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Größe allein reicht nicht Diese Star-Fondsmanager stehen in der Kritik

Fidelity bringt innerhalb von zehn Jahren schon den vierten Fondsmanager. Klaus Kaldenmorgen von der DWS fällt weit hinter die Benchmark zurück. Welche Fonds-Flaschiffe und Star-Verwalter Anleger Rendite kosteten.

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Der 34 Jahre alte Matthew Siddle hat bei Fidelity keinen leichten Job. Quelle: Pressefoto

Mit seinen 34 Jahren macht Matthew Siddle keinen leichten Job. Der Ökonom mit Cambridge-Abschluss bringt zwar schon acht Jahre Erfahrung als Fondsmanager mit, um dem wichtigen Produkt seines Arbeitgebers Fidelity, dem „European Growth Fund“, zu neuem Glanz zu verhelfen. Doch seit Jahren erreicht der Fonds allenfalls eine mittelmäßige Rendite, so dass sich das Vermögen des Fonds nach Kapitalabflüssen und Wertverlusten geviertelt hat.

Im vergangenen Jahrzehnt wechselte die US-Fondsgesellschaft dreimal den Fondsmanager aus. Nach einem extrem schwachen Jahr 2011 hat nun Alexander Scurlock den noch 6,5 Milliarden Euro schweren Fonds abgegeben, nach offizieller Sprachregelung, um „eine neue Rolle im europäischen Investmentteam“ zu übernehmen. Doch Beobachter vermuten Erfolglosigkeit als eigentlichen Grund für den Austausch. Auch die Fidelity-Marketingexperten erklärten bereits auf Verkaufsveranstaltungen, dass Siddle den Fonds nun von den vielen Bankaktien im Portfolio befreien solle.

Während Scurlock als ausgewiesener Einzeltitelspezialist galt, kommt mit Siddle ein Manager, der nach eigener Aussage in Europa nach Unternehmen mit solider Finanzkraft und starker freier Liquidität sucht. „Solche Firmen lassen langfristig den Markt hinter sich und sind in schweren Zeiten weniger anfällig“, begründet er. Siddle scheint stärker Risiken im Blick zu haben, wie Javier Sáenz de Cenzano, Analyst von Morningstar, meint.

Der Wechsel werde daher große Veränderungen im Fonds bedeuten. Der Brite managte zuletzt einen Fonds mit großen europäischen Aktien und bewies 2011, dass er mit schwierigen Börsen umgehen kann, sagt Sáenz de Cenzano. Es sei aber noch zu früh, um seine Leistung einzuordnen. Bis Ende 2012 will Siddle den Fonds umbauen. Er mag Konzerne wie Sanofi und Roche, BG Group, BMW, VW und SAP.

Fidelity European Growth Fund (FIL Luxembourg)

Fondsmanager Matthew Siddle verwaltet stolze 6,467 Millionen Euro bei diesem Fonds mit Fokus auf europäische Aktien.

Performance pro Jahr*

1 Jahr

3 Jahre

5 Jahre

Fonds

-10,1 %+7,5 %-6,9 %

Vergleichsindex: MSCI Europe TR USD

-11,4 %+8,1 %-6,3 %

Platzierung**

133150112
*zum 30.5.2012,**unter allen Konkurrrenzfonds. Quelle: Lipper


Fondsmanager ohne Fortune

Klaus Kaldemorgen gibt Rätsel auf. Der Starfondsmanager und frühere Deutschlandchef der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS gab Ende 2010 seine höchste Führungsaufgabe bei Deutschlands zweitgrößter Gesellschaft für Publikumsfonds für private Anleger auf. Der 58-Jährige wollte sich nach eigener Aussage wieder dem widmen, was ihm beruflich am meisten am Herzen liegt: dem Managen von Fonds.

Dem Vorzeigeprodukt des Hauses, dem weltweit in Aktien anlegenden Fonds „DWS Vermögensbildung I“, tat diese Entscheidung offenbar gar nicht gut. Der Fonds sackte bei Rendite und Wertschwankung in die Mittelmäßigkeit ab. Seit Mitte 2011 bewertet das Analysehaus Feri Eurorating den Kaldemorgen-Fonds, dessen immerhin noch 4,8 Milliarden Euro schweres Vermögen vor allem Anlegern in Deutschland gehört, nur noch mit „durchschnittlich“.

Im Frühjahr 2012 lautete das Urteil erstmals „unterdurchschnittlich“. Der „I“, wie Berater den Fonds gern nennen, hinkt mit Blick auf die vergangenen drei Jahre hinter der Konkurrenz und der Börsenmesslatte MSCI World her. In den vergangenen zwölf Monaten hat Kaldemorgen ein Minus von gut sechs Prozent gemacht, das ist doppelt so viel wie der Durchschnitt der Wettbewerber. Der Index lag sogar knapp vier Prozent im Plus.

„Die getroffenen Entscheidungen passen derzeit nicht - aber warum?“, fragt André Härtel von Feri. Kaldemorgen erklärt die relativ schwächere Wertentwicklung des Fonds gegenüber dem MSCI World mit seinem relativ zum Index geringeren Gewicht von US-Aktien und einem höheren Gewicht in Euro. Er begründet dies mit der Streuung von Verlustrisiken.

Ein neuer Risikomanager im globalen Aktienteam unterstützt Kaldemorgen unterdessen beim Traditionsfonds des Hauses. Aktuell setzt der Fondsmanager, der zunächst gesamtwirtschaftliche Trends analysiert und im zweiten Schritt Aktien auswählt, stärker auf Titel aus den Sparten Gesundheit, Energie und Grundstoffe.

DWS Vermögensbildungsfonds I

Der prominente Fondsmanager Klaus Kaldemorgen verwaltet 4,844 Milliarden Euro in diesem Fonds mit dem Fokus auf Aktien weltweit.

Performance pro Jahr*

1 Jahr

3 Jahre

5 Jahre

Fonds

-6,4 %+5,3 %-4,3 %

Vergleichsindex: (MSCI World TR USD)

3,8 %+14,4 %-1,9 %

Platzierung**

418465210
*zum 30.5.2012, **unter allen Konkurrrenzfonds. Quelle: Lipper


Trotz Disziplin schwach

Norman Boersma ist bereits der dritte Fondsmanager innerhalb von fünf Jahren für den bekanntesten Fonds des US-Vermögensverwalters Franklin Templeton. Gravierende Änderungen für die Strategie des knapp 12 Milliarden Euro schweren Templeton Growth Fonds erwarten Experten wie Natalia Wolfstetter von Morningstar allerdings nicht von dem 54-jährigen Kanadier.

Schließlich stammt die Anlageidee vom legendären Gründer John M. Templeton, der 1954 den Fonds auflegte und ihn berühmt machte. „Der Investmentprozess ist diszipliniert und basiert stark auf Teamarbeit“, so Wolfstetter.

Die Fondsmanager suchen nach billigen Aktien, gern auch aus unbeliebten Sektoren. Die Experten wählten Aktien aus Empfehlungslisten aus, die ein großes Researchteam zusammenstellt. Dabei zeichneten sich die Templeton-Manager durch große Geduld aus: Phasen mit schwächerer Wertentwicklung werden hingenommen.

Boersma sagt denn auch, dass sich seine Anlagen spätestens nach fünf Jahren auszahlen sollten. Zumindest seine Vorgänger haben dies nicht geschafft. Seit 2003 hinkt der Fonds sowohl seiner Konkurrenz als auch dem Vergleichsindex hinterher. Boersma setzt aktuell stark auf Titel aus Gesundheit, Finanzen und Technologie.

Templeton Growth Fund

Fondsmanager Norman Boersma schaffte es in keinem der drei aufgeführten Zeiträumen den Vergleichsindex zu schlagen. Der Fonds hat den Fokus auf die weltweiten Aktienmärkte.

Performance pro Jahr*

1 Jahr

3 Jahre

5 Jahre

Fonds

-4,4 %+11,6 %-6,9 %

Index MSCI World TR USD

+3,8 %+14,4 %-1,9 %

Platzierung**

358186279
*zum 30.5.2012;**unter allen Konkurrrenzfonds; Quelle: Lipper.


In einem engen Korsett

Arvid Rickmers hat ein schweres Erbe angetreten. Der Fondsmanager des europäischen Aktienfonds Ari Deka der Sparkassenfondstochter Deka hat Anfang 2011 einen milliardenschweren, aber schwachen Fonds übernommen. Und dem 37-jährigen Norddeutschen sind nach Einschätzung von Experten die Hände relativ stark gebunden, was die Gestaltung der Fondsstrategie angeht.

Die Gründe: Der mit 2,3 Milliarden Euro noch immer gewichtige Fonds wird relativ eng an seinem Börsenvergleichsindex gemanagt. Das Kapital ist außerdem verhältnismäßig breit investiert - viel Spielraum, eigene Akzente zu setzen, bleibt Rickmers nach Ansicht von Andre Härtel, Analyst bei Feri Eurorating, nicht. Und die Aktienauswahl habe in den vergangenen Jahren auch eher der Rendite geschadet, wie Morningstar feststellt.

Feri bewertet die Rendite und Wertschwankung des Fonds seit rund zehn Jahren unterdurchschnittlich - „die Ergebnisse sind nicht überzeugend“, so Härtel. Das Vermögen hat sich denn auch mehr als gedrittelt. Dass der Fonds als Sparplanfonds dennoch Milliarden angezogen habe, sei vertriebstechnisch bedingt, meint er. Bei der Deka zeigt man sich unterdessen zuversichtlich, dass Rickmers „schrittweise auf gutem Weg nach oben“ sei. Aktuell favorisiert er Aktien aus Frankreich und Portugal.

Deka Ari Deka

Fondsmanager Arvid Rickmers verwaltet in diesem Fonds 2,256 Milliarden Euro. Der Anlagefokus liegt auf europäischen Aktien.

Performance pro Jahr*

1 Jahr

3 Jahre

5 Jahre

Fonds

-14,1 %+4,6 %-9,2 %

Vergleichsindex (MSCI Europe TR USD)

-11,4 %+8,1 %-6,3 %

Platzierung**

269270212
*zum 30.5.2012, **unter allen Konkurrrenzfonds. Quelle: Lipper
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