Goldman-Sachs-Währungsprognose „Solides Wachstum, fader Dollar“

Experten der Investmentbank Goldman Sachs haben einen Ausblick auf den Devisenmarkt 2018 gegeben: Der Dollar wird trotz starker US-Wirtschaft und steigenden Leitzinsen schwächeln, so die Prognose. Der Euro bleibe stark.

Goldman Sachs rechnet mit einem weiter starken Euro. Quelle: Reuters

FrankfurtNichts ist so beständig wie der Wandel: Wie wahr dieses Sprichwort des griechischen Philosophen Heraklit auch nach 2.500 Jahren noch ist, bekamen im vergangenen Jahr Währungsanalysten schmerzhaft zu spüren. Sie sagten einen Euro-Dollar-Kurs von eins zu eins voraus, die sogenannte Parität. Das Gegenteil trat ein.

Zu jenen Beobachtern mit einer falschen Prognose zählt auch die US-amerikanische Investmentbank Goldman Sachs. Dass sie sowohl bei der Richtung als auch beim Ausmaß daneben lagen, räumen die Amerikaner jetzt ein. Auf ihre „Global Strategy Conference“ in Frankfurt haben sie am Mittwoch neben einem Erklärungsversuch für den Fehlschlag auch eine Begründung für ihre neue Prognose mitgebracht, die von solidem Wachstum und einem faden Dollar ausgeht.

Denn in diesem Jahr rechnet Zach Pandl, Co-Chef der Devisenstrategie, mit einem weiter starken Euro. Allein 2017 hat er um 14 Prozent aufgewertet. Trotzdem sei er noch unterbewertet und unterinvestiert. „Die typischen Anlagefonds haben noch nicht von Dollar in Euro umgeschichtet“, sagt Pandl. Eine faire Bewertung des Euros sieht er bei 1,30 Dollar je Euro. Der Wert stellt zwar nicht seine Jahresprognose dar, sei im Lauf der kommenden Jahre aber durchaus möglich.

Der Grund liege aber nicht darin, dass es den USA schlecht gehe. Das Gegenteil sei der Fall: Die US-Wirtschaft werde in diesem Jahr zwischen drei und vier Prozent wachsen, die Arbeitslosigkeit weiter sinken, prognostizieren die Goldman-Experten.

Verblüffend mag da auch der Effekt der Geldpolitik wirken. In den USA erhöht die Federal Reserve, die Zentralbank, schon seit 2015 die Zinsen, strafft also ihre Geldpolitik, während die Europäische Zentralbank ihre ultralockere Geldpolitik erst schrittweise eindämmt (zu Jahresbeginn wurden die Anleihekäufe von 60 auf 30 Milliarden Euro pro Monat halbiert). In der Theorie sollte das den Dollar stärken, da höhere Zinsen eines Währungsraumes Investorengelder anzieht.

In der Praxis aber fällt der Dollar. Warum, demonstriert Pandl an einer Kurve des letzten Zinserhöhungszyklus in den USA. „Zwischen Juni 2004 und Juni 2006 wurden die Zinsen 17-mal in Folge von 1,0 auf 5,25 Prozent angehoben. In der gleichen Zeit hat der Dollar um sieben Prozent abgewertet“, sagt Pandl. Auch damals habe das nicht an schlechten Nachrichten aus den USA gelegen. Die steigenden US-Leitzinsen hätten im Gegenteil positive Effekte in anderen Teilen der Welt ausgelöst.

So hätten etwa die damals stark gestiegenen Rohstoffpreise die Handelsbedingungen in einigen Staaten deutlich verbessert und damit auch deren Währungen gegenüber dem Dollar aufgewertet.

Ähnliche Entwicklungen sieht Pandl auch heute: So profitiere etwa der Chilenische Peso von den gestiegenen Kupferpreisen, ähnliches gelte auch für den Peruanischen Sol. Die beiden nennt Pandl als zwei seiner Top-Picks für 2018. Die Schwellenländer-Märkte seien generell weiter attraktiv.

Als einen der schwächsten Kandidaten hat Pandl, entgegen der Meinung vieler anderer Experten, den Japanischen Yen ausgemacht. Der Goldman-Analyst glaubt nicht an eine baldige Umkehr der ultralockeren japanischen Geldpolitik. Und solange die Bank of Japan die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe aktiv bei null halte, während jene auf US-amerikanische Staatsanleihen weiter steigen, werde auch der Yen nicht zulegen können. Auch hier erkläre sich die Kursbewegung mit Investoren, die ihr Kapital zu einer bestmöglichen Rendite anlegen möchten.

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