Griechenland und die Börse Was der näher rückende Grexit für Anleger bedeutet

Wie kaum anders zu erwarten, ist der Dax tiefrot in die neue Handelswoche gestartet. Der deutsche Auswahlindex eröffnete mit einem Minus von 1,92 Prozent, erholte sich aber schon in den ersten Handelsminuten zusehends. Anleger reagierten zwar enttäuscht auf das überraschend klare "Nein" der Griechen zu den europäischen Verhandlungsvorschlägen, aber alles andere als panisch. Wie geht es nun weiter? Was bedeutet das "Nein" für Anleger und Sparer?

Auswirkungen des Grexit für die Börse. Quelle: dpa Picture-Alliance

Bis zuletzt hatten griechische Unternehmerverbände und Wirtschaftspolitiker verzweifelt für ein "Ja" zu weiteren Verhandlungen und damit möglichen neuen Hilfen durch EU und IWF geworben - ohne Erfolg. "Der Ausgang des Referendums ist ein Schock für das politische System und wird sicherlich die formale Unauflösbarkeit der Eurozone auf eine sehr harte Probe stellen", sagte Ralf Zimmermann, Stratege der Lampe Bank am Montagmorgen.

Der Euro in seiner jetzigen Form - mit Griechenland - könnte durchaus bald Geschichte sein. Auch wenn 80 Prozent der Griechen zwar keine Sparprogramme mehr, wohl aber den Euro behalten möchten. Was bedeutet das "Nein" der Griechen für die Märkte?

Die Reaktion des Dax ist am Montagmorgen zunächst glimpflich (Stand: 10.00 Uhr), und das ist aus zwei Gründen verständlich: Zum einen war die Ablehnung erwartet worden, das zeigten zumindest die letzten Umfragen und auch die Quoten der Londoner Buchmacher am Wochenende. Es konnte also keinen Anleger wirklich überraschen. Zum anderen ist Griechenlands Bedeutung für die Gesamtwirtschaft der EU zum Glück überschaubar: Sie trägt nur noch rund 1,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

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Griechenlands Staatspleite wird wahrscheinlicher

Zunächst bedeutet das "Nein", dass die Syriza-Regierung die als nächstes fällig werdenden Kredite nicht zurückzahlen wird. 2,0 Milliarden Euro werden schon am 10. Juli fällig, weitere 0,5 Milliarden am 13., beide an den IWF, dort rechnet niemand mehr mit einem Zahlungseingang. Bis zum 20. Juli werden dann weitere 4,5 Milliarden Euro an Krediten an die EU fällig, die Griechenland nicht mehr hat.

Wird nicht noch in letzter Minute eine Einigung erzielt, bedeutet das die Staatspleite und Griechenland bekäme keine Geldspritzen mehr von der EZB. Wahrscheinlich müsste dann zunächst eine Parallelwährung (die Drachme) eingeführt werden, da natürlich weiterhin Euro in Griechenland akzeptiert werden - sowohl von Privatleuten, als auch von kleinen Geschäften.

Griechenland würde zwar höchstwahrscheinlich EU-Mitglied bleiben, aber Löhne, Renten und staatliche Transferleistungen würden in Drachmen ausbezahlt, die stark gegenüber dem Euro und dem Dollar abwerten würde; weil Griechenland sehr viel importieren muss, wäre eine hohe Inflation die Folge.

Die Binnenwirtschaft Griechenlands würde zunächst weiter geschwächt, soziale Notsituationen würden eher zunehmen. Nur langfristig kämen die Vorteile aus griechischer Sicht zum Tragen: Exportunternehmen etwa würden von der Drachme profitieren und möglicherweise Arbeitsplätze schaffen, ebenso der Tourismus. Das Problem ist aber, dass es außerhalb des Tourismus kaum Industrie gibt. Schon gar keine, die in die Welt exportiert.

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