Griechenland Börse nimmt Einigung im Schuldenstreit vorweg

Die Aktienmärkte bejubeln schon eine Lösung in der Griechenland-Krise, obwohl sich die Verhandlungen erneut hinziehen. Die Vorschusslorbeeren kommen früh, seien aber gerechtfertigt, sagen Analysten.

Griechische Bürger protestieren am Montagabend in Athen Quelle: dpa

Warum haben Hollywood-Filme fast immer ein Happy-End? Weil es die meisten Zuschauer so wollen. Wer das Kino nicht glücklich und zufrieden verlässt, könnte sonst denken, das Geld für die Kinokarte sei zum Fenster rausgeworfen.

In der Realität allerdings gibt es keinen Anspruch aufs glückliche Ende. Schon gar nicht in einer griechischen Tragödie, wie dem Schuldenstreit zwischen der Tsipras-Regierung, EU-Kommission, den bürgenden EU-Staaten, Europäischer Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

Trotz nächtlicher Verhandlungsrunden und der zum Monatsende drohenden Staatspleite Griechenlands steht noch immer nicht fest, wie das Stück endet – ob mit Happy-End oder mit Trauer und Verderben für die Griechen.

Zwischen Streit und Einigung: Die Griechenland-Krise

An der Börse jedoch scheint die Sache schon entschieden. Rund um den Globus treiben die Optimisten, die an eine Einigung in letzter Minute glauben, die Kurse. An den europäischen Aktienmärkten zeigten sich die Anleger am Dienstag erneut in Kauflaune: Der deutschen Aktienindex Dax und der europäische Auswahlindex EuroStoxx50 gewannen je rund ein Prozent auf 11.591 und 3632 Punkte. Beide notierten damit auf einem Dreieinhalb-Wochen-Hoch.

Am Montag hatten beide Indizes bereits rund vier Prozent und damit den größten Tagesgewinn seit rund drei Jahren eingeheimst. "Der Aktienmarkt hofft auf eine Lösung im Schuldenstreit. Wir glauben, dass die Vorschusslorbeeren für Athen auch gerechtfertigt sind", erklärte NordLB-Analyst Tobias Basse. Auch in Fernost herrschte Erleichterung: Die Börse in Tokio sprang auf ein 15-Jahres-Hoch.

Auf ihrem Sondergipfel am Montagabend hatten sich die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone zumindest auf einen Fahrplan zur Lösung des seit Monaten schwelenden Konflikts geeinigt. Bis Mittwochabend sollen die Experten von EU-Kommission, EZB und IWF die neuen Reformvorschläge der griechischen Regierung geprüft haben.

An Griechenland hängt mehr als nur der Euro

Die Finanzminister der Euro-Zone könnten anschließend grünes Licht für das Paket geben. „Das Votum an den Kapitalmärkten war gestern eindeutig: Man findet eine Lösung für das Griechenland-Problem, so dass eine Staatspleite des Landes vermieden werden kann“, kommentierte Analyst Dirk Gojny von der National-Bank den Optimismus der Anleger.

Auch EU-Gipfelchef Donald Tusk lobte die jüngsten Spar- und Reformangebote Griechenlands als die „ersten wirklichen Vorschläge in vielen Wochen“. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zeigte sich zuversichtlich, dass die Finanzminister auf ihrem nächsten Treffen am Mittwoch Ergebnisse erzielen werden, bevor am Donnerstag und Freitag der reguläre EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs stattfindet.

Die meisten Investoren rechnen spätestens dann mit einer Lösung im Schuldenstreit, auch wenn sich einige Gipfel-Teilnehmer wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zuletzt kritisch über die neue Reformliste von Regierungschef Alexis Tsipras äußerten, weil wenig Substanzielles darin zu finden sei. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), sehen bis zu einer Einigung noch reichlich Handlungsbedarf.

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