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Geplatzte Börsenfusion Glücklich gescheitert

Das Fusionsverbot für Deutsche Börse und Nyse Euronext ist weniger schlimm, als die Verlobten glauben machen.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse AG, Reto Francioni Quelle: dpa

Reto Francioni, Chef der Deutschen Börse, nennt es einen „schwarzen Tag für Europa und seine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit auf den weltweiten Finanzmärkten“. In einer Stellungnahme hieß es, die Deutsche Börse nehme die Entscheidung der EU-Kommission, „mit Enttäuschung zur Kenntnis“.

Das ist Humbug. Allenfalls ist es ein schwarzer Tag für Francioni, und weniger für die Deutsche Börse.

Schon lange vor der Absage aus Brüssel hatten Francioni und Nyse-Euronext-Chef Duncan Niederauer zu Verstehen gegeben, dass die geplante Börsenhochzeit „nicht um jeden Preis“ verfolgt werde. Der Preis für einen Zusammenschluss wäre viel zu hoch gewesen.

Die Übernahmeversuche der Deutschen Börse

Die EU-Kommission stößt sich nämlich an der Marktmacht der Vermählten im Börsenhandel mit Derivaten und hatte in ihrer ersten Bewertung der Fusionspläne bereits den Verkauf einer der beiden Derivatebörsen verlangt. Gerade aber dieses Geschäft der Tochterbörsen Liffe (Nyse Euronext) und Eurex (Deutsche Börse) war für die Börsenbetreiber das Salz in der Suppe.

New York braucht Frankfurt - nicht umgekehrt

Im Geschäft mit Derivaten – mit denen Anleger auf künftige Kursentwicklungen wetten und sich gegen Kursverluste absichern können – lässt sich nämlich noch gutes Geld verdienen. Der Aktienhandel hingegen wirft immer weniger ab. Die Gebühren fallen, außerbörsliche Handelsplattformen im Internet nehmen den altehrwürdigen Börsen allmählich die Butter vom Brot und steigern erfolgreich ihren Marktanteil. Es ist also nicht verwunderlich, dass vor allem New York daher das Derivate-Standbein braucht – denn noch erzielt Nyse Euronext die Hälfte seiner Einnahmen im Aktienhandel.

Auch nicht verwunderlich, dass die Zugeständnisse der Börsenbetreiber an die EU-Kommission bezüglich des gemeinsamen Derivate-Geschäfts eher knapp ausfielen. Aus ihrer Sicht war das nur konsequent. Schließlich müssen Francioni und Niederauer auch ihren Aktionären gegenüber gute Argumente für die Fusion finden. So hätten nach dem Zusammenschluss die Gewinne der beiden Betreiber steigen müssen. Nach den ursprünglichen Fusionsplänen stimmten die Argumente noch, die Aktionäre hatten die Pläne mit großer Mehrheit abgesegnetund damit auch die Zustimmung ihrer Aktionäre.

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