Gewinneinbruch Vorschuss für die RWE-Aktie

Mit einem Freudensprung in einem insgesamt schwachen Markt quittiert die RWE-Aktie die jüngsten Jahreszahlen. RWE selbst gibt schon die Vorlage und schreibt, sie seien „besser als erwartet“. Nun, das ist reichlich Ansichtssache.

Noch-RWE-Chef Jürgen Grossmann (links) und Peter Terium, sein designierter Nachfolger, bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das Jahr 2011 Quelle: REUTERS

Wie erwartet kam RWE auf ein nachhaltiges Nettoergebnis von 2,5 Milliarden Euro. Das wären je Aktie 4,60 Euro – und davon kann man auch 2,00 Euro Dividende zahlen. Das Bekenntnis dazu ist ohne Frage stabilisierend für die Aktie, sind es doch bei aktuellen Kursen 5,6 Prozent Rendite.

Analysten gefällt zudem der positivere Ausblick auf das Jahr 2013. Klar, wenn der neue Chef ab Mitte des Jahres antritt, darf nicht nur Tristesse herrschen. RWE will an das Ergebnis 2011 anknüpfen. Das ist gut möglich, wenn die Kostensenkungsmaßnahmen langsam greifen. Zudem waren die Zahlen für 2011 ja auch keineswegs so gut, dass man sie nicht noch einmal erreichen (oder toppen) könnte.

Real, ohne die sogenannten nachhaltigen Sondereffekte, machte RWE nur 1,8 Milliarden Euro Gewinn, ein Rückschlag von 45 Prozent und je Aktie nur 3,35 Euro. Wenn RWE dann, wie die Essener versprechen, 2012 ähnlich verdienen, hätte die Aktie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis um zehn. Das ist zwar nicht mehr überteuert, für ein Unternehmen in einer schwierigen strategischen Lage wie RWE jedoch alles andere als ein Schnäppchen.

Dividenden der Dax-Konzerne

Wie viel Dividende die Konzerne zahlen
Dax-Werte Quelle: dapd
Adiddas Quelle: dapd
AllianzDer Versicherungsriese Allianz will an der Dividendenhöhe nicht rütteln und wie im Vorjahr 4,50 Euro je Aktie ausschütten. Angesichts der niedrigen Bewertungen der Finanzwerte an der Börse ist die Dividendenrendite relativ hoch: knapp 5,0 Prozent. Hauptversammlung ist am 9. Mai. 100 Prozent der Allianz-Aktien sind im Streubesitz. Auch hier hält die BlackRock Inc. mehr als fünf Prozent der Anteile. Zum aktuellen Kurs-Chart Quelle: dapd
BASFDer Chemiekonzern hat vom Aufschwung profitiert und will die Dividende von 2,20 Euro im Jahr 2011 in dieser Dividendensaison auf 2,50 Euro je Aktie erhöhen -das ist mehr als erwartet. Die Dividendenrendite läge dann bei 3,81Prozent (gemessen am Kurs vom 5.3.2012). Über den Dividendenvorschlag stimmen die Aktionäre am 27. April ab. BASF ist das DAX-30-Unternehmen mit dem zweithöchsten Privatanlegeranteil in Deutschland. Rund ein Viertel der Aktien sind in Privathand. Größter Einzelaktionär ist – richtig - BlackRock Inc. mit 5,35 Prozent. Zum aktuellen Kurs-Chart Quelle: dpa
Bayer Quelle: dpa
Beiersdorf Quelle: AP
BMW Quelle: dpa
Commerzbank Quelle: dapd
Daimler Quelle: dpa
Deutsche Bank Quelle: dpa
Deutsche Börse Quelle: dapd
Deutsche Post Quelle: dpa
Deutsche Telekom Quelle: dpa
E.On Quelle: dapd
Fresenius Medical Care (FMC) Quelle: dapd
Fresenius Quelle: dapd
HeidelbergCement Quelle: dapd
Henkel (Vz.) Quelle: Pressebild
Infineon Quelle: dpa
K+S Quelle: AP

Schwach kapitalisiert

Und noch eine Schwäche zeigt der jüngste Abschluss. In der Bilanz stehen gerade mal 18 Prozent Eigenkapital. Die Nettoschulden türmen sich auf 30 Milliarden Euro. Wenn RWE da nicht schleunigst runter kommt, kann das zu einer Zeitbombe werden – vor allem, wenn eines Tages die Zinsen steigen sollten.

Warum dann sind RWE-Aktien derzeit so stabil? Es ist Vorschuss auf die Wende, die RWE erst noch schaffen muss; und es ist die Überzeugung, dass nach dem Platzen der Solar-Blase die klassischen Energieproduzenten eben nicht verschwinden werden, RWE also durchaus eine gute Chance hat, in seine neue/alte Rolle zu finden. 

Ob noch heimliche Aufkäufer dazukommen? Aus dem aktuellen Streubesitz der Aktie und den Handelsumsätzen lässt sich das nicht herauslesen -auch wenn RWE-Optimisten sicher gern davon träumen mögen, dass ein potenter Aufkäufer wie Gazprom käme und den Kursen damit einen mächtigen Kick geben würde.

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