Globale Kapitalmärkte Das-Einmal-um-die-Welt-Depot für Anleger

Europa kommt nicht auf die Beine, die US-Konjunktur knickt schon wieder ein. Wie sich die wichtigsten Regionen der Welt wirtschaftlich entwickeln und was Anleger ins globale Depot packen könnten.

Quelle: Getty Images, Montage

Eine Weltreise – wer träumt davon nicht. Im Reisebüro ein Rund-um-die-Welt-Flugticket buchen, die schönsten Orte der Welt aussuchen und voller Vorfreude ins Flugzeug steigen. Frankfurt – Peking – Fiji – Sydney – Kapstadt – San Francisco. Die Auswahl ist grenzenlos. Soviel Weltenbummlerei ist toll, aber leider nicht immer realistisch, weder zeitlich noch finanziell. Gut, wer sich trotzdem globale Gedanken macht, auch in der Geldanlage.

Globale Investments rund um die Welt machen vor allem hinsichtlich der Risikostreuung Sinn. Läuft die Wirtschaft vor der eigenen Haustür schlecht, muss das längst nicht überall auf der Welt der Fall sein. Nur sehr selten verläuft die Konjunktur in den unterschiedlichen Weltregionen parallel.

Welche Länder Rendite-Chancen bieten
Das Analysehaus Keppler Asset Management hat seine Kandidaten für seine Strategie „Top Value“ veröffentlicht. Zu dieser Liste gehören nur Industrieländer – die „Emerging Markets“ wurden bewusst ausgeblendet. Keppler setzt nach dem Prinzip des Value-Investing auf unterbewertete Märkte. Ausgehend von Einzelaktien, die den Markt des jeweiligen Landes wiederspiegeln, baut Fonds-Manager Keppler Länderwerte zusammen. Um sie anschließend zu bewerten, sieht der Analyst unter anderem auf das durchschnittliche Preis-Buchwert-Verhältnis, Preis-Cash-Flow-Verhältnis, Preis-Gewinn-Verhältnis und auf die durchschnittliche Dividenden- und Eigenkapitalrendite. Keppler sieht für Australien in den nächsten Jahren ein überdurchschnittliches Renditepotenzial. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 26,9 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 48,9 ProzentQuelle: Keppler Asset Management Inc., Developed Markets Country Selection Quelle: REUTERS
Ebenfalls zu den unterbewerteten Märkten gehört laut Keppler der österreichische Aktienmarkt. Hier verspricht sich der Fondsmanager überdurchschnittliche Zuwächse. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 44,4 ProzentGeschätzte Rendite: (3-5 Jahre): 57,9 Prozent Quelle: dpa
Die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU ist laut Keppler einen Kauf wert. Der Aktienmarkt Frankreichs werde überdurchschnittlich (verglichen mit dem MSCI World) zulegen. Geschätzte Index-Entwicklung: 22,9 ProzentGeschätzte Rendite: 36,4 Prozent Quelle: dpa
Deutschland gehört schon seit mehreren Jahren zur „Top Value“ Strategie von Keppler. Bereits im Jahr 2013 sah Keppler den deutschen Markt als unterbewertet an. Im Frühling 2015 hat sich die Einschätzung immer noch nicht geändert – obwohl der deutsche Leitindex Dax in diesem Jahr bereits mehr als 20 Prozent zugelegt hat. Doch die Experten sehen noch Luft nach oben. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 22,9 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 34,3 Prozent Quelle: dpa
Hong Kong zählt ebenfalls zu den Märkten, die einen Kauf wert sind. Hier sieht das Fondshaus Keppler jährliche Zuwachsraten von mehr als elf Prozent. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 39,2 ProzentGeschätzte Rendite: 53,9 Prozent Quelle: dpa
Italiens Aktienmarkt hat sich von dem Absturz im Jahr 2007, dem Jahr der Finanzkrise, nicht wirklich erholt – anders als der deutsche. Auch deshalb sieht Keppler den italienischen Markt als unterbewertet. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 22,9 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 35,7 Prozent Quelle: AP
Japans Notenbank flutet den Markt mit Geld. Noch hat das Geldpolitik-Experiment keine Früchte gebracht, die Wirtschaft stottert weiterhin. Doch der schwache Yen hilft den Exportunternehmen und Experten hoffen, dass das Programm der Notenbank bald fruchtet. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 22,8 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 30,8 Prozent Quelle: AP
Norwegens Aktienmarkt ist Keppler zufolge einen Kauf wert. Die gute wirtschaftliche Lage und die reichen Ölvorkommen geben dem Land noch viel Potenzial – obwohl der Markt seit Jahren gut gelaufen ist. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 79,8 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 112,9 Prozent Quelle: dpa
Singapur hat sich mittlerweile zu einem beliebten Finanzplatz entwickelt und zieht zahlreiche Investoren und Kapital an. Keppler sieht in dem Land noch große Wachstumschancen. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 43,6 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 62,5 Prozent Quelle: dpa
Letzter Kandidat auf der Liste von Keppler ist das Vereinigte Königreich. Hier soll in den nächsten Jahren mehr zu holen sein als im Durchschnitt (MSCI World). Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 24,6 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 43,5 Prozent Quelle: dpa

Ein Beispiel dafür ist die Krise zwischen Russland und der Ukraine. Der Konflikt in der Ostukraine galt lange als Belastung für die Konjunktur, vor allem in Europa. Auch deutsche Unternehmen litten unter den Sanktionen, Adidas beispielsweise musste seine Gewinnprognose einkassieren – auch die Umsätze mit dem Vier-Sterne-Weltmeister-Trikot konnten die Verluste in Russland nicht ausgleichen. Andere Regionen waren von den Kämpfen nicht so stark betroffen.

Vor allem exogene Faktoren wie das Wetter oder Umweltkatastrophen haben in der Regel nur regionalen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung. Zuletzt fiel das Wachstum in den USA schwächer aus als erwartet, als Grund gilt auch der ungewöhnlich kalte Winter.

Für Privatanleger sind Fonds die einfachste Möglichkeit, das investierte Geld global zu streuen. Wer es gerne bequem hat und sich hohe Gebühren für das Fondsmanagement ersparen möchte, der investiert passiv, in einen börsengehandelten Indexfonds (ETF). Den breitesten Fokus hat natürlich ein ETF, der den MSCI World nachbaut, beispielsweise von iShares (ISIN IE00B0M62Q58) oder db x-trackers (ISIN LU0274208692).

In dem Aktienindex werden große und mittelgroße Unternehmen aus insgesamt 23 Ländern gelistet. Insgesamt besteht der Index aus über 1600 Unternehmen. Die Rangliste der Firmen mit den höchsten Einzelanteilen wird von US-Unternehmen angeführt, ganz vorne liegen die Tech-Konzerne  Apple und Microsoft.

Auch zahlreiche aktiv gemanagte Fonds investieren weltweit. Im Gegensatz zu den passiven Fonds erfolgt die Auswahl der Investments naturgemäß deutlich punktueller. Dafür zahlen die Anleger eben die entsprechende Managementgebühr, haben also Fixkosten, die keinen Einfluss auf die Rendite haben.

Grundsätzlich ist die Obhut eines Fondsmanagers gerade für global gestreute Investments für die Mehrheit der Anleger ratsam. Privatanleger können leicht den Überblick verlieren, zumal ständig neue Investments und Märkte hinzukommen, die es einzuschätzen gilt. Beispielsweise die Börsen in China und Saudi-Arabien, die sich zunehmend auch für ausländische Investoren öffnen. Das erhöht nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken.

Wer sich als Privatanleger sein weltweites Depot selber zusammenstellen möchte, der sollte sich genau überlegen, wie hoch der Anteil seines Vermögens sein soll, der dort investiert wird. Was die Gewichtung innerhalb eines solchen Depots angeht, hilft auch ein Blick auf globale Fonds oder den MSCI World.

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