptergeld geht direkt an die Bevölkerung, ohne Umweg über das Bankensystem. Quelle: dpa

Regierungen spannen gewaltige Rettungsschirme auf, verteilen Geld unter ihren Bürgern, Notenbanken pumpen Billionen in die Finanzmärkte – bisher ohne Wirkung. Die Börsen taumeln weiter. Schlimmer noch: Während die Welt in eine tiefe Rezession fällt, steigen die Renditen an den Anleihemärkten. Deshalb wird bald eine neue Phase unkonventioneller Geldpolitik anbrechen – alternativlos.

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Aufs Jahr hochgerechnet werde die US-Wirtschaft im zweiten Quartal um 24 Prozent einbrechen, erwarten die Volkswirte von Goldman Sachs. Es wäre der schlimmste Quartalseinbruch aller Zeiten. Ein weiterer historischer Negativrekord werde schon am Donnertag präsentiert. Goldman Sachs rechnet damit, dass in der vergangenen Woche 2,25 Millionen Amerikaner Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt haben. Das wären mehr Erstanträge in einer Woche als jemals zuvor. US-Finanzminister Steven Munich warnt vor einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 20 Prozent, sollte der Kongress nicht rasch ein Stimulierungsprogramm im Volumen von über eine Billion Dollar bewilligen.

Der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, hat am Donnerstag ein historisches Konjunkturpaket vorgestellt. Es sieht gestaffelte Steuervergünstigungen von bis zu 1200 Dollar für Personen mit mittlerem Einkommen vor, und 300 Milliarden Dollar für kleinere Unternehmen, damit diese ihre Arbeitnehmer auf der Gehaltsliste halten können, und 208 Milliarden Dollar für Kredite an Fluggesellschaften und andere Branchen, die besonders hart von der Corona-Pandemie betroffen sind. Enthalten in dem Paket sind auch Direktzahlungen an jeden US-Bürger, 1200 Dollar für Einzelpersonen und zusätzlich 500 Dollar pro Kind.

Weltweit haben Regierungen fiskalische Unterstützungspakete von rund zwei Billionen Dollar auf den Weg gebracht. Die finanzielle Dimension dieser Krise dürfte die globale Finanzkrise in den Schatten stellen und letztlich ein Ausmaß erreichen, das die fiskalische Tragfähigkeit einzelner Länder überfordere, fürchtet Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute in Bad Homburg.

Die große Frage lautet: Wer finanziert die Fiskalprogramme von ohnehin schon hoch verschuldeten Regierungen und zu welchen Konditionen – in einer Zeit, in der es mit der Weltwirtschaft steil bergab geht und ein Ende der Krise nicht absehbar ist? Das spiegeln inzwischen auch die Anleihemärkte. Dort steigt die Nervosität, und die Renditen ziehen an. Die Notenbanken versuchen, das einzufangen und pumpen Billionen Dollar in das Finanzsystem. Doch das reicht bisher nicht, um die Märkte zu beruhigen.

Die nächste Stufe unkonventioneller Geldpolitik wird daher der Übergang zu echtem Helikoptergeld sein. Wenn die US-Regierung, wie zuvor Hongkong, Schecks an die Bürger verteilt, dann ist das nämlich noch kein echtes Helikoptergeld. Denn dieses Geld wird aus der Staatskasse finanziert. Echtes Helikoptergeld folge der Logik, dass die Notenbank neues Geld druckt und es direkt, also unter Umgehung des Bankensystems oder der Wertpapiermärkte, direkt bei der Bevölkerung abwirft, sagt Rapp.

In der Praxis werden letztlich andere, aber vergleichbare Maßnahmen eingesetzt. Das Corona-Virus öffnet die Tür zur massiven Monetarisierung von Staatsausgaben durch Notenbanken. Das aber setzte berechtigte Inflationsängste in Gang, sagt Rapp. Neben kurz- und mittelfristig drohenden Bonitätsabstufungen spiegeln die steigenden Renditen daher auch langfristige Inflationssorgen.
Der Ausgang ist beleuchtet. Das Vertrauen in die Geldwertstabilität wird schwinden. Auch der Dollar wird dann genauso schnell zusammenbrechen wie er jetzt steigt.

Bis ein neues Währungssystem installiert und etabliert ist, bleiben Edelmetalle alternativlos – und Aktien, die auch in einer neuen Welt funktionieren: Solide Gesellschaften, die den täglichen Bedarf des Konsumenten abdecken, etwa Unilever, Procter & Gamble, Nestlé und Coca-Cola. Telekomgesellschaften und Ölkonzerne gehören auch dazu.

Mehr zum Thema: Wann kommt die Wende? Die Kurse werden erst wieder nachhaltig steigen, wenn die Depots bereinigt sind von Aktien, die Anleger auf Pump gekauft haben – und die Wirtschaft dann in der Rezession steckt.

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