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Haferdrink-Hersteller Oatly-Aktie legt bei Börsendebüt um 30 Prozent zu

Ein Mann hält eine Packung Oatly-Hafermilchersatz in Händen. Quelle: imago images

Oatly hat ein fulminantes Debüt an der US-Technologieböre gefeiert: Der erste Nasdaq-Kurs lag bei 22 Dollar – bei einem Ausgabepreis von 17 Dollar. Der Börsengang bringt so bis zu 1,65 Milliarden Dollar ein.

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Der schwedische Haferdrink-Hersteller Oatly hat ein fulminantes Debüt an der US-Technologieböre Nasdaq gefeiert. Die US-Hinterlegungsscheine (ADS) eröffneten den Handel am Donnerstag mit 22 Dollar, das war ein Plus von 30 Prozent zum Ausgabepreis von 17 Dollar, der bereits am oberen Ende der Zeichnungsspanne festgelegt worden war.

Im Tagesverlauf stiegen Oatly-Papiere um mehr als ein Drittel bis auf 22,74 Dollar, ehe sie etwas abbröckelten. Zum Höchstkurs wird das Unternehmen, das vom Trend zu gesunder und veganer Ernährung profitiert, mit mehr als 13 Milliarden Dollar bewertet.

Oatly und einige seiner Anteilseigner nehmen mit der Emission bis zu 1,65 Milliarden Dollar ein, davon gehen 1,1 Milliarden an das Unternehmen selbst. „Die Einnahmen gehen in den Ausbau der Kapazität auf allen drei Kontinenten, auf denen wir vertreten sind“, sagte Vorstandschef Toni Petersson. „Die Nachfrage steigt ständig. Wir hatten es schwer, da mitzuhalten.“ Zu den Investoren von Oatly gehören der frühere Starbucks-Chef Howard Schultz, die Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey, die Schauspielerin Natalie Portman und der Rapper Jay Z. Organisiert wurde der Börsengang von den Investmentbanken Morgan Stanley, JP Morgan und Credit Suisse.

Hafer, Soja und Co.: Von der Nische zum Mainstream
Oatly1994 gründeten die beiden schwedischen Wissenschaftler Rickard Öste und Skånska Lantmännen die Firma Ceba Foods. Sechs Jahre später erfanden sie die Haferdrink-Marke Oatly und benannten das Unternehmen entsprechend um. Inzwischen füllen die pflanzenbasierten Produkte von Oatly die Regale von Supermarktketten und Drogeriemärkten in mehr als 20 Ländern in Europa und Asien. Zu den Eigentümern gehören neben den Gründern und einigen anderen Investoren auch der milliardenschwere chinesische Mischkonzern China Resources Holding sowie die Investmentgesellschaft Blackstone. Vor allem die Zusammenarbeit mit Blackstone rief deutliche Kritik hervor, da Blackstone auch in Unternehmen investiert sein soll, denen Umweltzerstörung vorgeworfen wird. Quelle: Bloomberg
AlproVor rund fünf Jahren übernahm der französische Milchriese Danone für zwölf Milliarden Dollar das US-Unternehmen WhiteWave Foods, einen US-Hersteller von veganen und vegetarischen Lebensmitteln. Damit holten sich die Franzosen auch die im belgischen Gent beheimateten Marken Alpro und Provamel ins Haus, die seit Jahren in Deutschland Marktführer bei Milchalternativen sind. Alpro gilt als Pionier für pflanzliche Nahrungsmittel und Drinks. Quelle: imago images
Kölln – HaferliebeSchon vor mehr als zehn Jahren stieg der Haferflockenhersteller Kölln aus Elmshorn in das Geschäft mit Milchalternativen ein. Kölln habe seinerzeit überall dabei sein wollen, wo Hafer drinsteckt. „Da lag es doch auf der Hand, dass wir, als führender Haferspezialist seit fast 200 Jahren, auch Haferdrinks machen“, sagt Kölln-Chef Christian von Boetticher. Haferliebe Klassik bekam im vergangenen Jahr bei einem Test der Stiftung Warentest von 18 Haferdrinks die beste Bewertung. Quelle: PR
Schwarzwaldmilch – VelikeUm auch eine pflanzliche Milchalternative anbieten zu können, gründete die Molkerei Schwarzwaldmilch vor zwei Jahren mit der Black Forest Nature GmbH ein Start-up Unternehmen. Die Tochterfirma brachte 2020 den Bio-Haferdrink „Velike“ auf den Markt. Ihren Hafer beziehen die Schwarzwälder aus der Region. Dieser sei vom Verband Bioland zertifiziert, werde in einer nahegelegenen Mühle gemahlen, in Offenburg produziert und in Freiburg abgefüllt. „Das sind optimal kurze und verantwortungsbewusste Wege“, sagt Schwarzwaldmilch-Chef Andreas Schneider. Highlight des Velike-Sortiments sei der erste frische Haferdrink in der 1-Liter-Mehrwegglasflasche. Quelle: PR
Handelsmarken Aldi, Lidl, REWE und Co.Keine Lebensmittelkette kommt mehr ohne eigene Haferdrinks und Sojagetränke aus. In den Regalen nehmen sie, etwa bei Kaufland, mehr Platz ein als die Marktführer Alpro oder Oatly. Das Angebot der Händler reicht von Hafer über Mandel bis Soja, mal in Bioqualität, mal mit und ohne Zucker. Quelle: imago images

Für den US-Aktienmarkt bietet die erfolgreiche Emission die erhoffte Rückendeckung. Drei Absagen von Börsengängen in der vergangenen Woche hatten Befürchtungen genährt, die seit 15 Monaten andauernde Erfolgswelle bei Emissionen und Platzierungen könnte zu Ende gehen. Der Hypothekenversicherer Enact Holdings und der Hörgeräte-Hersteller Hear.com hatten ihre Börsenpläne zurückgezogen. Auch in Deutschland nahm die Aufnahmebereitschaft der Investoren für Börsengänge ab.

Das Unternehmen erlebt mit dem Börsengang eine massive Wertsteigerung. Bei der letzten, 200 Millionen Dollar schweren Finanzierungsrunde im Juli 2020, die maßgeblich vom Finanzinvestor Blackstone gestemmt wurde, war es mit rund zwei Milliarden Dollar bewertet worden. Größter Aktionär bleibt auch nach dem Börsengang Verlinvest, die Beteiligungsfirma der Eigentümerfamilie des Brauereiriesen Anheuser-Busch InBev. Sie hatte über ein Gemeinschaftsunternehmen mit der staatlichen China Resources 2016 in Oatly investiert.



Die Hafermilch von Oatly ist vor allem bei Veganern als Ersatz für Milch populär, weil sie frei von Soja-Eiweiß ist. Zuletzt hatte sich das 1994 von den Brüdern Rickard und Björn Öste gegründete Unternehmen aus Malmö mit der Kaffee-Kette Starbucks zusammengetan, die in ihren Cafes in den USA Getränke und Snacks auf Basis der Haferprodukte von Oatly anbieten will.

Mehr zum Thema: Pflanzendrinks aus Soja, Hafer oder Reis boomen und neue Hersteller verpassen mit teils aggressiver Werbung klassischen Molkereien einen Imageschaden. Einiges erinnert an die Glaubenskriege in der Autoindustrie.

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