Goldpreis-Crash Was ist mit dem Goldpreis passiert?

Am Montag sackte der Goldpreis in kürzester Zeit um 1,6 Prozent, quasi senkrecht nach unten. Fehlorder? Flash-Crash? Spekulanten? Was für diese Theorien spricht und warum Goldanleger wieder aufatmen.

Quelle: REUTERS

Um 10 Uhr geschah am Montag an der Rohstoffbörse etwas, was Goldanleger in Aufregung versetzte: Der Goldpreis fiel binnen Sekunden von 1254 Dollar unter 1237 Dollar, ein Minus von 1,6 Prozent. Zwar hat sich der Goldpreis mittlerweile nahezu erholt, doch der Blick auf den Vorfall lohnt auch am Tag danach. 

Ein konkreter Anlass war nicht auszumachen, selbst Donald Trump dürfte zu dieser Zeit geschlafen statt getwittert haben. 

Was also war es? Schnell machte die Theorie vom „Fat Finger Trade“ die Runde. Gemeint ist damit eine Fehleingabe bei einer einzelnen Order, die von automatisierten Handelssystemen unmittelbar umgesetzt wird. Ein Börsenhändler, der sich mit „Wurstfingern“ vertippt, kann so riesige Handelsvolumen auslösen, die die Kurse rapide steigen oder eben fallen lassen. In der Vergangenheit kam das durchaus öfter vor, es gibt eine Reihe von Beispielen.

Kuriose Börsenpannen

In diesem Fall war das Handelsvolumen binnen einer Minute auf 1,8 Millionen Unzen Gold gestiegen, mehr als 18.000 Future-Kontrakte wechselten den Besitzer. Einige Börsenanalysten gehen deshalb davon aus, das die Zahl der Kontrakte mit der Zahl der Unzen verwechselt wurde. 18.150 Futures über je 100 Feinunzen Gold entsprechen umgerechnet 56 Tonnen Gold – nicht einmal Notenbanken handeln solche Mengen in so kurzer Zeit.

Gegen die Fat-Finger-Theorie spricht auch, dass derartige Fehlorders recht zügig korrigiert werden und sich anschließend der Goldpreis auf das Niveau vor dem Crash wieder einpendelt. Aber der Goldpreis erholt sich spät und nur langsam von diesem Preisrutsch.

Immerhin: Nachdem der Goldpreis mit dem Mini-Crash unter die 200-Tage-Durchschnittlinie gefallen war, hat er sich mit Kursen um 1249 Dollar wieder über diese wichtige Trendlinie gerettet. Bemerkenswerterweise gab es dabei auch einen fast senkrechten Anstieg des Goldpreises am Dienstagmittag. Allerdings fiel der mit einem Plus von 1245 auf etwa 1251 Dollar deutlich kleiner aus, als der Einbruch vom Montag.

Ähnliches gilt im Grunde für die Theorie eines Flash-Crashs. Hier stößt eine einzelne große Order die superschnellen, vollautomatisierten Handelssysteme der Großbanken oder Vermögensverwalter an, sogenannte Algo-Trader, die im Grunde eine sich selbst verstärkende Spirale auslösen. Auch dafür gibt es Beispiele aus der Vergangenheit. Allerdings erholen sich die Kurse üblicherweise fast so schnell davon, dass Anlegern der Kurseinbruch wie Einbildung erscheint. Diesmal aber brauchte der Goldpreis viele Stunden für eine leichte Erholung und noch immer hat er nicht das Ausgangsniveau von Montagmorgen erreicht.

Bleibt die Theorie zu besonders aktiven Spekulanten. Tatsächlich war dem Commitments-of-Traders-Report bereits zwei Tage vor dem Minicrash zu entnehmen, dass sich am Terminmarkt viel bewegt hat. So fiel die Zahl offener Kontrakte schon vor einer Woche an nur einem Tag um 5,5 Prozent. Die Netto-Long-Positionen, die angibt, wie viele Termingeschäfte mehr auf einen steigenden Goldpreis als auf einen fallenden Preis setzten, ist innerhalb einer von 190.000 auf 150.000 Kontrakte gesunken, ein regelrechter Einbruch um 20,8 Prozent.

Der Druck am Terminmarkt steigt also. Vielleicht kam es dadurch zu einem kleinen Dammbruch. Hinzu werden Preisschwankungen durch die generell geringen Handelsumsätze in den Sommermonaten noch verstärkt. Es ist also durchaus möglich, dass es sich um große, aber gewollte Orders gehandelt hat.

Gold aus Sternenstaub und Diamanten aus Seife
Gold gehört zu den begehrtesten, weil edlen und raren Elementen. Die Gründe dafür liegen im Kosmos, denn dort entsteht das Edelmetall. Allerdings nicht wie etwa Kohlenstoff oder Eisen in normalen Sternen durch Kernfusion, sondern nur durch extrem energiereichere Vorgänge, etwa die Kollision zweier Neutronensterne. Quelle: dpa
Bei diesen Fusionen verschmilzt neutronenreiches Material der Auswurfmasse, anschließend zerfallen die daraus hervorgegangenen Elemente wieder zu stabilen Kernen wie eben Gold. Bei einem solchen Ereignis, das Astronomen vor einigen Jahren beobachteten, entstand eine Menge Gold, die schätzungsweise zehnmal der Masse unseres Mondes entspricht. Quelle: dpa
Die Weltproduktion an Diamanten reicht längst nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken: 80 bis 90 Prozent aller Diamanten werden daher mittlerweile künstlich erzeugt. Sie kommen meist in der Industrie zum Einsatz, Schmuck macht den kleinsten Teil aus. Die 20 Tonnen Naturmaterial stammen vor allem aus zwei Quellen: Zum einen aus den klassischen Minen, bei denen sogenannte Kimberlit-Schlote nahezu senkrecht in die Erde ausgebeutet werden – der Stein trägt die begehrten Diamanten. Quelle: dpa
Die andere Quelle sind sogenannte Diamantseifen, die trotz ihres Namens nichts mit waschaktiven Substanzen zu tun haben. Vielmehr handelt es sich hier um eine besondere Form der Mineralanreicherung. Verwittert der Kimberlit, bleiben die Diamanten als extrem robuste Materialien übrig. An einigen Küsten wie in Namibia passiert dies auch in Strandnähe. Wenn ankommende Wellen Material auf den Strand verfrachten, nimmt das zurückströmende Wasser die leichteren Körner wieder mit, während die harten Brocken, eben die Diamanten, im Sand oder Kies zurückbleiben und sich dort zu Diamantseife anreichern. „Seife“ stammt übrigens aus dem geologischen Sprachgebrauch und bezeichnet jede Art sekundärer Mineralanreicherung in Sedimenten. Quelle: Lempertz, Köln
Ein altes Flussbett bei Ratnapura, südöstlich von Sri Lankas Hauptstadt Colombo, ist das Eldorado für Edelsteinsucher. Seit 2000 Jahren schätzen Glückssucher die Region wegen ihrer relativ leicht zugänglichen Vorkommen an Saphiren, Rubinen und Granaten. Ursprünglich stammen sie aus dem angrenzenden Hochland, wo ihr Ausgangsgestein erodiert und von Niederschlägen in die Flussläufe gespült wurde. Dort lagerten sich die edlen Steine ab und wurden von jüngeren Sedimenten überdeckt. (Foto: dpa)
2016 wurde hier einer der bislang größten Saphire der Welt ausgegraben und der Öffentlichkeit vorgestellt: Er wiegt 1404 Karat und ist schätzungsweise 90 Millionen Euro wert. Bei dem hier abgebildeten Stein handelt es sich um ein anderes Exemplar, das bei einer Versteigerung im Jahr 2008 „nur“ knapp drei Millionen Euro erbrachte. (Foto: dpa)
Bislang besteht die wirtschaftliche Bedeutung des bolivianischen Salar de Uyuni in seinem touristischen Wert. Der riesige Salzsee im Altiplano der Anden lockt jedes Jahr zehntausende Touristen an, die die bizarre Salzpfanne bewundern. Doch der Salar besitzt noch einen weiteren Schatz, und der weckt industrielle Begehrlichkeiten: Er umfasst das weltweit vielleicht größte Vorkommen an Lithium – einem Metall, das etwa für Akkumulatoren von Elektroautos oder Smartphones gebraucht wird. Quelle: dpa
In der Erdkruste kommt das Element zwar sehr häufig vor, aber normalerweise nicht in abbauwürdigen Konzentrationen. Anders am Salar de Uyuni, wo insgesamt mehr als fünf Millionen Tonnen lagern sollen. Eine deutsche Firma ist seit 2015 an einem Pilotprojekt beteiligt, das als Basis für die zukünftige Förderung dienen soll. Quelle: AP
Einer der Rohstoffe, von denen man wohl nicht annehmen würde, dass er knapp werden könnte, ist Sand. Unbegrenzt scheinen die Vorräte, die in Wüsten, an Stränden oder am Meeresgrund liegen. Doch Sand ist nicht gleich Sand. Wichtig ist zum Beispiel seine Zusammensetzung oder seine Körnung. Zudem wird er in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt – in der Baubranche, zur Glas- oder Kosmetikherstellung, in der IT-Branche ebenso wie zur Herstellung v on Solarzellen. Und das lässt den Allerweltsstoff allmählich rar werden. Quelle: dpa
Wüstensand beispielsweise taugt nicht für die Betonproduktion, er ist zu glatt. Staaten wie Saudi-Arabien oder Dubai müssen daher das Material aus Australien oder anderen Regionen importieren. In Indonesien betreibt schon die Mafia vielerorts den lukrativen, aber zerstörerischen Abbau. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor der Knappheit und ihren Folgen. Quelle: dpa

Goldanleger können zufrieden sein, dass die wichtige Widerstandszone bei Kursen um 1236 Dollar je Feinunze gehalten hat und somit die langfristigen Trends noch intakt sind. Denn eigentlich sprechen die Pleitebanken in Italien, die Brexit-Verhandlungen, steigende US-Leitzinsen und politische Spannungen mit Nordkorea eher für einen steigenden Goldpreis.

An der Börse wird also weiter gerätselt, warum es zu diesem ungewöhnlich scharfen Einschnitt kam. „Niemand hat eine Ahnung, abgesehen von dem unglücklichen Individuum, das den falschen Knopf gedrückt hat“, brachte es David Govett, Chef des Edelmetallhändlers Marex Spectron Group in London auf den Punkt. Goldanleger mit Blick auf den Preischart brauchen nun einmal besonders gute Nerven.

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