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Geschlossene Fonds Schmierige Geschäfte mit kanadischem Öl

Mit fabelhaften Renditen lockt die kanadische Conserve Oil deutsche Anleger. Die Hintermänner bleiben im Dunkeln. Spuren führen zu Milliardenpleitier Jürgen Hanne, der bereits Tausende Immobilienanleger schädigte.

Scan aus dem Buch

Wenn es um dunkle Geschäfte geht, kann das Ambiente gar nicht hell genug strahlen. Das Berliner Emissionshaus „Proven Oil Canada“ (POC) hat seine Vertriebstruppen zur „Kompetenztagung“ zusammentrommelt, in einem Grandhotel in Frankfurt. Zu Meeresfrüchteterrine und Tafelspitzsülze werden beeindruckende Präsentationen und glänzende Renditeaussichten serviert – aber auch reichlich unappetitliche Fonds.

Proven Oil („Nachgewiesenes Öl“) verkauft geschlossene Fonds. Das sind Beteiligungen an Unternehmen. „Geschlossen“, weil das Geld für Jahre nicht mehr herauskommt – anders als etwa bei Aktienfonds, die sich täglich zu Geld machen lassen. Deshalb sind diese Fonds extrem riskant. Wer ihnen Geld gibt, sollte wissen, mit wem er es zu tun hat.

Bei Proven Oil ist das nahezu unmöglich. Am Pult im noblen „Frankfurter Hof“, unter dessen Dach schon Thomas Mann seinen Hochstapler Felix Krull agieren ließ, steht David Crombie, Präsident der Conserve Oil Corporation (COC), der Muttergesellschaft von Proven Oil. Er ist aus Calgary eingeflogen, um den gut 100 Verkäufern Jubelmeldungen zu verkünden. 11.000 Anleger habe man gewonnen, schon 300 Millionen Euro eingesammelt. Die Inszenierung ist perfekt. Dolmetscher übersetzen die Botschaft des Chefs, dunkle Holzvertäfelung und schwere Messingleuchter an den Wänden geben seinen Worten Erhabenheit, riesige Spiegel erzeugen die Illusion von Größe.

Geschäftsprinzip Geheimniskrämerei

Als der kleine, etwas untersetzte Mann jedoch kurz nach dem Vortrag angesprochen wird, werden seine Lippen ganz schmal, verschwinden fast unter dem grauen Schnäuzer. Wem Conserve Oil gehöre? „Kanadische Eigentümer“, entgegnet Crombie mürrisch. Mehr sagt er nicht.

Die Geheimniskrämerei gehört zum Geschäftsprinzip. Anwälte von Proven Oil haben den anonymen Eigentümern bestätigt, sie könnten sich bei solchen Fragen hinter einer Vertraulichkeitsvereinbarung verstecken, diese sei „zulässig und schützenswert“. Heißt: Die Hintermänner der unbekannten kanadischen Ölfirma, der Tausende deutsche Anleger Millionen anvertraut haben, wollen im Dunkeln bleiben.

Sie dürften ihre Gründe haben.

Bei Anlegern sollten die Alarmglocken läuten, wenn...

Erprobte Masche

Bei genauem Hinsehen erweist sich die Investment-Idee als Räuberpistole: Die Selbstdarstellung der Conserve Oil ist hanebüchen, in den Bilanzen knirscht es. Und wer in das Firmengeflecht der kanadischen Ölbarone eintaucht, stößt auf Jürgen Hanne. Der wurde in Deutschland bekannt, als er vor der Jahrtausendwende mit Immobilienfonds für Altersheime ein großes Rad drehte. „Dr. Hanne Fonds“ waren für Anleger ein Desaster. Hanne wurde wegen Betrugs auf Bewährung verurteilt und setzte sich nach Kanada ab.

Vor der Immobilien-Karriere in Ostdeutschland aber war Hanne schon mal im Ölgeschäft. Mit der gleichen Masche, mit der heute Proven Oil auf Anlegerfang geht: hohe Rendite versprechen, Sicherheit suggerieren, Geld einsammeln und erst mal selbst kassieren. Vom Anlegergeld gehen insgesamt rund 20 Prozent an Nebenkosten ab. Die Geschäfte laufen auch jetzt wieder prächtig. Im Energiefonds-Ranking des Fondsverbands VGF schafften es die Berliner schon mal auf Platz zwei.

Fondsprospekte locken mit Traumrenditen

Die Schrecken der Anleger 2012
 Eine EU-Fahne weht am 09.04.2010 über der Akropolis in Athen. Quelle: dpa
Die Notenbanken gehen vorDie nächste Ungleichbehandlung liegt in der Bevorzugung der Notenbanken vor den Privatanlegern: „Weil sich die Notenbanken dem Schuldenschnitt  per Umcodierung ihrer griechischen Anleihen entziehen konnten, erhöhte sich auf der anderen Seite die Belastung für die verbliebenen Anleiheinhaber. Die mittlerweile eingereichten Schadensersatzklagen richten sich jedoch nicht nur gegen den griechischen Staat, sondern auch gegen die Depotbanken selbst. Führende Rechtsexperten vertreten hier die Auffassung, dass Finanzinstitute beim erzwungenen Umtausch ihre Pflichten als Verwahrer von Wertpapieren möglicherweise strafrechtlich verletzt hätten.“ Quelle: dpa
Der Libor-SkandalDer in der breiten Öffentlichkeit Aufsehen aufsehenerregendste Fall von Anlegertäuschung im abgelaufenen Börsenjahr war die aufgeflogene Manipulation des Zinssatzes Libor, zu dem sich die Banken in allen wichtigen Währungen untereinander kurzfristig Geld leihen. Geprellt wurden Kreditnehmer, die entweder zu hohe Zinsen zahlen mussten oder weniger Zinsen auf ihre Einlagen erhielten. Dass der täglich neu festgelegte Libor von einem Kartell an Banken und Zinshändlern im Zeitraum 2005 und 2009 regelmäßig manipuliert werden konnte, ohne dass jemand einschritt, ist ein Skandal. Erst in diesem Jahr wurde die als treibende Kraft identifizierte Barclays Bank zu einer Geldstrafe von umgerechnet 370 Mio. Euro verklagt. Quelle: REUTERS
Geldwäsche bei der HSBC?Neben dem Libor-Skandal trugen weitere Großbanken zum fortschreitenden Imageverlust der Finanzbranche bei. So rechnet HSBC wegen systematischer Geldwäsche für mexikanische Drogenbarone und mögliche Terrorhelfer in Saudi-Arabien mit einer Strafzahlung von mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar. Quelle: dpa
A man walks into the JP Morgan headquarters at Canary Wharf in London Quelle: REUTERS
Der Fall EnBW - Landesregierung muss zahlenHierzulande lieferte der kostspielige Rückkauf von 45 Prozent der Anteile des Versorgers EnBW durch die ehemalige Regierung von Baden-Württemberg ein Musterbeispiel für die Verflechtung von Banken und Politik. Dabei wird gegen den ehemaligen Regierungschef von Baden-Württemberg Stefan Mappus wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Ihm wird vorgeworfen,  gegenüber dem mit ihm befreundeten Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley in einen zu hohen Kaufpreis an den französischen Stromkonzern EdF eingewilligt zu haben, ohne dass ein Wertgutachten angefertigt wurde. Die finanziellen Kosten für die neue Landesregierung in Stuttgart sind beträchtlich. So versucht sie in einem langwierigen Schiedsgerichtsverfahren, von EdF eine Teilerstattung des Kaufpreises zu erstreiten. Darüber hinaus muss sie zusätzliche Zinszahlungen in ihrem Haushaltsbudget einplanen, weil der Kaufpreis für die EnBW-Anteile über eine neue Anleihe finanziert wurde. Dabei sollten die anfallenden Zinsen dauerhaft durch die EnBW-Dividenden getragen werden - was nach der Dividendenkürzung infolge des Gewinneinbruchs von 2011 jedoch nicht mehr möglich ist. Quelle: dpa
Geldvernichtung mit Solar-AktienDer Preisverfall in der Solarindustrie hat mittlerweile zahlreiche deutsche Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Dabei benachteiligen die für die Sanierung eingeleiteten Kapitalmaßnahmen häufig die Alteigentümer.  So hat das frühere TecDax-Mitglied Conergy Bankkredite durch einen Kapitalschnitt in neues Eigenkapital umgewandelt und die Alteigentümer damit praktisch enteignet. Der zurzeit mit Abstand spektakulärste Fall ist die Insolvenz der Solar Millennium aus Erlangen, die sich mit Großprojekten in der Solarthermie finanziell verhoben hatte. Die Aktionäre der Gesellschaften werden vermutlich leer ausgehen. Die  Inhaber von fünf noch ausstehen Anleihen im Volumen von 220 Mio. Euro, die weiterhin auf die Ausschüttung der Insolvenzquote warten, werden ebenfalls massive Verluste ihres Investments hinnehmen müssen. Quelle: dapd

Die Fondsprospekte locken mit Traumrenditen. Etwa beim Fonds „POC Eins“. Hier sollen Anleger „bei vorhandener Liquidität“ pro Jahr zwölf Prozent auf ihr Kapital ausgeschüttet bekommen. Der angepeilte Rückfluss über die Gesamtlaufzeit von 20 Jahren: sagenhafte 280 Prozent.

Das Ganze natürlich besonders sicher. Nicht in die riskante Suche nach Öl und Gas soll das Geld fließen, sondern nur in sprudelnde Quellen. Als unabhängige Gutachter sollen „Sproule Associates“ die Schätzungen der Reserven einer Quelle bestätigen, erst dann werde Anlegergeld freigegeben. Gekauft würden nur Quellen, bei denen die gutachterlich bestätigten Einnahmen innerhalb von fünfeinhalb Jahren den Kaufpreis amortisieren und über die gesamte Produktionsdauer sogar das Zweieinhalbfache des Kaufpreises ausspucken.

Anleger beteiligen sich bei diesem Fonds als Kommanditisten an der POC Eins GmbH & Co. KG. Diese kauft die Öl- und Gasquellen jedoch nicht direkt, sondern beteiligt sich ihrerseits an einer sogenannten Objektgesellschaft in Kanada. Bei der wiederum führt die Conserve Oil Corporation die Geschäfte – die Firma, deren Chef im Frankfurter Hof so wenig über seine Hintermänner sagen will. Als „kompetenten Partner vor Ort“ stellt der Prospekt die Conserve Oil vor, mit einem Management, das über „profunde, zum Teil jahrzehntelange Erfahrung“ in den „Kernbereichen des Öl- und Gasgeschäfts“ verfügt.

Aussicht auf Schadenersatz oder einen Vergleich besteht, wenn...

Olivenöl und Erdöl

Tatsächlich dürfte sich das Management mit Olivenöl besser auskennen als mit Erdöl – sowohl Conserve-Oil-Chef Crombie als auch sein Vize Yoshiki Nakamura kommen aus der Hotellerie. Crombie war laut Profil im Netzwerk LinkedIn Finanzchef einer Hotelkette und Gründer einer Finanzagentur. Laut Pressemitteilungen gründete er auch einen Kabel-TV-Betreiber in Nigeria und saß im Board eines kanadischen Pennystocks, der Wiederaufforstungsprojekte in China managt. Nakamura war laut LinkedIn-Profil Assistant Manager in Hotels und Knigge-Berater für Geschäftsleute, bevor er zu Conserve Oil ging. Fragen der WirtschaftsWoche zu ihrer Qualifikation lassen beide unbeantwortet.

Die Web-Site der Conserve Oil besteht aus Bildern, die aus dem Internet zusammengeklaubt wurden. Eine deutsche Agentur hat die Web-Site gebaut und auf einem deutschen Server ins Netz gestellt. Einzige nachvollziehbare Erfahrung der Conserve Oil im Ölgeschäft vor der Ausgabe der ersten Proven-Oil-Fonds ist die Beteiligung an einem Recyclingunternehmen mit dem putzigen Namen „Little Dipper Holdings“, das bei Kfz-Werkstätten Altöl und gebrauchte Filter abholt. Firmen wie diese gibt es in Kanada Dutzende.

Stuckdecken und Blattgold

Reichen derart dünne Voraussetzungen, um die versprochenen Renditen zu erwirtschaften? Die Belege, die Proven Oil Canada der WirtschaftsWoche präsentiert, werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten – und hinterlassen den Eindruck, dass hier professionelle Blender am Werk sind.

Äußerlich glänzt alles in der Berliner Zentrale in der Uhlandstraße, einen Steinwurf vom Ku’damm entfernt: gläsernes Portal, ein Flur mit marmorverkleideten Wänden, Stuckdecken und Blattgold. Proven Oil residiert im dritten Stock, hohe Decken, dunkles Interieur, auf einem Schreibtisch eine kleine goldfarbene Ölpumpe.

Kontoauszüge sollen Erträge zeigen

Monika Galba

Im Konferenzraum wartet Monika Galba mit gut einem Dutzend Aktenordnern. Die 41-Jährige repräsentiert Proven Oil in Deutschland, als Geschäftsführerin der deutschen Conserve-Oil-Töchter. Und sie ist die Ehefrau des Hanne-Vertrauten Jürgen Hainzl, der Vertrieb und Marketing der Fonds verantwortet (siehe Grafik). Die Unterlagen, die Galba vorlegt, sind sorgfältig zusammengestellt. Dass Conserve Oil Geld verdient, belegen sie nicht.

Galba präsentiert etwa die im Mai 2011 eingegangenen Abrechnungen des POC Eins für April, inklusive beglaubigter Kontoauszüge, sie deutet auf die Prägungen des Notars im Papier. Darauf steht ein Plus von 1,65 Millionen kanadischen Dollar. Allerdings bescheinigt der Notar nur, dass er den ausgedruckten Auszug mit dem Online-Zugang für das Konto abgleichen konnte. Unerwähnt bleibt: Als Anzeigezeitraum sind nur Kontobewegungen vom 25. bis 26. Mai 2011 eingestellt. Erträge von 1,65 Millionen Dollar zu suggerieren mit einem Kontoauszug, der nur die Zu- und Abflüsse von zwei Tagen zeigt, ist absurd.

Was mit ihrem Geld passiert, können Anleger von Proven Oil kaum nachvollziehen. Deren deutsche Fondsgesellschaften investieren nicht direkt in Kanada, entsprechend dürftig sind die Angaben in den Geschäftsberichten. Aufschlussreicher wären die Bilanzen der Objektgesellschaften in Kanada, an denen sich die Fondsgesellschaften beteiligen. Deren Bilanzen aber bekommen die Anleger nicht zugeschickt.

Firmen Spuren zu Jürgen Hanne

Jahresabschluss unter Verschluss

Freigiebiger zeigt Galba ein paar Schreiben, die Größe demonstrieren. Zum Beispiel: Ein Notar bescheinigt, dass die Conserve-Oil-Gruppe zum Jahreswechsel 2011/12 eine Förderkapazität von gut 5000 Barrel Öläquivalent pro Tag unter Management hatte. Öläquivalent enthält die geförderte Menge Öl plus das auf die entsprechende Ölmenge umgerechnete Gas.

Kein Eintrag im Fachmagazin-Ranking

Die reichsten Fonds-Manager
Platz 7: David TepperEigenkapital: 5,5 Milliarden DollarFür Tepper war 2012 bislang ein sehr erfolgreiches Jahr. Sein Palomino Fonds kletterte um 13,3 Prozent nach oben im ersten Halbjahr, nachdem er 2011 um 5,09 Prozent gesunken war. Der frühere Goldman-Sachs-Händler entschloss sich 1993, auf eigene Faust Appaloosa Management zu gründen. Zuvor hatte sich der gebürtige Pittsburgher vergeblich nach einem Partner umgesehen. Appaloosa managt derzeit 12 Milliarden Dollar. 2009 machte der in New Jersey lebende Tepper einen der legendärsten Trades in der Geschichte. Er verdiente 7 Milliarden, indem sein Hedgefonds Anteile von kriselnden Banken aufkaufte, darunter die Bank of America. In 2011 riss Tepper das Sagaponack Standhaus ab, welches er der Ex-Frau des ehemaligen Gouverneurs Jon Corzine erst 2010 für 43 Millionen Dollar abgekauft hatte. Tepper hält eine Minderheit an den Pittsburgh Steelers. Quelle: Creative Commons-Lizenz
Platz 6: Steve CohenEigenkapital: 8,8 Milliarden DollarDer Wharton-Absolvent Cohen startete 1978 als Optionen-Händler bei Gruntal & Co. Die Legende besagt, dass er bereits am ersten Arbeitstag 8000 Dollar Profit machen konnte. Cohen machte sich 1992 selbständig und gründete SAC Capital mit 25 Millionen an Assets. Heute wird der Manager als eine der mächtigsten Kräfte im Equity Trading angesehen. Seine Firma in Stamford managt 13 Milliarden Dollar. 2011 schlug er die Konkurrenz mit einer 8-Prozent-Rendite, und das in einem Jahr, wo der durchschnittliche Hedgefonds um 5 Prozent sank. SACs Flagschiff-Fonds stieg im August 2012 um 8 Prozent. Der begeisterte Kunstsammler erwarb 2012 einen 4-Prozent-Anteil an den New York Mets für 20 Milliarden Dollar. Jedoch gelang es ihm nicht, einen noch größeren Anteil an den Los Angeles Dodgers zu kaufen. Quelle: Presse
Ray Dalio Quelle: Presse
Platz 4: John PaulsonEigenkapital: 11 Milliarde DollarPaulson machte vor fünf Jahren den größten Trade aller Zeiten klar. Doch nachdem seine größten Fonds in den vergangenen 18 Monaten zweistellige Verluste gemacht haben, muss er nun nervöse Anleger beruhigen. Die Privatbank-Sparte der Citigroup drohte mit einem Investmentstopp, während die Bank of America standhaft blieb. Von Paulson & Co gemanagte Assets sanken um 14 Milliarden Dollar auf 21 Milliarden. Sein persönliches Vermögen sank um 4 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Lange setze er auf Gold, doch nun scheint Paulson auf Immobilien zu vertrauen. Einer seiner Fonds riss sich kürzlich 875 Hektar in Las Vegas unter den Nagel. Für sich selbst kaufte er das 90-Hektar-Anwesen Hala Ranch in Aspen, Colorado, und in der Nähe eine 38-Hektar-Parzelle namens Bear Cabin, die einem saudischen Prinzen gehörte. Dafür zahlte Paulson 49 Millionen. Der ehemalige Managing Director von M&A/Bear Stearns gründete seinen Hedgefonds 1994. Zum Milliardär wurde er 2007, indem er Subprime Securities shortete und eine Auszahlung von 3,5 Milliarden erhielt. 2010 betrug sein Take 4,9 Milliarden, ein Rekord in der Hedgefonds-Branche. Quelle: rtr
Platz 3: James SimonsEigenkapital: 11 Milliarden DollarDer „Quant King“ hat sich 2010 offiziell von seinem 15-Milliarden-Dollar-Hedgefonds, Renaissance Technologies, zurückgezogen. Doch auch mit 74 Jahren spielt er noch eine wichtige Rolle im Unternehmen und verfolgt sämtliche Schritte. Renaissance’s Institutional Equities Fonds stiegen um 9,9 Prozent bis Ende Juli 2012, während der Future-Fonds im Juni um 3 Prozent absank. Der Absolvent des Massachusetts Institute of Technology begann seine Karriere als theoretischer Mathematiker und knackte Geheimcodes für das US-Verteidigungsministerium während des Vietnam-Kriegs. Später leitete Simons die Rechnungsabteilung von SUNY-Stony Brook. 1982 gründete er Renaissance Technologies, Sitz ist East Setauket, New York. Mithilfe von Computerprogrammen sucht der Fonds nach ineffizienten flüssigen Papieren. Quelle: AP
Platz 2: Carl IcahnEigenkapital: 14,8 Milliarden Dollar Selbst im Alter von 76 macht Icahn keine Anstalten, kürzer zu treten. Sein Hedgefonds war einer der Top-Performer im Jahr 2011. Weiterhin weist der Fonds eine starkes Kapital auf, dank der Wettem auf Amylin, Hain Celestial und El Paso energy. Die Aktien von Icahns Konglomerat Icahn Enterprises, das auf Triebwagen, Einzelhandel, Spiele, Energie und Fahrzeuge setzt, blieben seit vergangenem August auf flachen Kurs. Icahn hat nun beschlossen, weniger auf externe Anlagen zu setzen und sich künftig auf Investments in seine eigenen Fonds zu konzentrieren. Quelle: rtr
Platz 1: George SorosEigenkapital: 19 Milliarden DollarDer legendäre Investor hat sich 2011 zur Ruhe gesetzt. Seinen Hedgefonds wandelte er in ein Familienunternehmen um. Nur knapp eine Milliarde Dollar sind für externe Anleger noch an Assets verfügbar. Mit diesem Schritt entzog er sich den neuen strengen Richtlinien für Hedgefonds. Investment-Experten verwalten die verbleibenden Vermögenswerte seiner Familie und seiner Gesellschaften. Der in Budapest geborene Soros überlebte die Besatzung der Nazis und studierte an der London School of Economics. Anschließend gründete er den Hedgefonds Quantum Fund Management in 1969. Als bekannter Gegner der europäischen Integration bezeichnete der Manager kürzlich die Euro-Einführung als „sehr fehlerhaft“ und umriss die Situation als eine „existenzielle europäische Krise“. Seit 1979 spendete Soros 8,5 Milliarden Dollar für Menschenrechte, Bildung und für Organisationen der öffentlichen Gesundheit. Im August 2012 verkündete der Investor auf seinem 82. Geburtstag in Southhampton, dass er und seine 42-jährige Freundin Tamiko Bolton verlobt sind. Quelle: rtr

Die Bescheinigung umfasst den stolzen Zeitraum von einer Woche. Hätte Conserve Oil eine auch nur annähernd so hohe Menge im kompletten Jahr 2011 gefördert, wäre sie im Ranking des Fachmagazins „Oilweek“ auf einem respektablen Mittelplatz gelandet. Oilweek wertet staatliche Angaben für alle Quellen aus und stellt daraus die Top 100 der kanadischen Ölindustrie zusammen. 5000 Barrel Öläquivalent pro Tag reichen etwa für Platz 70. Doch weder in den Top 100 noch in den „Next 30“ – hier reichen schon 150 Barrel Öläquivalent pro Tag – taucht Conserve Oil auf.

Proven Oil teilt dazu mit, die Conserve Oil Corporation tauche nicht auf, weil sich ihre Fördermenge auf verschiedene Tochtergesellschaften verteile. Die Rankings berücksichtigten dies nicht. Die Logik der Proven-Oil-Antwort krankt jedoch daran, dass selbst die einzelnen Töchter den Wert von 150 Barrel Öläquivalent pro Tag erheblich überschreiten müssten, um auf eine Gesamtfördermenge der Gruppe von gut 5000 Barrel pro Tag zu kommen.

Geradezu grotesk sind die in den Prospekten benannten rechtlichen Risiken. In einigen wird gewarnt, dass „betrügerische Absichten“ von Vertragspartnern der Fondsgesellschaft „nicht ausgeschlossen“ werden können. „So etwas habe ich in einem Prospekt noch nicht gelesen“, sagt Anlegeranwalt Martin Seidel von der Düsseldorfer Kanzlei Baum, Reiter & Collegen. Sollte es hart auf hart kommen, macht er Anlegern nur wenig Hoffnung. „Die Aussichten, Geld juristisch zurückholen zu können, erscheinen mir relativ gering“, sagt Seidel. „Das ist ein sehr komplexes Firmengeflecht, bei dem alle Fäden in Kanada enden. Da wird kaum ranzukommen sein.“

Was Fondskäufer wissen sollten

Milliardenpleitier allgegenwärtig

Offiziell taucht Jürgen Hanne in diesem Geflecht nicht auf. Dennoch ist der Milliardenpleitier allgegenwärtig. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Conserve Oil bestätigt, dass Hanne an internen Besprechungen der Conserve Oil teilnahm. Die Sekretärin von Conserve-Oil-Chef Crombie teilt auf schriftliche Fragen der WirtschaftsWoche an Dr. Hanne zunächst mit, dieser Gentleman arbeite nicht für Conserve Oil. Zwei Tage später schreibt sie, man könne Jürgen doch einfach anrufen, sie wisse aber nicht, ob er gerade in seinem Büro im 3. Stock sei. Einige Minuten später versucht sie, die Mail zurückzurufen. Danach antwortet sie gar nicht mehr. Hanne selbst antwortet ebenfalls nicht auf die Fragen.

Die in den Prospekten angegebenen Adressen der Conserve Oil Corporation wurden auch von diversen Firmen mit Beteiligung von Jürgen Hanne genutzt. Auch Telefonnummern wurden sowohl von Hanne-Firmen als auch von Conserve Oil benutzt. Die Erklärung des Proven-Oil-Sprechers dafür: Conserve Oil habe „bereits ausgestattete Büros (inklusive Telefonie)“ bezogen, wobei eine Hanne-Firma Vormieter gewesen sei. Hanne sei in der Etablierungs- und Gründungsphase für Conserve Oil bei deren Ansiedlung tätig gewesen. Proven Oil wisse aber „von keiner Zusammenarbeit oder einer wie auch immer gearteten gesellschaftsrechtlichen Verbindung“ zu Hanne.

30 Jahre altes Strickmuster

Merkwürdig nur: Die von Galba vorgelegten Abrechnungen der Ölverkäufe zeigen einen regen Wechsel in den Anschriften der Conserve Oil. Eine Käuferfirma gab sogar die neue Anschrift der Hanne-Firma in der Nachbarstraße an. Laut Proven Oil handelte es sich dabei aber nur um einen Fehler, der inzwischen korrigiert sei.

Vor allem aber spricht das Strickmuster der Proven-Oil-Story für eine maßgebliche Rolle des Milliardenpleitiers. Vieles erinnert fatal an die von ihm mit aufgelegten Ölfonds der Konzepta-Gruppe. 1973 von Hanne und zwei Partnern gegründet, brachte sie von 1977 bis 1985 elf „Konzepta Petrol“-Beteiligungsangebote für Öl- und Gasquellen in den USA und Kanada auf den deutschen Markt. Mehr als 3000 Anleger steckten laut Firmenangaben rund 220 Millionen Mark in die Fonds. Hanne wurde zum starken Mann der Konzepta in Nordamerika und leitete deren Büro in Calgary.

Déjà-vu bei Fondsprospekten

Wie die Deutschen ihr Geld anlegen
Aktien waren 2012 der Renner an der Börse. Trotzdem griff gerade einmal jeder fünfte deutsche Anleger zu den Anteilsscheinen. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes, die das Anlageverhalten der Deutschen untersuchte. Handelsblatt Online zeigt, wo die Deutschen 2012 ihr Geld investierten und welche Anlageprodukte die Anleger dieses Jahr im Visier haben. Quelle: gms
Senioren sind Top-AnlegerDer Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Im Gesamtdurschnitt gibt mit 54 Prozent etwas mehr als die Hälfe der Befragten an, über entsprechende Finanzanlagen zu verfügen. Unter den Frauen beträgt der Anteil 53 Prozent, unter den Männern 55 Prozent. Mit 47 Prozent bilden Anleger im Alter von 18 bis 39 Jahren die kleinste Anlegergruppe. Die größte Gruppe bilden mit 65 Prozent Anleger ab 60 Jahren. Quelle: gms
Freud und Leid bei den AnlegernTrotz eines weiteren Euro-Krisenjahr stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Auf das gesamte Jahr hochrechnet legte der Leitindex um gut 30 Prozent zu. Knapp die Hälfte ( 48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden. Quelle: dpa
Festgeld und Tagesgeld besonders beliebtIm laufenden Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold, war mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen. Quelle: gms
Frauen mögen Festgeld und meiden AktienWährend Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar. Quelle: dpa
Potenzial für Immobilien und GoldNeben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. 2012 investierten gerade einmal 17 Prozent in Immobilien. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen. Quelle: obs
Geringe Risikobereitschaft bei der AnlageTrotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Renditen zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit. Quelle: gms

Wer die alten Prospekte mit den neuen von Proven Oil vergleicht, erlebt ein permanentes Déjà-vu. Etliche zentrale Elemente der aktuellen Fonds fanden sich auch schon bei Konzepta Petrol. Der elfte und letzte Petrol-Fonds etwa ähnelt frappierend denen von Proven Oil:

  • Der Fonds sollte nur in produzierende Öl- und Gasquellen investieren.
  • Investiert werden sollte nur, wenn ein Gutachter die Reserven geschätzt hatte.
  • Geld sollte nur in Quellen gesteckt werden, die in fünf Jahren den Kaufpreis erwirtschaften und über die gesamte Produktionsdauer das Zweieinhalbfache des Kaufpreises einbringen.
  • Als Musterrendite wurden 14 Prozent angegeben (heute: 12 Prozent).
  • Und natürlich waren damals ortsansässige Partner an Bord, die „über langjährige Erfahrung und Know-how “ verfügten.

Doch Mitte der Achtzigerjahre brach der Ölpreis ein, die meisten Petrolfonds bescherten Anlegern nur Verlust. Wer sich etwa am elften Fonds beteiligte, musste froh sein, wenn er einen Bruchteil seines Geldes zurückbekam. Viele Anleger durften nicht einmal Verluste von der Steuer absetzen. Bis 2012 liefen dazu Prozesse vor den Finanzgerichten, dann stand fest: Weil die Fonds so unwirtschaftlich waren, dass von Beginn an keine Gewinne realistisch waren, gibt es keinen Steuerrabatt.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Anlegerfalle Seniorenresidenz

Hanne hatte die Konzepta da längst verlassen. Seit 1991 legte er im großen Stil „Dr. Hanne Immobilienfonds“ auf, hauptsächlich für Seniorenresidenzen in Ostdeutschland und Hotels. Sein Vertriebsmann und Vertrauter wurde Jürgen Hainzl, der heute mit Proven-Oil-Repräsentantin Monika Galba verheiratet ist. Hainzl und Hanne kannten sich schon aus gemeinsamen Konzepta-Tagen.

1,5 Milliarden Mark sammelte Hanne bis zur Jahrtausendwende ein. Zur Eröffnung eines Objekts schaute sogar der damalige Bundespräsident Roman Herzog rein. Doch auch die Fonds der Dr. Hanne-Gruppe hielten nicht, was die Prospekte versprachen. Ab 1999 meldeten zahlreiche Gesellschaften Insolvenz an, und bei Hanne meldete sich die Justiz.

Verhaftung am Flughafen

Anfang 2000 wurde er am Züricher Flughafen verhaftet und wenig später in Berlin vor Gericht gestellt. Er räumte ein, in Prospekten falsche Angaben gemacht zu haben. Eine Betrugsabsicht bestritt Hanne, er habe selbst fast sein gesamtes Vermögen verloren. Das Urteil, eineinhalb Jahre auf Bewährung wegen zweifachen Betrugs sowie Betrugsversuchs, nahm er sofort an. Die Staatsanwaltschaft verdächtigte ihn, nur einen Teil seiner Straftaten gestanden zu haben, doch während sie noch ermittelte, setzte Hanne sich nach Kanada ab.

Jürgen Hainzls Sprecher legt Wert auf die Feststellung, dass gegen Hainzl wegen der Pleite zu keinem Zeitpunkt strafrechtlich ermittelt wurde. Doch auch für ihn hatten die Fonds Folgen: Privatinsolvenz. Erst 2012 wurde das Verfahren abgeschlossen.

Alte Idee wiederbelebt

Die Reserven der Gasförderer
Ein Arbeiter bei Gazprom Quelle: REUTERS
Eine Tankstelle von BP Quelle: REUTERS
Eine Shell-Tankstelle Quelle: dapd
Das Logo von Total Quelle: REUTERS
Eine Tankstelle von Chevron Quelle: dapd
Arbeiter an einer Gasleitung von Novatek Quelle: Presse
Eine Tankstelle von Statoil Quelle: REUTERS

Strafrechtlich hatte Hanne in Calgary von der deutschen Justiz nichts mehr zu fürchten, doch zivilrechtlich verfolgten ihn geprellte Anleger bis in die neue Heimat Kanada. Erst kürzlich, im Dezember 2012, verurteilte ein Gericht in Calgary Hanne dazu, Anlegern des Hanne-Objekts „Seniorenresidenz Hoppegarten-Neuenhagen“ gut eine Million Euro zu zahlen.

So vermögenslos, wie Hanne in Berlin vor Gericht behauptet hatte, schien er nach seiner Flucht auch nicht zu sein: Gemeinsam mit einem lokalen Immobilienmogul leistete er sich 2003 den Fußballclub Calgary Mustangs. Und danach?

Informationen der WirtschaftsWoche deuten darauf hin, dass Hanne und sein Vertrauter Hainzl sich 2005 daran machten, die alte Nummer mit den Petrol-Fonds der Konzepta neu aufzuziehen.

Fonds-Gebühren im Überblick

Kulisse wankt bedenklich

Die offizielle Version des märchenhaften Aufstiegs der Conserve Oil Corporation beginnt allerdings erst 2008. Sie lautet: Die Firma wurde als Spezialist für Ölrecycling gegründet. Später habe sich Conserve Oil auf die Optimierung bereits produzierender Quellen konzentriert und sich „zu einem bedeutenden Player am Öl- und Gasmarkt in Alberta“ entwickelt, wie es im Prospekt eines Fonds heißt. Doch die sorgfältig hochgezogene Kulisse wankt bedenklich.

Handelsregisterdaten lassen nämlich darauf schließen, dass Conserve Oil nur gegründet wurde, um in Deutschland Anlegergelder einzusammeln. Denn bereits zwei Wochen nach der Gründung der Conserve Oil in Calgary, am 21. Oktober 2005, wurde beim Amtsgericht Hamburg eine Verwaltungsgesellschaft „Conserve Oil Canada“ angemeldet. Sie sollte die Geschäfte des geschlossenen Fonds „Conserve Oil Canada 1“ führen. Doch der erste Angriff auf das Geld der deutschen Anleger scheiterte: Die Fonds gingen nie in den Vertrieb, die Firmen wurden später liquidiert.

Große Ankündigungen und bunte Bildchen

Der damalige Geschäftsführer Heinz S.* sagt, dass Hainzl die Idee zur Gründung der Gruppe hatte. Warum sie scheiterte? „Hainzl kam immer mit tollen Worten, großen Ankündigungen und bunten Bildchen aus Kanada zurück. Er hat aber nie konkrete Verträge vorgelegt und verweigert, dass ich auch selbst mal mit nach Kanada fliege. Mir wurde das alles irgendwann zu bunt.“

Hainzl bestreitet dagegen, mit diesen Firmen je etwas zu tun gehabt zu haben. Er lässt den Proven-Oil-Sprecher ausrichten: „Diese Unternehmen tragen zwar den Namen Conserve Oil Canada, stehen aber mit der hier in Rede stehenden Conserve Oil Corporation weder gesellschaftsrechtlich noch in sonstiger Weise in Verbindung (die Marke Conserve Oil Canada war seinerzeit nicht rechtlich geschützt).“

Drei Attacken auf das Anlegergeld

Harry Helwerda

Die zweite Attacke auf das Anlegergeld lief im Juni 2006 an – mit der Registrierung der Conserve Oil Verwaltungs GmbH beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg. Und auch hier gibt es Indizien, dass die Hanne-Connection am Werk ist: Gründungsgeschäftsführer war Thomas W.*, der einst beim Hainzl-Finanzvertrieb Fonds der Dr. Hanne-Gruppe vermarktet hatte. In den Monaten darauf wurden fünf Conserve-Oil-Fondsgesellschaften eingetragen. Prokuristin von zweien war eine langjährige Hanne-Mitarbeiterin. Die Firmen residierten in einer Berliner Villa, in der auch Proven-Oil-Repräsentantin Galba und der Hanne-Vertraute Hainzl wohnten. Auch mit diesen Firmen gelang der große Wurf nicht, sie sind heute ebenfalls gelöscht.

Erst mit der dritten Bohrung und dem Etikett „Proven Oil Canada“ wird Conserve Oil in Deutschland fündig. Seither sprudeln die Anlegergelder. Aktuell ist der achte POC-Fonds im Vertrieb. Galba und Hainzl konnten sich ein neues Zuhause leisten: eine historische Villa in Berlin-Dahlem, laut Denkmalpflege eines der „auf keinen Luxus verzichtenden Landhäuser der Zeit der Weimarer Republik in Berlin“.

Diskrete Gegend

Die Villa liegt in einer verschwiegenen Gegend, Namensschilder an Klingeln und Briefkästen gibt es kaum. Wer hier wohnt, will seinen Reichtum für sich behalten. Neugierige unerwünscht. Im Beruf handhabt Galba das genauso. Nachfragen zu den Gesellschaftern der Conserve Oil blockt auch sie ab: geheim. Nur allgemeine Informationen gibt Conserve Oil preis: Knapp 70 Prozent gehörten Mitgliedern des Managements, allesamt natürliche Personen, der Rest sei in Streubesitz.

Für Stewart Lockwood ist solche Heimlichtuerei ein Alarmsignal. Der Rechtsanwalt aus Vancouver berät Rohstoff-Investoren in Kanada. „Wenn ein Unternehmen nicht offenlegt, wer die Inhaber sind, dann kann ich keinem Klienten dazu raten, dort zu investieren“, sagt Lockwood. „Dann lautet die Devise ganz klar: Finger weg!“

In Arbeit
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Zum Nachtisch gefüllte Windbeutel

Die kanadischen Handelsregister sind auskunftsfreudiger als Galba. Demnach hält Galba selbst 14 Prozent. Ebenfalls 14 Prozent gehören einer 1266448 Alberta Ltd. Der Firma mit dem wenig vertrauenerweckenden Namen gehört auch die Canadian Heartland Lamont Ltd. Die verkaufte deutschen Anlegern des „POC Growth 3 Plus“-Fonds vier Grundstücke in Kanada, aber nur als Zwischenhändler. Zuvor gehörten die Grundstücke unter anderem der Calgary Ventures – einer Firma von Jürgen Hannes Söhnen, die ebenfalls für Conserve Oil arbeiten. Fragen zu dem Deal beantworten auch sie nicht.

Bei der Vertriebstagung in Frankfurt ist aber weder von solch merkwürdigen Kettengeschäften noch von Hanne die Rede. Statt des Hintermanns tritt noch eine Vorzeigefigur auf: Harry Helwerda, Vizechef des unabhängigen Gutachters Sproule. Der Ingenieur wirkt spröde, er liest viel ab. Inhaltlich aber könnten seine Sätze von einem veritablen Vertriebsprofi stammen.

„POC ist die perfekte Anlagemöglichkeit für deutsche Investoren, die nach hohen Rückflüssen mit minimalen Risiken suchen“, lobt er wenig unabhängig. Dank festgelegter Investitionskriterien „kann ein Anleger mit Sproule und Conserve Oil nichts falsch machen“. Während Helwerda spricht, werden vor dem Saal die Reste des Buffets weggeräumt. Zum Dessert gab es gefüllte Windbeutel.

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