Griechenland und der Dax Haut Mario Draghi die Märkte raus?

Der Dax brach am Montag bei Eröffnung ein, auch Asiens Börsen signalisierten bereits: Die Finanzmärkte sind wegen der drohenden Griechen-Pleite im Panik-Modus. Investoren hoffen jetzt auf die Europäische Zentralbank.

Mario Draghi wird es nicht zulassen können, dass Investoren und Hedgefonds jetzt große Wetten auf steigende Renditen und fallende Kurse der Staatsanleihen von Portugal, Spanien und Co. eingehen. Quelle: AP

Es bedurfte keiner großen prognostischen Fähigkeiten, um voraus zu ahnen: Der Deutsche Aktienindex Dax ist am Montagmorgen bei Eröffnung kräftig nach unten abgerauscht. Schätzungen von Analysten, die von einem ersten Minus von 500 Punkten ausgehen, waren zwar reine Kaffeesatz-Leserei. Wie stark die Märkte wegen der bisher größten Krise der Eurozone fallen, lässt sich nicht vorhersagen. Die Furcht vor einer bevorstehenden Pleite Griechenlands drückte den Dax am Morgen dann kurz nach Handelsbeginn um 4,36 Prozent auf 10.990,86 Punkte. Das ist der größte Kursrutsch seit dreieinhalb Jahren.

Sicher scheint: Es wird keine schnelle Beruhigung geben. Die zuletzt häufig auch von Seiten prominenter Banker gehörte Phrase, der Grexit sei an den Märkten so gut wie "eingepreist", stimmt nicht. Die Märkte haben, wie auch die meisten politischen Beobachter, einen notfalls milliardenteuren Aufschub erwartet. Zeit, die mit Geld erkauft wird. Mit seinem Schachzug, jetzt ein Referendum abhalten zu wollen und dem darauf folgenden Bruch mit den Euro-Finanzministern hat Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras dieses Kalkül durchkreuzt.

Teuer, aber machbar - Euro ohne Griechenland

Letzte Hoffnung für die Finanzmärkte ist Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Der hat schließlich vor drei Jahren versprochen, den Euro zu verteidigen, was immer dazu nötig sei. Er wird es nicht zulassen können, dass Investoren und Hedgefonds jetzt große Wetten auf steigende Renditen und fallende Kurse der Staatsanleihen von Portugal, Spanien und Co. eingehen und so - weil die Zinslasten, die deren Regierungen dann schultern müssen, massiv steigen werden - die nächste Runde im Euro-Pleitedrama eröffnen.

Draghi hat noch viel Munition

Auch wenn alle politischen Rettungsbemühungen gescheitert scheinen, will Draghi Griechenlands Notenbank und damit die griechischen Banken weiter mit Notkrediten (Emergency Liquidity Assistance, ELA) am Leben halten. 89 Milliarden Euro hat die EZB bereits nach Athen überwiesen, und ein Ende ist nicht abzusehen. Und Draghi kann noch mehr tun: "So lange die EZB in ihrem QE engagiert ist (Quantitative Easing, Anleihekaufprogramm), ist der Schaden, den die Krise auf anderen Staatsanleihemärkten anrichten wird, klar begrenzt", schreibt Unicredit-Chefökonom Erik F. Nielsen in einem Kommentar für seine Investoren vom Sonntag, "und wenn QE ausläuft, haben wir das OMT." Bei den Outright Monetary Transactions handelt es sich um ein geldpolitisches Ankaufprogramm, das bisher noch nicht zur Anwendung kam. Draghi hätte demnach noch eine Menge Munition für seine Dicke Bertha.

Die von Athen vorgeschlagenen Sparmaßnahmen

Entsprechend optimistisch gibt sich Nielsen: Griechenland sei nicht mit der zuvor ebenfalls unterschätzten Lehman-Krise von 2008 vergleichbar. Es sei eben keine Bank mit wüsten finanziellen Verflechtungen in einem vor allem mit Schulden finanzierten ("geleveragten") Finanzsystem, sondern ein kleines Land, das nur zwei Prozent zur europäischen Wirtschaftsleistung beitrage. Wenn es zu einem Ausverkauf bei Europas Risikoanlagen (Staatsanleihen der Südstaaten, Aktien) komme, werde er bei jedem wesentlichen Kurseinbruch auf der Käuferseite stehen, so Nielsen.

Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland

Kapitalverkehrskontrollen starteten in Hellas schon Montagmorgen. Nach Medienberichten sollen die Banken und auch die Athener Börse bis Anfang kommender Woche geschlossen bleiben. Das klingt übel in den Ohren ausländischer Investoren. Wehret den Anfängen, mag mancher sagen, wenn man in einzelnen Mitgliedsländern nicht an sein Kapital kommt, warum nicht irgendwann auch mal in der Eurozone gegenüber dem Rest der Welt? Weitaus mehr als die Hälfte der Dax-Aktien liegt in den Händen ausländischer Institutionen, die ihr Geld irgendwann ja auch mal wieder nach Hause holen wollen. In unsicheren Zeiten dann lieber früher als später.

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Viel stärker als europäische Aktien generell wird die jetzt sehr wahrscheinlich gewordene Griechenland-Pleite griechische Aktien und Staatsanleihen drücken. Für die schon nahezu pulverisierten griechischen Bankaktien wird es kaum Nachfrage geben. Zur Angst um die Wirtschaft des Landes kommt jetzt noch die Furcht, sein Geld nicht mehr aus Athen herauszubekommen.

Unternimmt die EZB nichts Besonderes, dürften die Risikoaufschläge für Anleihen der anderen südlichen Krisenländer weiter anziehen und damit deren Renditen steigen und deren Kurse fallen werden. Ob Bundesanleihen, die zuletzt bei Griechenland-Unsicherheiten immer mit Renditeabschlägen und Kursgewinnen reagierten, profitieren werden, bleibt abzuwarten.

Das klassische Muster, dass bei Unsicherheit eine Flucht in Qualität stattfindet, wird sich wahrscheinlich durchsetzen, ein Restrisiko, dass auch Bunds fallen werden, bleibt aber. Nämlich dann, wenn die Märkte realisieren, dass Deutschland jetzt milliardenschwere Abschreibungen hinnehmen und natürlich auch neue Hilfsprogramme stemmen muss, die verhindern sollen, dass Griechenland zum neuen Kosovo der Europäischen Union verkommt.

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